Gutenstetten: Pöbelnde Autofahrer und ein Krötenfriedhof | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 21.03.2023 17:49

Gutenstetten: Pöbelnde Autofahrer und ein Krötenfriedhof

Bisher muss der Abriss der Steinachbrücke in Gutenstetten noch gebremst laufen. Aber Bürgermeister Gerhard Eichner zeigt sich zuversichtlich, dass es nach der Muschelabsuche zügiger vorangeht. (Foto: Christa Frühwald)
Bisher muss der Abriss der Steinachbrücke in Gutenstetten noch gebremst laufen. Aber Bürgermeister Gerhard Eichner zeigt sich zuversichtlich, dass es nach der Muschelabsuche zügiger vorangeht. (Foto: Christa Frühwald)
Bisher muss der Abriss der Steinachbrücke in Gutenstetten noch gebremst laufen. Aber Bürgermeister Gerhard Eichner zeigt sich zuversichtlich, dass es nach der Muschelabsuche zügiger vorangeht. (Foto: Christa Frühwald)

Gleich zweierlei Neuigkeiten hatte Gutenstettens Bürgermeister Gerhard Eichner zum Steinachbrücken-Abriss: Zum einen hat das Hochwasser das Projekt verzögert, zum anderen berichtete er von pöbelnden Autofahrern, die sich nicht an die Spielregeln halten. Räte äußerten außerdem Kritik an der internen Umleitung in Gutenstetten.

„Ich glaube nicht, dass wir damit glücklich werden“, kommentierte Gerhard Knöchlein die innerörtliche Umleitung. Er habe am Wochenende auf den Verkehr geachtet: „Lauter Auswärtige fahren durch.“ Dabei ist besagte Umleitung ausdrücklich nur für Anlieger frei, alle anderen müssten eigentlich die große Umfahrung wählen. Ihre Navis, hieß es im Ratsgremium, leiten sie allerdings nach Gutenstetten. „Was da an Autos reinfährt, ist der absolute Wahnsinn“, befand Knöchlein mit Blick auf den Kirchenweg. „Die Straße trägt den Verkehr nicht. Ich glaube nicht, dass das die richtige Lösung ist.“

Schutzzaun an neuralgischen Stellen?

Ein weiteres Problem: Die Verlängerung des Abtenweges – also der Radweg Richtung Kleinsteinach – werde als Schleichweg genutzt, sagte Silvia Gerhardt. Die Folge: „Am Rand liegen lauter tote Kröten.“ Unter Naturschützern wird schon von einem „Krötenfriedhof“ gesprochen. Gerhardt bat dringend, an den neuralgischen Stellen einen Amphibien-Schutzzaun aufzustellen. Sie hätte auch eine Betreuerin zur Hand.

Alexander Scheumann wies in diesem Zusammenhang noch auf ein weiteres Dilemma hin: Wer auf Höhe Kleinsteinach in besagten Weg abbiegt, darf dort nicht fahren – ein Verbotsschild für Autos und Motorräder steht dort, der landwirtschaftliche Verkehr ist frei. Wer in Gutenstetten auf dem Abtenweg ortsauswärts fährt, sieht allerdings nur eine Gewichtsbegrenzung, aber kein Fahrverbot. Scheumann bat deshalb um Einheitlichkeit. Und die Erfahrung der Räte lehrt, dass so manches Navi Autofahrern tatsächlich die Abtenweg-Verlängerung als Umfahrung vorschlägt.

„Da es mit den Navigationssystemen Probleme gab und diese immer wieder Verkehrsteilnehmer durch die engen Ortsstraßen von Gutenstetten geleitet haben, wurde der Sperrbereich vergrößert, so dass zumindest die Navigationssysteme mit Online-Navigation entsprechend der Umleitung leiten sollten“, heißt es hierzu aus dem Staatlichen Bauamt.

Siegfried Faust schilderte indes seine Lehren der ersten Baustellenwochen in der Steigerwaldstraße. Busse rasten teils mit 60 Stundenkilometern bei erlaubten 30. „Durch das Parkverbot wird die Steigerwaldstraße immer mehr zur Rennstrecke.“ Faust appellierte an die Gemeinde, dort eine Messtafel aufzustellen, damit die Fahrer „in ihrem Tran“ merken, dass sie viel zu schnell unterwegs sind.

Und: „Jetzt würde sich Blitzen richtig rentieren“, sagte Faust in Richtung Neustädter Polizei. Dietmar Rückert bat auch darum, den Ortsteil Haag nicht zu vergessen, auch dort rasten Fahrzeuge nahezu ungebremst durch das Dorf.

Bürgermeister Gerhard Eichner beobachtete indes einen starken Egoismus auf der ortsinternen Umleitungsstrecke über den Kirchenweg: „Die Verkehrsteilnehmer sind oftmals ungehalten und fahren auch gegen die Einbahnstraße, obwohl die Schilder deutlich sichtbar sind.“

Eichner ordnete diese Tendenz als gesamtgesellschaftliches Problem ein, das nicht nur Straßensperrungen betreffe. „Das Ich zählt bei vielen mehr als das Wir“, bedauerte er. „Die Gesellschaft lässt es sich aber nicht bieten, dass die Falschfahrer gegenüber den Anwohnern und Bauarbeitern ausfällig werden.“ Die Mehrheit der Fahrer halte sich glücklicherweise an die Regeln. Trotzdem sieht sich die Gemeinde gezwungen, im Kirchenweg Barrieren einzubauen, um Raser und Falschfahrer auszubremsen. Eichner: „Ob wir alle Falschfahrer damit einschränken können, wissen wir nicht.“

Klaus Nirsberger ärgerte sich ebenfalls über all diese Kalamitäten, fand aber: „Wenn sich die Polizei nicht hinstellt, hat es eh keinen Wert.“ Die Gemeinde hofft nun auf eine verstärkte Polizeipräsenz, um das Problem besser in den Griff zu bekommen und die Anwohner zu entlasten. Scheumann: „Die Baustelle geht noch a weng. Jetzt haben wir noch die Chance, nachzubessern.“

Hochwasser bremste Projekt aus

Die Baustelle ist noch bis Jahresende eingerichtet. Allerdings gibt es nun zu Beginn leichte Verzögerungen – wegen des Hochwassers im März. Während des Abrisses der Brücke soll der betroffene Steinachbereich vorübergehend verrohrt werden, um keine Schadstoffe ins Wasser zu tragen, erläuterte Michael Schätzl, Abteilungsleiter Brückenbau vom Staatlichen Bauamt Ansbach, auf Nachfrage unserer Redaktion.

Doch bevor die Verrohrung installiert werden kann, muss eine qualifizierte und unterwiesene Person erst noch den Steinachbereich nach Bachmuscheln absuchen. Das sollte eigentlich am Montag passieren, berichtete Eichner den Räten. Da war der Pegelstand aber noch zu hoch und das Wasser zu trüb.

Deshalb laufe der Abriss bisher in gebremster Geschwindigkeit. Am heutigen Mittwoch startet ein neuer Muschelsuch-Versuch. Gerhard Eichner: „Danach soll es mit dem Abriss zügig weitergehen.“

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