Kathrin Bauer und Lena Gruhn arbeiten in ihrem Traumberuf: Sie sind Hebammen. Doch so sehr sie das Wunder der Geburt jedes Mal aufs Neue erfüllt, sehen sie auch die Schattenseiten des Berufs. Am Internationalen Hebammentag am Freitag, 5. Mai, machen Hebammen in mehr als 50 Ländern auf ihre Situation aufmerksam.
„Alle Fragen. Eine Antwort: Hebamme!“: Unter dieses Motto hat der Deutsche Hebammenverband den Aktionstag heuer gestellt. In den vergangenen Jahren standen die Themen Fachkräftemangel im Kreißsaal und die schwierige Arbeit der Hebammen während der Corona-Zeit im Fokus. Den Internationalen Hebammentag gibt es seit 1991. Er wird jährlich am 5. Mai begangen.
Es lohnt sich, dass Hebammen sich öffentlich für bessere Bedingungen stark machen. Davon ist Kathrin Bauer überzeugt. So seien Hebammen durch das Engagement des Berufsverbands vor zwei Jahren in der Impfpriorisierung nach oben gerückt. Ein anderes Beispiel: Im Herbst konnte mit einer Petition die Streichung der Hebammen aus dem Pflegebudget gestoppt werden.
Auf lokaler Ebene gehörte Kathrin Bauer im vergangenen Jahr zu den Akteuren, die sich dafür einsetzten, das Besuchsverbot von Begleitpersonen in den Kreißsälen der ANregiomed-Kliniken zu beenden. Damals konnten für eine Woche werdende Väter nicht bei der Geburt ihrer Kinder dabei sein.
Kathrin Bauer wurde im November 2021 zur Kreissprecherin der Hebammen in der Stadt Ansbach gewählt, Kreissprecherin im Landkreis Ansbach ist Melanie Dumke. Zu ihren Aufgaben gehört es, Hebammen in der Region zu vernetzen. Als Kreissprecherinnen sind sie außerdem das Bindeglied zwischen dem bayerischen Hebammenverband und den Kolleginnen vor Ort.
Vorschläge für Verbesserungen hat Kathrin Bauer viele. Zum Beispiel, was den Einsatz von Fördergeldern betrifft. In der Stadt Ansbach bekommen Hebammen über lokale Fördermittel einen Parkausweis, berichtet sie. Im Landkreis Ansbach sei das leider nicht der Fall. Auch eine Koordinationsstelle, die Frauen hilft, eine Hebamme zu finden oder Urlaubsvertretungen regelt, findet sie sinnvoll.
Ein weiteres Thema, das ihr am Herzen liegt, ist die freie Wahl des Geburtsortes. „Eine Geburt, bei der sich die Frau wohl fühlt, ist für das Kind die beste Voraussetzung für einen guten Start“, sagt sie. Glücklicherweise seien nach einer Unterbrechung seit diesem Jahr wieder Hausgeburten in Ansbach möglich.
Insgesamt sei die Hebammenversorgung in Stadt und Landkreis zwar nicht optimal, aber dennoch besser als in vielen Regionen. Wie man am besten eine Hebamme findet? Kathrin Bauer verweist auf die Homepage des GKV-Spitzenverbands, der eine Hebammenliste führt.
Neue Herausforderungen für den Berufsstand bringt aktuell die Akademisierung mit sich. Seit dem 1. Januar 2020 gilt: Wer künftig Hebamme werden will, muss studieren. Kathrin Bauer sieht das grundsätzlich positiv: „Es ist wichtig, dass Hebammen mehr auf Augenhöhe mit Ärzten gesehen werden.“
Doch die Akademisierung bringt auch Schwierigkeiten mit sich. So gebe es zu wenig Ausbildungshebammen und nach altem Recht ausgebildete Hebammen haben finanzielle Nachteile zu befürchten. Hebammen, die eine Ausbildung absolviert haben, können zwar verkürzt studieren, doch die Bedingungen würden trotzdem viele davon abhalten. „Da braucht es noch eine Erleichterung für altrechtlich ausgebildete Hebammen.“
Trotz aller Widrigkeiten, der riesigen Verantwortung und auch der schlimmen Momente, die ihre Arbeit immer wieder mit sich bringt, steht für Kathrin Bauer fest: „Es ist der schönste Beruf auf der ganzen Welt.“ Ihre Kollegin Lena Gruhn sieht das genauso. „Bei Geburten dabei zu sein – das macht schon irgendwie süchtig.“ Außerdem sei der Beruf sehr vielseitig. Die Begleitung in der Schwangerschaft, die Betreuung bei Geburten oder im Wochenbett, Rückbildungskurse und vieles mehr: „Man kann sich sehr gut entfalten.“