Dreidimensionale Raumzeichnungen, Fotografien und Skulpturen aus Draht, die einem Asteroidenschwarm ähneln, sind im Wildbad zu sehen. Die Künstlerin Brigitte Schwacke versucht „das Erkennen und Aushalten der Vergänglichkeit“, wie es Kuratorin Barbara Bauner beschreibt, widerzuspiegeln.
Titel der Ausstellung ist „inderSchwebe“. Einige Werke Schwackes, die aus München stammt, stehen symbolhaft für den Kosmos und das Universum. Die Himmelskörper, dargestellt als Plastiken „mit großem Volumen, aber ohne Masse“, bewegen sich durch das Treppenhaus.
Die Anordnung hat die Künstlerin stark überdacht. Denn sie versucht, „mit jeder Arbeit auf den Raum einzugehen“, sagt Schwacke. Alle Werke, die bis März nächsten Jahres dort zu sehen sind, stammen aus verschiedenen Kollektionen, die sie im Laufe der vergangenen Jahre kreiert hat. Sie würden nun ein größeres Zusammenspiel bilden, wodurch sich ein Lebensfaden ziehe, so die Künstlerin.
Während Besucherinnen und Besucher das seitliche Treppenhaus im Wildbad hinaufsteigen, können sie Kunstwerke betrachten. Zeichnungen, die mit Hilfe von legiertem Draht angefertigt wurden, Objekte, die aus legiertem Draht bestehen, und große Fotokopien. Sie schmücken jeweils alleine eine Wand und zeigen zum Beispiel kleinste Teilchen eines Sandsturms oder Funken.
Im Treppenaufgang nahe der Rezeption sticht eines der neuesten Werke von Brigitte Schwacke ins Auge. „Fast unsichtbar spannt sich ein silbernes Gewand von Decke zu Boden“, beschreibt sie. Es ist optimal in die kleine Nische zwischen den Geländern integriert. Das Werk hat die Künstlerin extra für die Ausstellung im Wildbad hergestellt.
„Da hat mich dieser Ort bewegt“, sagt sie, „das macht ihn besonders.“ Der Vorhang, wie sie ihn bezeichnet, trifft am Boden auf einen runden Rauchglasspiegel, den eine andere Künstlerin dafür vorübergehend bereitgestellt hat. Lichteinflüsse würden sich dort widerspiegeln und den „Blick ins Unendliche“ fortführen.
Die Idee dahinter sei es gewesen, eine Art Wasserfall beziehungsweise Brunnen darzustellen, erzählt Kuratorin Barbara Bauner. Für sie ist die Anfertigung dieses Werkes etwas Außergewöhnliches. Die Ausstellung „inderSchwebe“ ist Teil der Reihe „Kunstpunkte“, die 2021 im Wildbad ins Leben gerufen wurde. Brigitte Schwacke ist die dritte Künstlerin, die im Rahmen dessen ausstellt. Der Gedanke hinter der Reihe sei es, zu zeigen, „wie unterschiedliche Kunst die Räume verändern kann“, so Bauner.
Bis Februar dieses Jahres waren noch „sehr starke, prägende Werke“ von Hubertus Hess ausgestellt, berichtet die Kuratorin. Im Gegensatz dazu sollte nun etwas Leichteres gezeigt werden, sagt sie. Eine dreiköpfige Jury, in der Bauner sitzt, war sich einig, dass Schwacke „der perfekte Gegenpol ist“. Anstatt mit Eisen, Stahl und Granit zu arbeiten – wie es Hess macht – verwendet sie vor allem legierten Draht. „Der leichte Vorhang auf dem Spiegel beschreibt den Kontrast am stärksten“, sagt die Kuratorin.
Seit etwa 30 Jahren arbeitet die 1957 geborene Künstlerin mit derartigen Materialien, die heute ihr Markenzeichen sind. Zum Ende ihres Studiums 1989 an der Akademie der Bildenden Künste in München hatte sie diese für sich entdeckt. „Das ist meine Sprache geworden“, sagt Schwacke. Im Laufe ihrer Karriere hat sie außerdem einige Preise gewonnen. Hinter dem silbernen Vorhang im Wildbad bei den Sitzgelegenheiten hängt zudem eine „konzeptionelle Reihe von Zeichnungen“, beinahe in linearer Folge, wie sie sagt.
„Jedes Blatt ist das Porträt eines Menschen, mit dem ich mich verbunden fühle“, erklärt die Künstlerin. Sie vergleicht die Informationen auf den Zeichnungen mit einem Pass. Jedoch: Das Geschriebene ist in einen Binärcode übertragen – einem digitalen Schriftsystem –, bestehend aus Nullen und Einsen.
Die Münchnerin hat den Code mit einer Tusche per Hand geschrieben, wie sie erzählt. Mit Strichen und Punkten habe sie diesen anschließend ins Analoge übersetzt. Es seien dadurch „unentzifferbare Zeichen“ entstanden. Zwei kugelähnliche Arbeiten aus legiertem Draht – eine davon per Hand gehäkelt – zwischen diesem Band an Zeichnungen runden die Ausstellung ab.
Während der Vernissage sei aus dem Publikum der Wunsch gekommen, selbst das Handwerk der Münchnerin unter Anleitung auszuprobieren, erzählt Kuratorin Bauner. Vor allem die aus Draht gehäkelten Werke aus der Reihe „DINA4“ kamen zur Sprache. Die Neugierde bei den Besucherinnen und Besuchern sei geweckt, sagt sie. Nun will die Kuratorin klären, ob das beim nächsten Künstlerinnengespräch am 9. Juni umsetzbar ist und Brigitte Schwacke den Interessierten zeigt, wie ihre Kunst entsteht.