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Veröffentlicht am 09.05.2025 07:00

IHK-Expertin: Regionale Wirtschaft bleibt trotz Verunsicherung bisher stabil

Rehau Industries ist seit dem 1. Januar ein eigenständiger Teilkonzern. Zu dieser Sparte gehört auch das Werk 2 in Feuchtwangen mit seinen rund 350 Mitarbeitenden.  (Foto: Peter Zumach)
Rehau Industries ist seit dem 1. Januar ein eigenständiger Teilkonzern. Zu dieser Sparte gehört auch das Werk 2 in Feuchtwangen mit seinen rund 350 Mitarbeitenden. (Foto: Peter Zumach)
Rehau Industries ist seit dem 1. Januar ein eigenständiger Teilkonzern. Zu dieser Sparte gehört auch das Werk 2 in Feuchtwangen mit seinen rund 350 Mitarbeitenden. (Foto: Peter Zumach)

Seit inzwischen fünf Jahren sieht sich die Wirtschaft auch im Landkreis Ansbach mit verschiedensten Herausforderungen konfrontiert. Karin Bucher, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ansbach, bezeichnet die Unternehmen in der Region insgesamt als „robust“. Die eine oder andere Branche hat inzwischen aber dennoch zu kämpfen.

„Überdramatisch ist die Situation hier noch nicht, aber natürlich herausfordernd“, beschrieb Bucher die gesamtwirtschaftliche Lage. Viele Unternehmen seien durchaus veränderungsbereit und würden die Situation annehmen. Aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels legen sich, so Bucher, zahlreiche Betriebe auch ins Zeug, ihre Mitarbeiter zu halten und ermöglichen beispielsweise Umschulungen oder Weiterbildungen.

Zu kämpfen hätten seit geraumer Zeit die Bau-Branche und auch der Handel. Außerdem sei vor allem der Strukturwandel in der Autoindustrie auch für Zulieferer in der Region ein großes Thema.

Stellenabbau bei TE Connectivity

Dazu passt die Nachricht, dass TE Connectivity am Standort Sinbronn in der Stadt Dinkelsbühl zuletzt ins Trudeln geraten sein soll. Die Unternehmensgruppe ist auf elektronische Steckverbinder, Netzwerktechnik, Telekommunikationssysteme und Wireless-Systeme unter anderem für den Automobilsektor spezialisiert.

Auf Anfrage erklärte die Firma: „Wie die gesamte Automobilbranche spüren auch wir derzeit ein sehr volatiles Marktumfeld, das zusätzlich durch die Einführung neuer Zölle beeinflusst wird. In diesem herausfordernden Umfeld war es unser Ziel, am Standort Sinbronn flexibel zu reagieren – unter anderem durch die befristete Einführung von Kurzarbeit sowie durch ein freiwilliges Trennungsprogramm, an dem eine geringe Anzahl an Mitarbeitenden teilgenommen hat.“

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Man behalte die Marktentwicklungen weiterhin im Blick, um bei Bedarf frühzeitig und verantwortungsvoll reagieren zu können.

Rehau: Steht auch das Werk 2 zum Verkauf?

Kurzarbeit in Verwaltung und Produktion gibt es aktuell auch bei Automatenbauer Sielaff. Das Unternehmen hat seinen Zentrale in Herrieden und beschäftigt weltweit über 1000 Mitarbeitende.

Noch gravierender sind die Entwicklungen, die sich einmal mehr bei Rehau in Feuchtwangen ankündigen. Vergangenes Jahr war bekannt geworden, dass die Automotiv-Sparte mit rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Feuchtwangen (Werk 15) vollständig an eine US-Holding übergehen soll. Dieser Prozess ist inzwischen abgeschlossen. Nun soll laut FLZ-Informationen auch das Werk 2 in Feuchtwangen, das zur Sparte Rehau Industries gehört, mit seinen rund 350 Beschäftigten zum Verkauf stehen.

„Veränderung nie auszuschließen“

Das Unternehmen erklärte dazu auf Anfrage, dass Rehau mit Wirkung zum 1. Januar „die bisherigen Rehau Industries Divisionen, zu denen auch das Werk 2 gehört, als eigenständige Teilkonzerne aufgestellt hat.“ Mit dieser Struktur strebe das Unternehmen eine verbesserte Markt- und Kundenorientierung, Komplexitätsreduktion sowie mehr Flexibilität an.

Konkret angesprochen auf einen Verkauf des Werkes erklärte Rehau: „Aus diesem Prozess heraus beschäftigen wir uns auch mit Marktpotenzialen und strategischen Optionen. Veränderungen sind hierbei grundsätzlich nie auszuschließen. Entscheidungen treffen wir wohlüberlegt und verantwortungsvoll.“

Dass derzeit das Instrument der Kurzarbeit an der einen oder anderen Stelle im Landkreis Ansbach wieder ein Thema ist, hat auch Karin Bucher festgestellt. Entlassungen in nennenswerter Größenordnung gebe es bislang in der Region nicht: „Die Arbeitslosigkeit ist hier noch nicht gestiegen“, verdeutlichte die Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ansbach gegenüber der FLZ.

Zollpolitik Trumps führt zu Verunsicherung

Auch die Zollpolitik von US-Präsident Trump mache sich bereits bemerkbar, sagte Bucher: „Das führt zu Verunsicherung und das ist etwas, das die Wirtschaft gar nicht mag.“ Da warte man lieber ab bei wichtigen Entscheidungen und Investitionen, was natürlich nicht zu einem schnellen Wachstum führen könne.

Doch die IHK-Leiterin legt Wert darauf, das Gesamtbild der wirtschaftlichen Lage nicht schwarz zu malen. Schwierige wirtschaftliche Zeiten seien immer auch gute Zeiten für Innovationen.

Viele Betriebe würden sich auch mit Blick auf die USA bereits nach neuen Märkten umsehen. „Herausforderungen annehmen, das sind Unternehmer gewohnt“, ist Bucher überzeugt. Sie empfiehlt Firmen in der Region zu prüfen, ob ihr Betrieb auch in einem der derzeitigen Wachstumsmärkte, vor allem in der Verteidigungsindustrie, Potenzial haben könnte.

Dennoch sei es jetzt von größter Bedeutung, dass die neue Bundesregierung „schnell zu Potte kommt“. Bucher wünscht sich für die Wirtschaft in der Region im Prinzip das, was man in der ganzen Republik hört: „Wir müssen als Land schneller werden, vor allem bei den Investitionen, brauchen bezahlbare Energie und viel weniger von der überbordenden Bürokratie.“


Philipp Zimmermann
Philipp Zimmermann
Redakteur für Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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