Im Neustädter Rathaus stehen jetzt kreative „Meisterwerke” | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 16.05.2024 10:23

Im Neustädter Rathaus stehen jetzt kreative „Meisterwerke”

Multitalent Yannek Ewert, hier mit seinem Werk „Isolation“. (F.: Ganter)
Multitalent Yannek Ewert, hier mit seinem Werk „Isolation“. (F.: Ganter)
Multitalent Yannek Ewert, hier mit seinem Werk „Isolation“. (F.: Ganter)

Es ist erstaunlich, dass noch niemand früher auf die Idee gekommen ist: Die „Meisterwerke“, mit denen die Schülerinnen und Schüler der Kunstklassen der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule (DBRS) zum Schulabschluss völlig frei ein Werk schaffen können, sind jetzt in der Öffentlichkeit zu sehen, und zwar in der Rathausehrenhalle.

Schon allein aufgrund der Vielfalt der ausgewählten Materialien und Darstellungsformen ist die Schau sehenswert, aber auch die Qualität ist überzeugend.

Die Schüler und Schülerinnen der 10e und 10f mit Hauptfach Kunst, malten auf Leinwände, Glas, Holz, Flaschen oder dem Rücken einer Freundin. Sie schufen ein Musikvideo und bemalten Lampenschirme. Sie verwischten immer wieder die Grenzen zwischen der Kunst und dem umgebenden Raum, zum Beispiel, wenn die Faust des Boxers dreidimensional aus dem Bild ragt.

Viele Kunstwerke mit Statements

Und sie verbanden ihre Kunstwerke sehr oft mit persönlichen Statements: „Equality“ – Gleichheit – war eins der Gemälde betitelt, in dem es um die Gleichstellung von Mann und Frau ging. Das Graffiti „Love yourz“ rief dazu auf, entgegen dem Perfektionierungswahn mit sich selbst zufrieden zu sein. „Isolation“ steht als Titel vor einem Stuhl, auf dem eine Person mit einem Handydisplay sitzt – in seiner eigenen Entfaltung eingeschränkt, von der Außenwelt durch Stacheldraht abgeschirmt.

Dass selbst eine große Schule wie die DBRS zwei Abschlussklassen hat, in der die Kunst Hauptfach ist – das ist etwas ganz Besonderes, würdigte Bürgermeister Klaus Meier. Es spricht für die Fachschaft, in der Michaela Unger-Lobig seit vielen Jahren eine Lanze für den Stellenwert der Kunstpädagogik bricht. Zusammen mit ihrer Kollegin Ina Kats betreute sie die jungen Leute, von denen auch einige die Fachoberschule „Gestaltung“ besuchen werden.

Wer Kunst als Hauptfach wählt, muss ein „Meisterwerk” schaffen

Die Ausstellung ist für Unger-Lobig eine farbenprächtige, fantasievolle und eindrückliche Demonstration der Relevanz ihres Faches. Wer das Hauptfach Kunst wählt, muss nicht nur sein „Meisterwerk“ erstellen, sondern auch den Entstehungsprozess dokumentieren und das Werk präsentieren. Der eine oder die andere gerät dabei auch mal in eine Sackgasse, muss Bildidee oder Umsetzung überdenken, und kreativ werden, um Lösungen zu finden und umzusetzen. „Das ist eine Fähigkeit, die einem auch später, im beruflichen oder privaten Umfeld zugute kommt“, wandte sie sich entschieden gegen Pläne, die musischen Fächer in der Grundschule zugunsten von Mathematik und Deutsch zurückzufahren.

Unger-Lobig: „Die Ausstellung thematisiert soziale und politische Phänomene und Probleme und trägt dazu bei, Wertmaßstäbe für eigenes Handeln sowie ein Verständnis für gesellschaftliche Entscheidungen zu entwickeln.“ Die jungen Leute hätten sich getraut zu experimentieren. „Eure Kunstwerke glänzen wie Diamanten“, schwärmte sie.

Mehr als ein musisches Talent zeigte sich

Dass sich in den Kunstklassen gleich mehrere musische Multitalente befinden, stellte auch das Rahmenprogramm unter Beweis: Christina Wenninger trug ein Lied vor, Yannek Ewert setzte sich an den Flügel. „Das war Hammer“, reagierte Schulleiter Marco Kunkel, der nach Wenningers Liedvortrag zum Mikro griff.

Die Qualität der Kunsterziehung an seiner Schule lasse sich unter anderem mit zahlreichen Bundespreisen beim europäischen Wettbewerb belegen. „Irgendwann wird der Wettbewerb abgeschafft, weil sowieso immer die DBRS gewinnt“, befürchtete er.

Die Verbindung zur Schule, die Bürgermeister Meier zuvor betont hatte – er selbst, seine Frau und beide Töchter hatten die Schule besucht – ergänzte Kunkel um die Information, dass Meier immer noch den Schulrekord im Kugelstoßen halte.

Die „Meisterwerke“ der Abschlussarbeiten der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule ist bis zum 3. Juni zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Werke, deren Titel mit einem grünen Punkt versehen sind, sind käuflich.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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