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Veröffentlicht am 24.09.2025 12:32

In Ansbach wurden in diesem Jahr neun Jungstörche flügge

Trotz eines schwierigen Jahres, in dem es in der Region zu erheblichen Verlusten gekommen ist, kann sich der Bruterfolg der vier Ansbacher Storchenpaare durchaus sehen lassen. Neun Jungtiere sind heuer im Stadtgebiet flügge geworden.

Storchen-Experte Günter Möbus vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) spricht von einem „durchwachsenen” Storchenjahr. Das nasse Frühjahr mit einem Nahrungsengpass habe zu sehr vielen „Abwürfen” geführt. Das heißt, der jüngste und kleinste Jungvogel fliegt aus dem Nest, weil nicht genug Nahrung für alle da ist – eine Überlebensstrategie. Folge: „Statt drei oder sogar vier Jungvögeln, wie im vergangenen Jahr, sind nur einer oder zwei flügge geworden”, so Möbus, „manches Brutpaar hat sogar komplett aufgegeben.”

Storchen-Population in der Region gewachsen

Was im Ansbacher Stadtgebiet nicht der Fall war. Die vier Brutpaare, eines mehr als in den Vorjahren, haben neun Küken großgezogen. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatten drei Brutpaare sieben Jungtiere durchgebracht.

Im Horst am Oechsler-Kamin – LBV-intern „Ansbach 1” genannt – sind zwei Jungvögel herangewachsen. Das gilt auch für „Ansbach 2”, den Horst auf der Media-Markt-Reklame an der Rothenburger Straße, und für Horst „Ansbach 3”, auf einem Strommasten der N-Ergie bei Claffheim. Im Horst „Ansbach 4” auf einem Mobilfunk-Mast auf dem Norma-Parkplatz an der Rothenburger Straße, den das Brutpaar erst im Frühjahr gebaut hat, sind sogar drei Jungvögel erwachsen geworden.

Trotz aller Schwierigkeiten ist die Storchen-Population in der Region weiter gewachsen. 154 Bruthorste hat Möbus in diesem Jahr in Stadt und Landkreis Ansbach gezählt, das sind 40 mehr als im Vorjahr. In den Nestern sind 363 Jungstörche groß geworden – deutlich mehr als im Vorjahr: „Im vergangenen Jahr waren es 313.” Im Jahr 2024 hätten Unwetter zum Verlust von bereits größeren Jungvögeln geführt.

Drei tote Jungtiere nach dem Ausfliegen

Auch heuer ist es nach dem Ausfliegen der Jungtiere noch zu Verlusten gekommen. Weil die jungen Störche noch keine sicheren Flieger sind, hat es drei tote und sieben verletzte Jungtiere gegeben. Man habe heuer nur rund 100 Jungtiere beringen können, sagt der Storchen-Experte, ein Defekt an einer Feuerwehr-Drehleiter habe nicht so viele Beringungs-Aktionen zugelassen.

Inzwischen ist das Storchenjahr in der Region so gut wie zu Ende. „Die meisten Tiere sind weg”, sagt Günter Möbus, „wer jetzt noch da ist, wird vermutlich versuchen, bei uns zu überwintern.” Das gute Nahrungsangebot im Winter – zum Beispiel durch die große Kompostier-Anlage einer Firma im Herrieder Ortsteil Seebronn – veranlasst viele Tiere aus Herrieden oder Aurach, sich den anstrengenden Flug nach Spanien oder sogar Afrika zu sparen.

Wie unterschiedlich die Strategien der Tiere ist, können die Vogelschützer bei zwei Störchen nachvollziehen, die mit einem GPS-Sender ausgestattet sind. Storch „Rosalie”, die schon im vergangenen Winter im Lande geblieben ist, hat sich in den vergangenen zwei Wochen rund um Bruthorst im Herrieder Ortsteil Rauenzell herumgetrieben. Storch „Bembo Sparky”, der im Merkendorfer Ortsteil Kleinbreitenbronn gebrütet hat, hat sich schon vor einiger Zeit auf die Reise gemacht. Sein GPS-Signal sendet inzwischen aus Südspanien.

Drei Horste drohen abzustürzen

Die kuriosen Namen für die Vögel kommen übrigens zustande, weil die Sponsoren für die GPS-Sender das Recht haben, die Vögel nach ihrem Gusto zu taufen.

Apropos Sponsoren: Die Vogelschützer in der Region stehen vor einem Dilemma. Drei Horste in der Region sind durch das jahrelange Ausbauen der Brutpaare zu groß geworden und drohen abzustürzen. „Aus Sicherheitsgründen müssten wir die Horste im Winter ein Stück verkleinern”, sagt Günter Möbus, „aber uns fehlen die Sponsoren, um solche Aktionen finanzieren zu können.”

Zwischen den Mobilfunk-Antennen eines Sendemastes an der Rothenburger Straße hat dieses Storchpaar seine Kinderstube gebaut. und drei Jungtiere großgezogen. (Foto: Winfried Vennemann)
Zwischen den Mobilfunk-Antennen eines Sendemastes an der Rothenburger Straße hat dieses Storchpaar seine Kinderstube gebaut. und drei Jungtiere großgezogen. (Foto: Winfried Vennemann)
Zwischen den Mobilfunk-Antennen eines Sendemastes an der Rothenburger Straße hat dieses Storchpaar seine Kinderstube gebaut. und drei Jungtiere großgezogen. (Foto: Winfried Vennemann)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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