Michael Grötzsch ist der diesjährige Empfänger des Theaterpreises der Fränkischen Landeszeitung, mit der bei den Kreuzgangspielen jedes Jahr eine besondere künstlerische Leistung ausgezeichnet wird. Er spielt in dieser Festspielzeit die Titelrolle in „Der Diener zweier Herren“.
Der 1988 in Dessau geborene Grötzsch ist in Feuchtwangen kein Neuling. Bereits während seiner Ausbildung, die er 2019 abschloss, spielte er bei den Kreuzgangspielen im Jugendstück “Kleider machen Leute“ im Nixel-Garten. 2022 war Michael Grötzsch auf der Bühne im Kreuzgang in Schillers „Kabale und Liebe“ sowie in „Pippi Langstrumpf“ zu sehen. 2023 stand er im “Jedermann” und in “Der Geizige” auf der Bühne. Im Sommer 2024 war er sowohl in “Der Besuch der alten Dame” als auch in “Mord im Orientexpress” zu sehen. 2025 spielte er den stolzen Mr. Fitzwilliam Darcy in “Stolz und Vorurteil” sowie diverse Rollen in “Sherlock Holmes – ein Skandal”.
Der Regisseur Achim Conrad wünschte sich Michael Grötzsch für die Produktion „Der Diener zweier Herren” für die Rolle des Truffaldino. Eine gute Wahl, wie sich herausstellte, denn dieser Charakter braucht den nötigen „Drive”, wie sich Laudator Klaus Seeger, Moderator und Programmleiter bei Radio 8, ausdrückte. Um diese Figur glaubwürdig werden zu lassen, sei ein Spiel zwischen „mit angezogener Handbremse” und „weit über das Ziel hinaus” nötig, meinte Seeger.
Der neue Theaterpreisträger verstehe diese Kunst. Die Rolle sei ein Drahtseilakt, Abend für Abend. Beeindruckend sei aber nicht nur Grötzschs schauspielerische Leistung. Auch die körperliche Leistung sei enorm bei diesem rasanten Spiel auf der Bühne, so der Laudator. Sein exaktes Timing und seine präzise Spielweise hätten die fünfköpfige Jury, die Bettina Baumann, Sybille Schipper, Klaus Seeger, Thomas Schoppik von der Rehau und FLZ-Kulturredakteur Thomas Wirth gebildet hatten, voll überzeugt.
Der neue FLZ-Theaterpreisträger zeigte sich von der Ehrung überwältigt. In seinen Dank an das Ensemble, die Regie und Intendanz sowie alle, die hinter der Bühne dafür sorgen, dass alles reibungslos klappt, bezog er auch das Publikum mit ein: „Es ist ein Spaß, diese Geschichten hier im Kreuzgang erleben zu dürfen.” Das Stück zu erarbeiten sei ein Traum gewesen, sagte Grötzsch. Der 38-Jährige verriet, dass es sein erster Preis überhaupt sei.
Seeger sprach in seiner Laudation auch vom „Zauber des Theaters” und der „Magie des Kreuzgangs”. Er erinnerte daran, dass 1949 nach dem Schrecken zweier Weltkriege und einer mörderischen Diktatur „freiheitsliebende Menschen aus Feuchtwangen” die Kreuzgangspiele aus der Taufe gehoben haben.
Die Kreuzgangspiele seien die Seele Feuchtwangens, und seit fast 80 Jahren verbreite sich dieser Geist der Freiheit vom Kreuzgang weit hinaus ins Land. Der Laudator mahnte, dass weder die Kunst- noch die Pressefreiheit selbstverständlich sind, aber unverzichtbar für die Demokratie.
Die undotierte gläserne Trophäe wurde am Samstag nach einer ausverkauften Vorstellung vor Publikum und im Beisein von FLZ-Verleger Harald Wiedfeld und Chefredakteurin Gudrun Bayer übergeben.