Historische Requisiten haben eine Menge zu erzählen. Davon konnten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einer Führung mit Dr. Florian Huggenberger durch die Sonderschau „Waffen einer Reichsstadt“ im RothenburgMuseum überzeugen. Anschließend ging das Programm im Wildbad weiter.
Dort wurden die Gäste von Gesine Kleinwächter empfangen. Sie arbeitet als Museumspädagogin im Museum für Franken in Würzburg und ist seit 2021 als freiberufliche Kulturvermittlerin im Wildbad tätig. Sie begleitet unter anderem das Art-Residency-Projekt, für das seit 2017 ausgewählte nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler eine Zeit im Wildbad verbringen und dort ein Kunstwerk gestalten.
Nach der Führung im RothenburgMuseum konnten die Gäste beim gemeinsamen Weg durch die Stadt zum Wildbad in die Verteidigung des historischen Rothenburg eintauchen. Gesine Kleinwächter versuchte im Wildbad den „Perspektivwechsel vom Narrativ des Vorrangs von Macht und Waffengewalt hin zu einem Blick auf die Geschichte, der mehr von Zusammenarbeit und ziviler Entwicklung“ geprägt sein sollte.
Ausgangspunkt war das Werk „Durchsichtige Träger:innen“ von Alex Hojenski. „Für mich ist das Kunstobjekt ein Gegenstück zur waffenträchtigen Heldenerzählung“, meinte Gesine Kleinwächter.
Mit der gemeinsamen Aktion von RothenburgMuseum und Wildbad sollte eine enge Verbindung zwischen Moderne und Historie hergestellt werden. Das von ihr vorgestellte Kunstwerk „stellt sich dem mächtigen Wildbad-Gebäude entgegen“. Die bewusst gewählte Hanglage soll den Blickwinkel des Betrachters verändern. Bei der Marmorierung des Gewebes sei die Gestaltung bewusst dem Zufall überlassen worden.
„Ein großes Team hat zur Entstehung dieses Kunstwerkes beigetragen.“ Gesine Kleinwächter zitierte auch dem Essay „Die Tragetaschentheorie des Erzählens“ der 1929 geborenen und 2018 verstorbenen Schriftstellerin, Ursula K. Le Guin, deren umfangreiches und vielschichtiges Gesamtwerk Science-Fiction, Fantasy, Kurzgeschichten, Kinderbücher, Essays und nicht zuletzt Gedichte umfasst. Im Gespräch mit ihr und dem stellvertretenden Leiter des Wildbads, Stephan Michels, wurde angekündigt, dass mit der Berliner Künstlerin Zuzanna Czebatul, „Artist in Residence“ 2024, das Kunstprojekt des Wildbads enden muss. Die international bekannte und erfolgreiche Bildhauerin macht zwischen Stockholm und Dubai Station im Wildbad Rothenburg und wird in den Sommermonaten ihr Atelier im alten Schwimmbad an der Tauber einrichten. Im Rahmen des Kunst-Tages im Herbst 2024 wird Installation von Zuzanna Czebatul übergeben.
Auch beim Sommerempfang des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg war vor kurzem von Landesbischof Christian Kopp der beabsichtigte Verkauf des Wildbades sehr bedauert worden: „Ich sitze hier im Wildbad, einem der schönsten Tagungshäuser unserer ganzen Landeskirche. Und ich weiß auch: Wir können es künftig nicht halten.“
Michels und Kleinwächter hoffen, dass jemand gefunden wird, der die Kunstwerke mit übernimmt. Diese könnten nicht einfach irgendwo anders aufgestellt werden. Sie gehörten hierhin und machten woanders keinen Sinn, zeigten sich beide einig.
Michels ergänzte: „Wir haben hier das pralle Leben.“ Aber die finanziellen Probleme hätten sich schon vor etlichen Jahren abgezeichnet. „Es geht eben jährlich doch fast um eine Million Euro.“ Zur Zukunft des Wildbades meinte er: „Es gibt Gespräche – mehr kann ich im Moment dazu nicht sagen.“ Wirklich hautnah kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Reichsstadt dann unten an der Tauber. Thomas Hönle und sein Team gewährten Einblick in den Nahkampf mit Waffen des 14. bis 18. Jahrhunderts.
Jan H. Sachers, Dr. Irmgard Stark und Dr. Johannes Rodriguez demonstrierten den Umgang mit Langschwert und Kriegsmesser, wobei die Trommel den Kontrahenten die nötigen Befehle signalisierte. Wer Spaß daran hatte, konnte sich auch mit Spießen oder Übungsschwertern bewaffnen und spielerisch in die Rolle der Waffenträger schlüpfen.