Durch die teure Notvergabe von Buslinien und die allgemeinen Kostensteigerungen ist das durch den ÖPNV entstehende Defizit des Landkreises Ansbach zuletzt massiv angestiegen. Im Zuge der Neuvergabe eines Linienbündels sprach sich der ÖPNV-Ausschuss des Kreistages daher nun für eine pauschale Kürzung der Fahrkilometer um zehn Prozent aus.
Zur Ausgangslage: Weil dem Landkreis binnen weniger Monate zwei Busunternehmen weggebrochen waren, die bislang zahlreiche Linien bedient hatten, war unter anderem für das Linienbündel 7 (Wassertrüdingen – Herrieden) eine Notvergabe, also eine kurzfristige Vergabe ohne Ausschreibung, nötig geworden. Seit Mitte April werden die Linien 736, 737, 738, 739, 802, 803, 804 sowie 822 von der Firma Wellhöfer aus Alberndorf bedient.
Diese Notvergabe hatte zu einer massiven Steigerung des durch den ÖPNV entstehenden Defizits geführt. Im Jahr 2025 wird für den ÖPNV im Landkreis ein Defizit von rund 12,4 Millionen Euro erwartet. Um eine Kostenminderung zu erreichen, hatte der Kreistag die Fahrplankilometer von Linienbündel 7 für die Notvergabe bereits um jährlich 1,46 Millionen Kilometer reduziert. Dies hatte der Kreisausschuss Ende 2024 in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen. Dieser neue Fahrplan mit zum Teil deutlich geänderten Streckenführungen gilt ab 1. August.
Nun steht die reguläre Vergabe der Linien bis Ende 2036 an, für die ein EU-weites Vergabeverfahren erforderlich ist. Aufgrund des Millionendefizits und der schwierigen Finanzlage des Landkreises strebte die Verwaltung um Landrat Dr. Jürgen Ludwig bei dieser Entscheidung eine weitere Kostenreduzierung an. Diskutiert wurde im ÖPNV-Ausschuss eine Senkung der Fahrplankilometer um weitere zehn Prozent beim Linienbündel 7. ÖPNV-Sachgebietsleiter Ulrich Hausner erklärte auf Nachfrage des Gremiums, dass hierfür die am wenigsten genutzten regulären Fahrten gestrichen werden sollen.
Dabei dürfte zum Beispiel die Linie 738 (Ansbach - Wolframs-Eschenbach - Merkendorf - Mitteleschenbach) in den Fokus rücken. Michael Dörr, Bürgermeister von Wolframs-Eschenbach und Merkendorfs Altbürgermeister Hans Popp (beide CSU) erklärten, dass die Busse, die durch ihre Ortschaften fahren, vor allem vormittags und nachmittags immer so gut wie leer seien. „Da ist keine Nachfrage da“, meinte Popp. Dörr betonte, dass es keinen Sinn ergebe „leere Busse mit großen Dieselmotoren durch den Landkreis zu schicken“.
Bei den Ausschussmitgliedern von Grünen, SPD und ÖDP stieß allerdings der Zeitpunkt der Entscheidung auf Unverständnis. Schließlich seien die neuen Fahrpläne aus der Notvergabe noch gar nicht in Kraft getreten, so dass es hier noch keine Erkenntnisse über deren Nutzung gebe.
Hans Heinrich Unger mutmaßte, dass es der Verwaltung durch die pauschale Reduzierung darum gehe, „dass die FLZ ihre Schlagzeile hat“. Gabi Schaaf (Grüne) bezeichnete die angestrebte Verringerung um genau zehn Prozent als „Symbolpolitik“. Die Kritiker sprachen sich dafür aus, zunächst die Erfahrungen mit den neuen Fahrplänen abzuwarten und dann im Detail über eine genaue Größenordnung der weiteren Kilometer-Reduzierung zu reden.
Michael Sommer (CSU) verwies darauf, dass man rein rechtlich die Kilometer sogar um bis zu 25 Prozent senken könne, so dass zehn Prozent doch ein guter Kompromiss seien. Landrat Ludwig erklärte, dass sämtliche Fraktionen des Kreistags regelmäßig auf Kostensenkungen drängen würden. „Dafür ist es nötig, die Einsparungen nicht nur zu fordern, sondern dann auch zu beschließen“, machte der deutlich.
Der Beschlussvorschlag der Verwaltung (Reduzierung der Kilometerleistung um weitere zehn Prozent) wurde schließlich mit 7:5 Stimmen angenommen und wird so nun dem Kreisausschuss empfohlen.
Einigkeit herrschte dagegen bei der Neuvergabe der Linienbündel 1 (Dombühl – Schnelldorf) und 4 (Rothenburg). Hier hatte der Kreisausschuss im Oktober beschlossen, das Angebot in den Ferienzeiten zu verbessern. Der ÖPNV-Ausschuss empfahl nun, diese Verbesserungen zunächst zurückzustellen.