Die deutsche Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks hat mit dem Metzgermeister Ralf Preikschat eine Verstärkung aus Langfurth im Landkreis Ansbach erhalten. Unter dem Team-Namen Butcher Wolfpack besteht seit Jahren eine Mannschaft, die sich aus drei Gruppen zusammensetzt und an diversen Wettbewerben beteiligt.
Gegründet wurde dieser Zusammenschluss von Metzgern vom Nürnberger Fleischsommelier und „Rudelchef” Dirk Freyberger. Außer dem Hauptteam gibt es die Neuen (Rookies), die seit rund drei Jahren Mitwirkenden (Actives) und die Erfahrenen (Professionals). Dabei agieren alle Mitglieder des Teams ehrenamtlich. Training, Fahrkosten und Ausrüstung bezahlt jeder Teilnehmende selbst.
Die Zusammensetzung der Mannschaft ändert sich zwangsläufig, weil die selbstständigen Metzgermeister aus Gesundheits- oder Altersgründen passen oder verständlicherweise ihre Prioritäten auf den eigenen Betrieb legen müssen. Den Verlust bewährter Kräfte gilt es somit auszugleichen, was wiederum die Chance für Nachrücker mit sich bringt. Diese Gelegenheit packte Ralf Preikschat beim Schopf. Er hat nach seiner Schulzeit eine Lehre bei der Metzgerei Karl Meyer in Obermichelbach absolviert und ist derzeit als Metzgermeister in Ansbach beschäftigt.
So mussten kürzlich neun Kandidierende, die sich auf die erfolgte Ausschreibung beworben hatten, in Augsburg ihr Können nachweisen. Unter den kritischen Blicken einer Jury hatten die Metzgerinnen und Metzger berufsspezifische Aufgaben innerhalb einer festgelegten Zeit zu bewältigen. Der Auftrag für Ralf Preikschat lautete, einen Schweinerücken und -bauch sowie zwei Hähnchen zu zerlegen und küchenfertig zu präsentieren.
„Ralf hat einen unheimlichen Teamgeist.”
„Es zählte jeder Handgriff, ich musste vorsichtig und genau sein”, erklärte Preikschat. Es hätte für ihn auch ein Rind oder Lamm ausgewählt werden können, die professionell und nachhaltig unter Zeitdruck zu verarbeiten gewesen wären. Der Langfurther war überrascht, als bei der Verkündung der Ergebnisse sein Name als eines von zwei neuen Mitgliedern des Nationalkaders genannt wurde. „Ich habe mein Bestes gegeben“, erinnert sich der 35-Jährige mit berechtigtem Stolz.
Teamchef Dirk Freyberger sagte über den Neuling: „Ralf hat einen unheimlichen Teamgeist. Er zeigt eine leidenschaftliche Einstellung zu seinem Beruf. Allerdings liegt noch viel Arbeit vor ihm. Die Vorbereitung auf die nächste WM ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Nach jetzigem Stand ist Ralf in Australien mit dabei.“ Dort findet 2028 die Weltmeisterschaft statt.
Preikschat gehört ab sofort zum aktiven Nationalteam, bestehend aus acht Mitgliedern, die überwiegend aus Franken und Niederbayern stammen. Dabei sind auch zwei Frauen, welche die Füllungen und Cremes für die Gerichte vorbereiten und die Produkte veredeln. 2025 erreichte das deutsche Team bei der WM in Frankreich nach den siegreichen Gastgebern den zweiten Platz. Die Franzosen setzten sich auf dem Pariser Expo-Ausstellungsgelände gegen die starke Konkurrenz durch. Der drei Jahre vorher vom deutschen Team im kalifornischen Sacramento errungene Titel musste also trotz großer Fan-Unterstützung wieder abgegeben werden.
Männer und Frauen aus 14 Nationen, ausgestattet mit Kettenhemd als Stechschutz sowie Hackmesser und Fleischwolf, arbeiteten bei der WM im Akkord. In insgesamt dreieinhalb Stunden mussten ein halbes Rind, ein halbes Schwein, ein ganzes Lamm und fünf Hühnchen in thekenfertige Produkte verarbeitet sein. Alle teilnehmenden Nationen hatten dazu ein aussagekräftiges Kulissenbild entworfen.
Bewertet wurde die Handwerkskunst mit der präzisen Zerlegung, die kreative Präsentation auf einem Motto-Display, die restefreie und damit nachhaltige Verarbeitung sowie die Einhaltung aller Hygienevorschriften. Die Sauberkeit des Arbeitsplatzes, der am Ende blitzblank sein muss, ist stets absolute Bedingung.
Die nächste WM wird 2028 im australischen Brisbane ausgetragen. Die dafür erforderlichen Sponsoren stehen bereit. Ab September starten für das deutsche Team die geplanten 30 Trainingseinheiten, um wieder eine gute Platzierung zu erreichen. „Die Herausforderung gefällt mir, ich bin zwar etwas aufgeregt, aber heiß auf die WM,“ sagt Ralf Preikschat. „Meine Aufgabe im Team wird das Ausbeinen und Zerlegen sein.“
Die künftigen Treffen im Bundesleistungszentrum im hessischen Weiterstadt bei Darmstadt zielen auch darauf ab, das Ansehen des Metzgerhandwerks zu stärken und Nachwuchskräfte zu gewinnen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Wir wollen junge Leute von unserem Traditionshandwerk überzeugen“, erläutert das hochmotivierte Langfurther Mitglied der Metzger-Nationalmannschaft und fiebert Down Under entgegen.