Töpferei Seiler Leutershausen sucht Nachfolger: So geht es mit Fil Ceramics weiter | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 21.02.2026 08:00

Töpferei Seiler Leutershausen sucht Nachfolger: So geht es mit Fil Ceramics weiter

Hakan und Nilay Serbest mit Birgit und Friedrich Moll (von links) in der Werkstatt in Leutshausen. (Foto: Antonia Müller)
Hakan und Nilay Serbest mit Birgit und Friedrich Moll (von links) in der Werkstatt in Leutshausen. (Foto: Antonia Müller)
Hakan und Nilay Serbest mit Birgit und Friedrich Moll (von links) in der Werkstatt in Leutshausen. (Foto: Antonia Müller)

Bauchige und gerade Tonbehälter stehen im Holzregal. Ein paar Meter weiter Tassen – schon bunt glasiert oder noch matt, grau. Das Rattern einer Töpferscheibe ist zu hören und das Radio läuft. Noch regt sich hier was. Doch schon bald wird es ruhig sein, die Regale leer. Hakan und Nilay Serbest verlassen die Töpferei in Leutershausen.

Vor etwas mehr als sechs Jahren sind die beiden direkt von der Weltstadt Istanbul in die fränkische Kleinstadt gezogen. Es war die große Chance für das junge Paar: eine eigene, geräumige Werkstatt mit Laden.

Von 16 Millionen auf 5500 Einwohnende

Hakan (35) und Nilay (32) Serbest haben beide in Istanbul Kunst und Keramik studiert. Sie hatten ihre Werkstatt in der Wohnung und begannen, ihre Werke zu verkaufen. Die Aufträge wurden größer, erinnert sich Hakan Serbest. Sie sahen sich dann nach einer Werkstatt in Europa um. Eigentlich wollten sie in die Niederlande oder nach England, erzählt Nilay Serbest.

Doch durch einen Zufall stießen sie auf die Anzeige der Töpferei Seiler, geführt von Birgit und Friedrich Moll. Alles passte. Also zogen sie von der türkischen 16-Millionen-Metropole ins 5500-Einwohnenden-Städtchen. Sie sprachen noch kein Wort Deutsch – mit Händen und Füßen haben sie sich verständigt. Wichtige Dinge klärte man per Mail mit den Molls, erzählt Hakan Serbest lachend.

Lange Tradition

Die Töpferei Seiler wurde bereits 1868 in Schlesien gegründet. Die Eltern von Birgit Moll haben sie 1948 in Leutershausen dann wieder aufgebaut. Birgit und Friedrich Moll übernahmen 1975. Aus Altersgründen wollten sie kürzer treten. Jahrelang suchten sie nach Nachfolgern. Dann klopften die Serbests an.

    Hakan und Nilay Serbest haben sich in Leutershausen mit ihrer Marke „Fil Ceramics” verwirklicht. Sie sind bekannter geworden und haben neue Teile herausgebracht. Die in Deutschland typischen Brot- und Aufbewahrungsdosen haben sie in einer Küchen-Kollektion modern interpretiert. Auch Geschäftskunden kauften das handgemachte Geschirr. Ein Restaurant hat mit ihren Tellern den Michelin-Stern bekommen, erzählt Hakan Serbest stolz. Vor zweieinhalb Jahren ist außerdem ihre Tochter zur Welt gekommen.

    Bekannte produziert weiter für eigene Marke

    Jetzt zieht es die Familie nach München. Hakan und Nilay Serbest haben ein Angebot von der Porzellan Manufactur Nymphenburg bekommen. Sie werden dort als Angestellte arbeiten. Das Paar freut sich darauf – mehr Sicherheit, weniger Buchhaltung. In den vergangenen Jahren hat er oft Angst gehabt, den Briefkasten zu öffnen, erzählt der 35-Jährige. Bald warten dort keine neuen Formulare, Nachzahlungen oder Rechnungen mehr.

    Ob sie sich auch wieder auf die Großstadt freuen? Beide nicken und lächeln sofort. Ein klares Ja. Hakan Serbest betont trotzdem, wie wohl sie sich in Leutershausen gefühlt haben. Vom Bürgermeister bis zu den Nachbarn haben sie alle gut aufgenommen. Im April steht nun aber der Umzug nach München an. Eine Wohnung haben sie schon.

    Fil Ceramics wird fortbestehen. Eine Bekannte produziert in Istanbul weiter, erzählt das Paar. Der Verkauf findet dann – wie bisher auch größtenteils – übers Internet und den Töpferladen in Bamberg statt. Es ist ihnen wichtig, dass das Herzensprojekt weitergeht – nur eben nicht mehr als Hauptberuf.

    „Die Familie zu verlassen, ist das größte Thema”, gibt Nilay Serbest zu. „Wir mögen sie sehr”, sagt auch Birgit Moll, sichtlich gerührt. Die Molls haben in den vergangenen Jahren öfter im Laden geholfen. In der Werkstatt waren sie nicht. Bei Fragen standen sie aber immer zur Seite. Diese Art der Expertise bekomme man in keiner Schule, schwärmt Hakan Serbest.

    „Völlig offen” bei der Nachfolge

    „Wir möchten unbedingt, dass hier in der Werkstatt was gearbeitet wird”, betont Birgit Moll. Die 81-Jährige und ihr 83 Jahre alter Mann sind bei der Nachfolge „völlig offen”. Sie können sich auch gut ein anderes Kunsthandwerk vorstellen.

    Das Ehepaar wäre auch bereit, die Werkstatt zu trennen, sodass sich zwei kleinere Gewerbe den Platz teilen. Rund 110 Quadratmeter misst die Werkstatt, der Laden weitere 50, schätzt Friedrich Moll. Hakan Serbest ergänzt: Man könne hier wunderbar Workshops geben, vom Töpfern über Keramik bemalen hin zu anderen kreativen Dingen oder einem Café.

    Auf einem Pfeiler zwischen den Regalen zeigen alte Aufnahmen, teils Sepia-Fotos, die lange Geschichte der Töpferei Seiler. Daneben eine Liste mit den Namen aller Personen, die bisher in der Werkstatt gearbeitet haben. Wer wohl als Nächstes ganz unten stehen wird?

    Für Informationen zur Werkstatt und dem Laden können Interessierte sich per Mail bei Friedrich Moll melden:
    moll@toepferei-seiler.de


    Antonia Müller
    Antonia Müller
    Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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