In dieser Woche rücken im Tante-Enso-Markt die Ladenbauer an. Die Regale mit alkoholhaltigen Getränken müssen künftig in einem separaten, speziell gesicherten Bereich untergebracht werden. Zudem steht eine erneute Verkleinerung der Verkaufsfläche außerhalb der regulären Ladenöffnungszeiten an.
Gefordert werden diese Maßnahmen vom Landratsamt. Zum einen reichen der Aufsichtsbehörde die bisherigen Jugendschutzvorkehrungennicht aus. Zum anderen darf der Verkaufsbereich montags bis samstags vor 6 Uhr und nach 20 Uhr sowie sonn- und feiertags maximal 150 Quadratmeter umfassen. Das schreibt das Ladenschlussgesetz für personalunbesetzte Kleinstsupermärkte in Bayern vor, zu denen auch der für Karteninhaber rund um die Uhr zugängliche Tante Enso Markt zählt.
Über die neuen Auflagen informierte Bürgermeisterin Ursula Weiß den Gemeinderat. Dort reagierte man mit deutlichem Unverständnis. Von „reiner Schikane“ sprach etwa Gemeinderat Willi Oheimer. Gleichzeitig zeigte sich das Gremium aber auch erleichtert, dass die Geschäftsführung der Enso eCommerce GmbH trotz der verschärften Vorgaben am Standort Bruckberg festhält.
Bereits im Herbst hatte das Landratsamt als zuständige Jugendschutzbehörde Bedenken geäußert. Zwar können die Räume außerhalb der personalbesetzten Zeiten nur mit einer Kundenkarte betreten werden, die ausschließlich an Volljährige ausgegeben wird. Nach Auffassung der Behörde genügt diese Zugangskontrolle jedoch nicht.
Mit einer Karte könnten mehrere Personen gleichzeitig eintreten, ohne dass am Eingang eine individuelle Altersprüfung stattfinde. Märkte wie Tante Enso seien in Zeiten ohne Personal rechtlich ähnlich wie Automaten zu betrachten. Branntweinhaltige Getränke dürften dort nicht angeboten werden. Daher seien zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erforderlich.
Als Lösung brachte das Landratsamt zunächst besondere Automaten mit technischer Altersverifizierung oder einen separaten, nur nach Altersnachweis zugänglichen Raum ins Gespräch. Letztere Variante wird nun umgesetzt. Die Kosten übernimmt Tante Enso, die Gemeinde als Eigentümerin der Liegenschaft führt nur ein paar vorbereitende gebäudetechnische Maßnahmen durch.
Weiß kritisierte die Anlassunabhängigkeit der Maßnahme. „Es hat schließlich keinerlei Probleme mit alkoholisierten Jugendlichen im Marktumfeld gegeben“, betonte sie. Auch Tante Enso habe auf bestehende Vorkehrungen verwiesen. Dazu gehören die digitale Altersprüfung bei der Kartenbeantragung, ein verpflichtendes Lastschriftmandat, die externe Bankenprüfung, ein optionaler PIN-Schutz sowie die Videoüberwachung. Zudem erhalten Karteninhaber nach jedem Einkauf einen Beleg per E-Mail. Dem Gemeinderat erschien das schlüssig. Man sah hier in erster Linie die Eltern in der Verantwortung. Dies überzeugte jedoch das Landratsamt nicht.
Die Enso-Geschäftsleitung habe sich aber durchweg dialogbereit gezeigt, hob Weiß hervor. In intensiven Gesprächen sei eine Lösung herbeigeführt worden.
Die aktuellen Vorgaben sind nicht die ersten Einschnitte für den Markt. Bereits vor rund einem Jahr musste die Verkaufsfläche außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten reduziert werden. Bei einer Kontrolle des Landratsamts war aber nun aufgefallen, dass man die Vorgabe von maximal 150 Quadratmetern verfehlt hatte. Weitere Regalreihen müssen nun abgesperrt werden. „Ich hoffe, damit haben wir die Situation befriedet, denn ich weiß wirklich nicht, was wir sonst noch tun könnten“, bilanzierte Bürgermeisterin Weiß.
Bruckberg hatte sich auch an einer Petition an den Bayerischen Landtag beteiligt, die Ausnahmen vom als rigide kritisierten Ladenschluss für digital betriebene Nahversorger forderte. Rückblickend stellte Weiß fest, dass die Interessen der kleinen Landgemeinden vom Gesetzgeber dennoch nur unzureichend berücksichtigt worden seien. Man müsse nun also die Daumen drücken, dass die Kundinnen und Kunden dem Tante-Enso-Markt treu bleiben. „Der Fortbestand steht und fällt mit den Zahlen.“ Gerade der Sonntag sei einer der Tage mit den meisten Besuchen.