Die Premiere war ein Wagnis. „Damals wussten wir noch nicht, was auf uns alles zukam“, blickt Bürgermeister Matthias Schwarz acht Jahre zurück, als Burgbernheim zur Veranstalterin des Mundartfestivals Edzerdla wurde. Es hat sich für die kleine Stadt gelohnt.
Im Stadtrat sei es gute Tradition, Neues zu wagen, sagt der Bürgermeister. „Unser Stadtrat ist immer aufgeschlossen, etwas auszuprobieren. Er ist auch bei anderen Sachen experimentierfreudig.“ Als der Autor Helmut Haberkamm mit Freunden auf dem idyllischen Kapellenberg über die Stadt blickte und die Idee hatte, hier ein Mundartfestival zu machen, fand er sofort Unterstützung, erst beim Bürgermeister, dann im Stadtrat.
Im Jahr 2016 war nicht nur in den größeren Städten Frankens die Überraschung perfekt. Eine wenig bekannte Kleinstadt im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim macht ein Mundartfestival mit hohem künstlerischem Anspruch? Nicht Nürnberg, nicht Fürth, Erlangen, Würzburg, Bamberg oder Bayreuth?
Das Experiment gelang. „Das erste Mal war eine wunderbare Sache, von der Stimmung her“, blickt Schwarz zurück. „Es hat allen gefallen.“ Zwei Jahre später kam die zweite Auflage, danach die Pandemie.
Am Wochenende folgt die dritte Runde. „Fast ganz Burgbernheim ist eingebunden. Mich fasziniert, mit welcher Freude alle dabei sind“, fasst das seit 2002 amtierende Stadtoberhaupt (Freie Bürger) die Atmosphäre zusammen. „Es ist etwas Besonderes, ein fränkisches Mundartfestival gemeinsam auf die Beine zu stellen.“
Wegen der Unwetter konnte der Aufbau des großes Zelts nicht wie geplant am Freitag, sondern erst am Montag zwischen den Bäumen auf dem Kapellenberg beginnen. Kein Grund zur Aufregung, so der Mann, bei dem die Verantwortung für ein Drei-Tage-Fest mit vierstelligen Besucherzahlen liegt. „Wir können auf unsere Erfahrungen bauen. Das Grundkonzept haben wir gelassen. Im Rathaus und im Bauhof helfen in den letzten drei Wochen vor dem Beginn viele dazu.“
Unverzichtbar sind die Vereine, die das Festival auch als ihre Bühne nutzen, von den Sportlern bis zu den Schützen, den Landfrauen bis zur Feuerwehr. Sie sind nicht nur hinter den Kulissen dabei, sondern übernehmen den Verkauf von Getränken, Kaffee und Kuchen. „Wir versuchen, ein gutes Miteinander hinzukriegen. Und das funktioniert tadellos“, sagt der Bürgermeister. „Das ist kein riesiger Kraftakt, sondern das läuft.“
Insgesamt werden von Freitag bis Sonntag rund 150 Frauen und Männer in fünf Schichten aktiv sein. Zudem stellen sich am Sonntag 40 Bürger als Wahlhelfer für die Europawahl und die Landratswahl zur Verfügung.
In Burgbernheim und seinem Umland, das auch in den angrenzenden Landkreis Ansbach reicht, sind an diesem Wochenende alle Betten in Hotel, Pensionen und Ferienwohnung belegt. Die Gastronomie stellt sich auf viele Gäste ein.
Wirtschaftlich ist das Festival auch langfristig ein Gewinn, ist der Bürgermeister überzeugt. „Das rentiert sich für die Stadt vom Werbeeffekt her auf jeden Fall.“ Beim Thema Streuobst habe man mit über 30.000 Obstbäumen einen guten Ruf. „Aber Kultur und Mundart sind etwas Besonderes. Es gibt etliche Leute, die nur wegen des Festivals zum ersten Mal in Burgbernheim waren – und seitdem immer wiedergekommen sind. Edzerdla lockt auch Leute aus dem Raum Nürnberg/Erlangen, die sonst nicht zu uns finden würden. Es ist eine feine Veranstaltung, mit der wir Fans gewonnen haben.“
Alles ohne ein dickes Minus in der Stadtkasse. Diese ist in Burgbernheim, das inzwischen rund 1600 Arbeitsplätze aufgebaut hat, zwar belastbar. Aber zum großen Draufzahlgeschäft durfte Edzerdla nicht werden, war dem Rat der 3500-Einwohner-Stadt wichtig. „Wir stellen uns in der Organisation schlank auf, und wenn wir die Schwarze Null schaffen, ist das in Ordnung“, so die Vorgabe des Bürgermeisters. Das soll mit Eintrittsgeldern und Sponsoren auch diesmal gelingen.
Möglich sei das nur, weil die Stadt zwar die Veranstalterin ist, sich aber nicht um das Programm sorgen muss, sagt Matthias Schwarz. „Für uns ist das nur machbar, weil sich Helmut Haberkamm um das Programm kümmert. Für viele Künstler ist es eine tolle Sache. Es ist ein Festival, das es nirgends anders gibt.“