Heike hat jahrelang in Dinkelsbühl Touristen durch die Altstadt gezogen, bis sie einen Unfall hatte. Heute steht sie bei Familie Eschenbacher in Volkershausen, die das Pferd zusammen mit dem Tierschutzverein Feuchtwangen vor dem Schlachthof gerettet hat. Kürzlich wurde der Kaltblüter 30.
Heike war vor einer der Kutschen in der Dinkelsbühler Altstadt im Einsatz, bis ein anderes Pferd sie bei der Arbeit schwer verletzte. Nach ihrem Unglück vor rund 15 Jahren ließ der Besitzer Heike auf der Weide stehen. Er gab ihr ein halbes Jahr. Die Entscheidung stand fest: Wenn das Pferd bis dahin nicht schmerzfrei und die Verletzungen geheilt sind, sollte sie geschlachtet werden.
Daraufhin wurde Karin Eschenbacher aktiv. Sie war auf das kranke Pferd, das in einem Dinkelsbühler Ortsteil stand, über Freunde aufmerksam geworden, kontaktierte den Tierschutzverein Feuchtwangen und bat um Unterstützung. Daraufhin kaufte der Verein das Pferd zum Schlachtpreis vom Vorbesitzer ab. Walter Weihermann, Vorsitzender des Tierschutzvereins, erzählt, dass sie die Aktion gerne unterstützt hätten, dass dies jedoch eine einmalige Sache gewesen sei.
Als Heike dann bei Familie Eschenbacher „eingezogen“ war, kam der Heilungsprozess erst richtig in Gang. Das Pferd war in der Herde den ganzen Tag draußen im Offenstall oder auf der Weide und auf Empfehlung der Heilpraktikerin mit ihren Besitzern viel spazieren: Anfangs noch sehr schwerfällig, dann fiel es ihr immer leichter, trotz Arthrose. Sie gewann ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude zurück. Der Kaltblüter habe schon an Festumzügen teilgenommen und den Maibaum für das Dorf aus dem Wald gezogen, erzählt die Besitzerin. „Das Pferd will einfach noch arbeiten. Sie ist ein Arbeitstier.“ Heike sei „immer umgänglich, nett, freundlich“.
Karin Eschenbacher kann nicht nachvollziehen, dass Pferdebesitzer ihr Tier abgeben, sobald sie es nicht mehr nutzen können wie früher – sei es ein Turnier-, Kutsch- oder Arbeitspferd. Man verbringe mit diesem Lebewesen so viel Zeit. Sobald es jedoch nicht mehr tauge, verkaufe man das Pferd dann plötzlich aus „finanziellen oder zeitlichen Gründen“.
Auch bei anderen Tieren komme so etwas leider oft vor. Eschenbacher hat auch Hunde bei sich aufgenommen, die plötzlich ungewollt waren: Die Leute nähmen gerne „Haus, Auto und Wertpapiere, aber keinen Hund, wenn der Besitzer verstirbt“.
Für die Pferdebesitzerin würde es nie in Frage kommen, eines ihrer Pferde aufgrund von Verletzungen oder des Alters abzugeben. Sie würde die Pferde dann – genauso wie sie es mit Heike handhabt – zum Spazieren oder als Handpferd zum Ausreiten mitnehmen.
Nach wie vor steht das Pferd bei Familie Eschenbacher und genießt sein Leben als Rentnerin: Sie geht viel spazieren und steht mit ihren „Kumpels“ zusammen im Offenstall. Die laufende Kosten für Heike trägt Karin Eschenbacher. Zum 30. Geburtstag gab es vom Tierschutzverein Feuchtwangen einen Tierarzt-Gutschein, von dem Schmerztabletten für das Pferd gekauft wurden.