Wenn sich am Mittwoch der Mond vor die Sonne schiebt, haben die Menschen in Bayern gute Karten, ein Naturschauspiel der besonderen Art zu erleben. Bayern gehört zu den Bundesländern, wo der Mond die Sonnenscheibe am meisten verdeckt, denn es gilt: Je weiter im Süden und Westen Deutschlands, desto besser. Und auch das Wetter könnte in weiten Teilen des Freistaats mitspielen. Wer das Spektakel verpasst, muss bis 2081 warten, bis er Vergleichbares wieder sehen kann. Was man beachten sollte:
Die Sonnenfinsternis kann grundsätzlich überall in Bayern beobachtet werden, möglichst von einem erhöhten Punkt und mit freier Sicht in Richtung Westen. Denn die Sonne wird – relativ knapp vor Sonnenuntergang – schon recht tief stehen.
Bei einer partiellen Sonnenfinsternis verdeckt der Mond die Sonne nicht komplett, je weiter – grob gesagt – im Südwesten des Freistaats man sich befindet, desto höher ist die Verdeckung. Während in Hof „nur“ rund 87 Prozent der Sonne verdeckt sein werden, sind es laut einer interaktiven Karte der Nasa in Lindau am Bodensee rund 90 Prozent. Nürnberg und München liegen mit etwa 88 und 89 Prozent dazwischen.
Der Deutsche Wetterdienst verspricht in seiner bisherigen Vorhersage allerbestes Sonnenfinsternis-Wetter praktisch im gesamten Freistaat. Es wird tagsüber fast in ganz Bayern sonnig, die Nacht zum Donnerstag wird sternenklar. Höchstens am Alpenrand könnte es am Nachmittag ein paar örtliche Gewitter geben – dort wäre dann möglicherweise die Sicht auf die Sichel verdorben.
Genau genommen gibt es auch hier kleine Unterschiede je nach Standort, Hof ist ein paar Minuten früher dran als Lindau. Beginn in München etwa ist um 19.22 Uhr, das Maximum wird gegen 20.15 Uhr erwartet. Zu Ende dürfte die Sonnenfinsternis aus Beobachtersicht in aller Regel mit Sonnenuntergang sein – in München beispielsweise um 20.32 Uhr.
Normale Sonnenbrillen reichen nicht aus. Benötigt wird eine geprüfte Sonnenfinsternis-Brille. Dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zufolge muss die Schutzbrille gemäß den gültigen EU-Normen als sicher für den direkten Blick in die Sonne gekennzeichnet und mit dem CE-Symbol versehen sein. Die aktuell gültige Norm ist demnach DIN EN ISO 12312-2:2015. Es gibt sie zum Beispiel bei Optikern oder im Internet.
Das BfS warnt, dass ein Blick in die Sonne die Netzhaut in kürzester Zeit so schädigen könne, dass das Sehvermögen bleibend eingeschränkt wird oder sogar ganz verloren geht. Auch vor Schutzmitteln der Marke Eigenbau wie CDs wird gewarnt.
Hochgefährlich sind auch Ferngläser, Teleskope oder Kameras. Diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen laut BfS zusätzlich. Im Fachhandel werden spezielle Filteraufsätze oder Folien angeboten.
Ja, in München zum Beispiel angeboten von der Volkssternwarte oder dem Deutschen Museum. Beide Angebote sind allerdings jeweils schon ausgebucht. Die Homepage der Langen Nacht der Astronomie listet aber noch andere Angebote im Freistaat auf, zum Beispiel von der Sternwarte Rosenheim, die Volkssternwarte Ottobeuren oder die Sternwarte Weikersheim.
Denn der 12. August bietet gleich zwei Himmelsspektakel. In derselben Nacht erreicht auch der Perseiden-Meteorstrom seinen Höhepunkt. Wer nach der Sonnenfinsternis auf einem dunklen Platz bleibt, hat gute Chancen, später Sternschnuppen zu sehen. Nur etwas warten wird er oder sie gegebenenfalls noch müssen – laut Volkssternwarte München werden die maximalen Fallraten erst in den frühen Morgenstunden erwartet.
Eine totale Sonnenfinsternis wird es über Grönland, Island, Spanien und einem kleinen Teil Nordostportugals geben, wie die Weltraumbehörde ESA schreibt. Am Abend des 12. August wird es unter anderem von der ESA einen Livestream geben. Mit Erläuterungen von Harald Lesch ist sie auch in der TerraX-Folge „Sonnenfinsternis über Mallorca“ live zu sehen (20.15 bis 21.00 Uhr bei 3sat).
Um eine totale Sonnenfinsternis hierzulande zu sehen, muss noch lange gewartet werden: Sie wird erst am 3. September 2081 sein. Die bislang letzte totale Sonnenfinsternis war von Deutschland aus am 11. August 1999 zu sehen.
Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond auf einer Linie zwischen Sonne und Erde, so dass der Schatten des Mondes auf die Erde fällt. Bayern liegt am 12. August nur im Halbschatten, der Mond bedeckt also nur einen Teil der Sonne. Im Kernschatten dagegen ist die Sonne völlig vom Mond bedeckt, die Sonnenfinsternis ist total.
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