Passionsspiele im Freilandmuseum Bad Windsheim | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.04.2023 14:46

Passionsspiele im Freilandmuseum Bad Windsheim

Jesus (Michael Hufnagel), ans Kreuz genagelt und als König der Juden verspottet, verweigert den ihm dargereichten Schwamm und stirbt mit den Worten „es ist vollbracht“. (Foto: Sylvia Fehlinger)
Jesus (Michael Hufnagel), ans Kreuz genagelt und als König der Juden verspottet, verweigert den ihm dargereichten Schwamm und stirbt mit den Worten „es ist vollbracht“. (Foto: Sylvia Fehlinger)
Jesus (Michael Hufnagel), ans Kreuz genagelt und als König der Juden verspottet, verweigert den ihm dargereichten Schwamm und stirbt mit den Worten „es ist vollbracht“. (Foto: Sylvia Fehlinger)

„Nun gebet acht und habet Ruh’, sehet und höret fleißig zu“ – mit diesen Worten von Schuhmacherpoet Hans Sachs eröffnete Gerhard Göß, Spielleiter der Theatergruppe Marktbergel, das Passionsspiel am Karfreitag im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim. Es ließ die Leidensgeschichte Jesu nachempfinden.

Nach den Corona-bedingten Absagen in den vergangenen Jahren, war es das 35. Mal, dass dieses von dem Nürnberger Schuhmachermeister, Poeten und Meistersinger Hans Sachs (1494 bis 1576) geschriebene Stück rund um den Museumshügel im Freilandmuseum aufgeführt wurde.

Ein bisschen Wehmut begleitete dieses Passionsspiel, weil damit auch der Abschied von den Bad Windsheimer Sängern und Spielleut’ nahte, die am Karfreitag zum letzten Mal in der Besetzung mit Erwin Geißendörfer, Jürgen Müller, Fritz Eckardt, Horst Daubinger und Gerhard Zelzer „die ganz’ Passion“ würdevoll musikalisch untermalten. Auch der Himmel trauerte ein wenig mit.

Immerhin blieb es trocken, wenn auch kühl, so dass die Zuschauer dem dramatischen Geschehen rund um die Schäferei aus Hambühl und dem zu Golgatha, der Kreuzigungsstätte Jesu, umgewandelten Museumshügel, ohne nass zu werden folgen konnten.

Zuschauer werden Teil des Geschehens

In sieben Akten stellten die 45 Laienschauspieler aus Marktbergel unter der Leitung von Gerhard Göß die Leidensgeschichte Jesus nach. Diesmal verkörperte ihn Michael Hufnagel. Los ging es mit dem Abendmahl mit den Jüngern und der letzten Nacht Jesu im Garten Gethsemane, wo Jesus Gott bittet, vom Kreuzigungstod verschont zu werden. Weitere Szenen waren der Verrat durch Judas, die Gefangennahme durch die römischen Soldaten, die Verleumdung, die Anklage und Verurteilung durch den Hohen Rat der Pharisäer und vor Pontius Pilatus. Es folgten die Krönung mit der Dornenkrone und schließlich der leidvolle Aufstieg Jesu mit dem ihm aufgebürdeten Kreuz auf den Museumshügel. Die Jesus begleitenden Zuschauer wurden ins Geschehen mit hineingenommen und zu einem Teil der aufgewühlten Menschenmenge, die rief „kreuzigt ihn, kreuzigt ihn“.

Mit lauten Hammerschlägen wurde Jesus schließlich ans Kreuz genagelt – zumindest symbolisch. Um ihn als König der Juden zu verspotten, wurde die Tafel mit der Aufschrift Tafel I.N.R.I., was Jesus Nazarenus Rex Judaeorum bedeutet, an der Spitze des Kreuzes angebracht.

Nach den Worten „es ist vollbracht“ und dem Tod Jesus würfelten die römischen Soldaten in der dramatischen Schlussszene noch um die Kleider des Gekreuzigten, bevor die Bad Windsheimer Sänger und Spielleut’ das von Hans Sachs geschriebene Vaterunser anstimmten. Damit bescherten sie diesem Passionsspiel einen äußerst stimmungsvollen Abschluss, der mit langanhaltendem Applaus belohnt wurde.

Eine neue Gruppe soll entstehen.

Doch so schnell ließen die Zuschauer die fünf Sänger und Spielleut’ nicht gehen. Viele folgten ihnen in das Bauernhaus aus Herrnbercht-heim, wo Erwin Geißendörfer, Jürgen Müller, Fritz Eckardt, Horst Daubinger und Gerhard Zelzer noch ein „aller-, aller-, allerletztes“ Konzert im Freilandmuseum gaben, bevor sich zumindest der zweite Bass Horst Daubinger (83), der erste Tenor Erwin Geißendörfer (81) und Fritz Eckardt (89), Sprecher und erster Bass, in den Ruhestand zurückzogen. Jürgen Müller (64) zweiter Tenor und Gerhard Zelzer (63), musikalischer Leiter und zweiter Bass der Spielleut’ wollen weitermachen und versuchen, in nächster Zeit eine neue Gruppe aufzubauen.


Von Sylvia Fehlinger
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