Die Aufregung ist groß bei etlichen Bürgern im Markt Bibarter Ortsteil Altmannshausen. Die Gemeinde will die am östlichen Ortsrand gelegene Siedlung nun endlich ordentlich fertigstellen – und verlangt dafür von den Anliegern Herstellungsbeiträge.
Solche Umlagen sind für Baugebiete allgemein üblich: Straßen, Beleuchtung, Gehwege, das alles wird ja für die Siedler hergestellt, also ist es naheliegend, dass sie auch dafür zur Kasse gebeten werden. Das Spezielle in Altmannshausen ist, dass es das Baugebiet schon seit über 20 Jahren gibt. Einzelne Häuser stehen gar schon seit fast 30 beziehungsweise über 35 Jahren.
Die ersten Gebäude wurden noch auf dem Wege der Einzelgenehmigung in der Amtszeit von Bürgermeister Hans Weber errichtet. Offenbar war aber auch ihm schon klar, dass es einer ordentlichen Überplanung des Gebiets bedarf. Jedenfalls fasste das Ratsgremium 1994 einen Aufstellungsbeschluss für das Baugebiet. Doch die Planung wurde erst Jahre später unter Webers Nachfolger Ludwig Günther zu Ende gebracht. Der Satzungsbeschluss datiert von 1999.
Zwar wurde dann tatsächlich das eine oder andere an der Infrastruktur getan. Doch ein wesentlicher Punkt, die Herstellung von normgerechten Straßen, fehlt nach wie vor, insbesondere auf der West-Ost-Hauptachse. Diese war bislang ein einfacher geteerter Weg, und zwar schon seit ihrer Kindheit, entsinnt sich eine Altmannshäuserin.
Dass es der Gemeinde nun mit der Straßenherstellung eilt, hat einen Grund: Nach 25 Jahren gilt ein Baugebiet beitragsrechtlich als abgeschlossen; würden die Straßen erst danach gebaut werden, könnten sie nicht mehr auf die Anlieger umgelegt werden, hieß es zur Erläuterung von der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Scheinfeld.
Bürgermeister Klaus Nölp hatte die Anlieger auf die drohenden Geldforderungen schon vor geraumer Zeit hingewiesen. Konkrete Zahlen liegen jedoch erst seit kurzem vor. Und die ließen so manchem Anlieger den Schreck in die Glieder fahren. Für die meisten – das bestätigte die VG – geht es um fünfstellige Beträge. „Für jeden Einzelnen belaufen sich die geschätzten Kosten zwischen 10.000 und 60.000 Euro“, hieß es in einem Anliegerschreiben an unsere Redaktion.
Zum Schock trug wohl auch bei, dass die Beitragsforderungen nun zeitlich sehr nahe rücken. Wohl noch im Frühjahr sollen Vorauszahlungsbescheide herausgehen, hieß es seitens der Verwaltung. Offenbar fühlen sich einige der Betroffenen überrumpelt.
Die Größenordnung von 60.000 Euro dementierte die VG allerdings auf Nachfrage unserer Redaktion. In dieser Höhe werde kein Grundstück herangezogen. Die Beiträge für den Straßenbau belaufen sich nach derzeitigem Kalkulationsstand auf – je nach Lage innerhalb des Siedlungsgebiets – 15 bis knapp 36 Euro je Quadratmeter Grundstücksfläche.
Sowohl Nölp als auch die VG merkten an, dass einige Häuslebauer schon beim Grundstückskauf eine Vorauszahlung zur Straßenerschließung geleistet haben. Für diese bleiben die Nachzahlungen fast alle im vierstelligen Bereich; zudem werden sie erst mit der Schlussrechnung wieder zum Zahlen aufgefordert.
Ärgerlich finden die Anwohner auch, dass das jahre- und jahrzehntelange Zuwarten der Gemeinde sich mutmaßlich negativ auf die Kosten ausgewirkt hat. Da könnte die Kommune den Siedlern, so finden diese, etwas entgegenkommen, indem etwa der Gemeindeanteil an den Kosten statt der standardmäßigen zehn Prozent deutlich heraufgesetzt wird.
Das mag Nölp allerdings nicht so stehen lassen. Zum einen haben die Ausschreibungsergebnisse eine doch etwas niedrigere Bausumme ergeben, als befürchtet worden war. Zum anderen kämen die Altmannshäuser damit um rund zehn Euro je Quadratmeter günstiger weg als etwa die Häuslebauer im Markt Bibarter „Sonnenhang“-Baugebiet. Und beim Gemeindekostenanteil sei man an die Satzung gebunden. Darauf haben er und die Räte einen Eid geschworen – auch wenn er nun dafür teils unter der Gürtellinie angegriffen werde.
Wegen des günstigen Grundstückspreises, so sagt einer der Siedler im Gespräch mit unserer Redaktion, habe er nach Altmannshausen gebaut. Hätte er die Höhe der Folgekosten ahnen können, so hätte er gleich nach Scheinfeld bauen können – oder jedenfalls an einen Ort mit besserem Versorgungsumfeld.