In den kommenden beiden Jahren muss sich Bayern auf niedrigere Steuereinnahmen einstellen als noch im Herbst angenommen. Für 2026 und 2027 prognostizierten die Steuerschätzer nach Angaben von Finanzminister Albert Füracker (CSU) einen Rückgang von jeweils rund 100 Millionen Euro. Zwar würden die Steuern insgesamt noch jedes Jahr steigen, er reiche aber nicht aus, um die stärker wachsenden Ausgaben abzufangen.
„Wir müssen lernen, mit dem auszukommen, was wir haben“, sagte Füracker in Nürnberg zum regionalisierten Ergebnis des Arbeitskreises „Steuerschätzungen“. Das Ergebnis zeige, insbesondere mit Blick auf einen Nachtragshaushalt 2027: „Wir haben keinerlei zusätzliche finanzielle Spielräume für neue Ausgaben.“ Einen unmittelbaren Anpassungsbedarf für den kürzlich beschlossenen Doppelhaushalt 2026/2027 ergebe sich nicht. Erst für 2028 sagen die Steuerschätzer wieder eine Verbesserung bei den Steuereinnahmen voraus.
Als Gründe für die wirtschaftliche Flaute und damit die rückläufigen Steuereinnahmen nannte Füracker internationale Konflikte, anhaltende schwache Konjunktur und angespannte öffentliche Haushalte. Deutschlands und auch Bayerns Finanzpolitik stünden weiterhin vor erheblichen Herausforderungen.
Zudem sind die Schätzungen vielleicht noch mehr als in vielen früheren Jahren mit einem dicken Fragezeichen zu versehen. Denn das aktuelle Schätzungsergebnis basiert auch auf den Wachstumsprognosen der Bundesregierung und die gehen von einer baldigen Entspannung der Situation in Nahost aus. „Inwieweit dies tatsächlich eintritt, ist aktuell schwer vorherzusagen“, sagte Füracker.
Verglichen mit der Steuerschätzung des Bundes steht der Freistaat damit aber deutlich besser da. Konkret sagten die Schätzer für das Jahr 2026 für den gesamten Staat – also Bund, Länder und Kommunen – 17,8 Milliarden Euro weniger an Steuereinnahmen voraus, als noch im Herbst angenommen.
Für 2027 ergab die Steuerschätzung allein für den Bund 10,1 Milliarden Euro weniger als bisher erwartet.
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