Eiichi Takeyama: Wenn Realität mit Gefühlen verschmilzt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.01.2023 08:23

Eiichi Takeyama: Wenn Realität mit Gefühlen verschmilzt

In seinem Atelier ist Eiichi Takeyama umrahmt von zahlreichen seiner Werke. Wenn ihm die deutschen Wörter fehlen, zeichnet er das, was er sagen will, einfach auf ein Blatt Papier.  (Foto: Simone Hedler)
In seinem Atelier ist Eiichi Takeyama umrahmt von zahlreichen seiner Werke. Wenn ihm die deutschen Wörter fehlen, zeichnet er das, was er sagen will, einfach auf ein Blatt Papier. (Foto: Simone Hedler)
In seinem Atelier ist Eiichi Takeyama umrahmt von zahlreichen seiner Werke. Wenn ihm die deutschen Wörter fehlen, zeichnet er das, was er sagen will, einfach auf ein Blatt Papier. (Foto: Simone Hedler)

Der japanische Maler Eiichi Takeyama hatte über 28 Jahre lang sein Atelier in der Rothenburger Herrngasse. Nun möchte er in seine Heimat zurück.

Wenn er malt, kopiert er nicht einfach die Realität. „In meinem Kopf verschmilzt sie mit meinen Gefühlen und Eindrücken“, erklärt Eiichi Takeyama. Das Ergebnis bannt er auf Leinwand: Burggasse, Dächer am Plönlein oder Kirchturmspitzen lösen sich in Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen in leuchtende Farbkompositionen auf.

„Das unterscheidet uns Profis vom Hobbykünstler“, meint Eiichi Takeyama: „Wir kopieren die Realität nicht einfach, wir kreieren unsere eigene.“ Der Maler nennt seine Werke daher auch „Seelenbilder“. Über 28 Jahre lang war er mit seinem Atelier ein fester Bestandteil der Herrngasse. Nun möchte er wieder zurück in seine Heimat: nach Japan. Wann genau, ist noch offen.


Es war für Künstler insgesamt eine schwere Zeit.

Eiichi Takeyama

Zuletzt haben ihm längere Krankheitsphasen zu schaffen gemacht. Außerdem leben seine zwei Kinder und sein Enkelsohn in Japan. Mit der Familie will er mehr Zeit verbringen. Zumal gegenseitige Besuche – wie er erzählt – durch Corona kaum mehr möglich waren.

Die Pandemie hat auch sonst viel verändert für Eiichi Takeyama. „Es war für Künstler insgesamt eine schwere Zeit“, sagt er. Außerdem kommen seitdem nur noch wenige japanische Touristen in die Stadt – ein wichtiger Kundenstamm für seine Bilder.

Geboren ist Eiichi Takeyama 1937 in Tokyo. An der Universität von Taito studierte er Kunst, Philosophie und Erziehung und lehrte dort von 1965 bis 1993 als Kunstprofessor. Studienreisen führten ihn als Mitglied der Japan Artist Association nach Indien, Italien, Frankreich – und auch nach Deutschland. Dort reiste er entlang der Romantischen Straße, Heidelberg, Würzburg. Zwei Tage verbrachte er in Rothenburg und malte beim Spaziergang seine ersten Bilder der Stadt.

Der Blick von der Doppelbrücke hinauf zur Stadt habe ihn fasziniert, sagt er heute. So sehr, dass er gemeinsam mit seiner Frau im Jahr 1994 von der Zehn-Millionen-Metropole Tokyo ins beschauliche Mittelfranken zog und in Rothenburg sein Atelier eröffnete. Auch im lokalen Künstlerbund wurde er Mitglied. Bis heute haben die Motive der Stadt und der Umgebung ihren Reiz für ihn nicht verloren. Sie ziehen sich durch all die Jahre seines Schaffens.

In zahlreichen Ausstellungen hat er sie seinem Publikum präsentiert – in Deutschland genauso wie in Japan. Zuletzt waren Eiichi Takeyamas Bilder in einer Sonderausstellung im Rahmen von „Pittoresk! Fremdbild – Selbstbild – Wiederaneignung“ im RothenburgMuseum zu sehen. Jetzt hofft er, noch möglichst viele seiner Werke zu verkaufen. „Den Rest nehme ich mit nach Japan.“

Lediglich mit der deutschen Sprache steht der 85-Jährige auch nach all den Jahren immer noch ein wenig auf Kriegsfuß. „Sie ist einfach so schwierig“, sagt er. Doch wenn ihm während des Gesprächs mit der Redaktion die Wörter fehlen, greift er einfach zum Bleistift. Auf dem Skizzenblatt entsteht so der Umriss von Tokyo, im östlichen Teil zeichnet Eiichi Takeyama Taito ein, seine Heimat. Daneben skribbelt er die Doppelbrücke. Und: einen Schiedsrichterstuhl am Rande eines Tennisfeldes.

Denn Tennis ist Takeyamas zweite große Leidenschaft. Schon in Japan war er als Tennislehrer aktiv, in Deutschland schaffte er es als Spieler bis in die zweite Landesliga. Unter einem Stapel an Blättern zieht er eine Urkunde hervor: Platz drei bei den Meisterschaften 1997. Der Sport habe ihm geholfen, in Rothenburg Freunde zu finden.

Auch wenn das anfangs gar nicht so einfach war, erzählt Takeyama: „In Japan ist alles viel strenger, akkurater. In Deutschland hingegen steht immer der Spaß im Vordergrund.“ Das gelte nicht nur für den Sport, sondern auch für die Malerei und die Musik.

Jetzt kehrt er zurück. Viele seiner Werke jedoch bleiben hier und erlauben den Betrachtern auch weiterhin einen Blick auf Rothenburg durch Eiichi Takeyamas Augen.

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