Scheinfelder Passionsspielgemeinschaft inszeniert den „Jedermann” neu | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 02.07.2024 19:29

Scheinfelder Passionsspielgemeinschaft inszeniert den „Jedermann” neu

Jedermann (Jaap Swaminathan, auf dem Tisch) weiß sich Gehör zu verschaffen, während der Tod (Steve Sträßer, im weißen Anzug) geduldig auf ihn lauert. (Foto: Andreas Reum)
Jedermann (Jaap Swaminathan, auf dem Tisch) weiß sich Gehör zu verschaffen, während der Tod (Steve Sträßer, im weißen Anzug) geduldig auf ihn lauert. (Foto: Andreas Reum)
Jedermann (Jaap Swaminathan, auf dem Tisch) weiß sich Gehör zu verschaffen, während der Tod (Steve Sträßer, im weißen Anzug) geduldig auf ihn lauert. (Foto: Andreas Reum)

Jedermann muss sterben. So viel ist schon mal klar. Doch welchen Einfluss hat diese Todesgewissheit aufs Leben? Das ist eine Glaubensfrage, findet Hugo von Hofmannsthal. Der österreichische Autor hat darüber ein Stück geschrieben, das die Scheinfelder Passionsspielgemeinschaft nun neu inszeniert hat.

Das Ensemble hatte den „Jedermann“ schon einmal auf die Bühne gebracht. Das war knapp zwei Jahrzehnte her unter Gründervater Karl-Heinz Guhr mit Alfons Lang in der Titelrolle – eine zwar etwas gestraffte, aber ansonsten recht textgetreue Fassung. Das Stück erneut anzugehen hieß damit auch, es anders anzugehen und nicht einfach nur zu wiederholen.

Wie lässt sich die Seele retten?

Das ist Regisseur Andreas Satzinger gelungen. Auch, weil die Passionsspieler sich diesmal mit der Studiobühne Erlangen zusammentaten. Aus deren Reihen nahm sich Katharina Schliedermann als Dramaturgin der Textmodernisierung an. Hofmannsthals gediegene, gereimte, für heutige Ohren ziemlich sperrige Sprache wurde kräftig entstaubt, was auch dem Spielfluss zugute kommt.

Der mitten im Leben stehende, an Skrupeln arme und finanziell erfolgreiche Jedermann (Jaap Swaminathan) sieht unvermittelt seinem Ende entgegen. Was nun?, fragt er sich: Wie seine Seele retten? Denn zumindest durch die Mahnungen seiner Mutter (Monika Finster) ist er sich bewusst, dass seine Lebensweise einem göttlichen Gericht nicht Stand hielte.

Die Schwermut, die Jedermann erfasst und fortan verbreitet, stößt in seinem Saus-und-Braus-Umfeld, auch bei seiner Buhlschaft (Tanja Jordan), auf Verwunderung. In todessehnsüchtigem Leichtsinn lässt er sich auf ein Russisch Roulette ein und verliert.

Mit Reue zum Glauben

Und der Tod (Steve Sträßer) lässt nicht mit sich handeln. Oder doch? Ein Stündchen kann Jedermann ihm abringen, eine Stunde, in der Jedermann versuchen darf, für seinen letzten Gang einen Wegbegleiter und damit einen Fürsprecher fürs Paradies zu finden. Aber so gute Gefährten (Elvira Amtmann, Siegfried Finster, Stefan Jordan), die mit ihm in den Tod zu gehen bereit sind, hat Jedermann nicht.

Seine Werke (Alexandra Soltysik) sind zu schwach, als dass sie ihm helfen könnten. Nur der Glaube (Marlene Senska) könnte ihn retten. Doch Jedermann glaubte bislang nicht. Nun an der Schwelle des Todes tut er es aber. Taktik oder echte Reue? Das göttliche Gericht glaubt ihm Letzteres, sieht über Jedermanns Missetaten hinweg und entreißt ihn somit – zum Ärger des Teufels (Helga Haupert-Mergenhagen) – der Hölle. Die mütterliche Trauer am Grab und die der Geliebten verwandeln sich in ein zuversichtliches Lächeln.

Es gab verdienten Beifall

Bei der Freiluft-Premiere am Samstag im Elisabeth-Hof von Kloster Schwarzenberg und auch tags darauf – wetterbedingt in der Klosterkirche – gab es den verdienten Beifall für diesen in ein zeitgemäßes Gewand geschlüpften Jedermann.

Der „Jedermann“ der Passionsspielgemeinschaft Scheinfeld und der Studiobühne Erlangen ist nochmals am Samstag und Sonntag, 20. und 21. Juli, in Burghaslach im Garten der Baumschule Schlierf, Hardweg 2, zu sehen. Aufführungsbeginn ist am Samstag um 19 Uhr und am Sonntag um 17 Uhr (Einlass jeweils eine halbe Stunde vorher). Eintrittskarten sind im Vorverkauf im Burghaslacher Rathaus und beim Wachenröther Bäck im Netto-Markt oder in Scheinfeld beim Schreibwarenladen Meyer erhältlich beziehungsweise per E-Mail an psgkarten@gmail.com.

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