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Veröffentlicht am 11.10.2024 17:30

Schichtwechsel bei Diakoneo: Mitarbeiter der Werkstatt gehen in Firmen

Wie läuft so ein Tag in einem Unternehmen? Das konnten Menschen, die normalerweise in der Diakoneo-Werkstatt arbeiten, bei dem Aktionstag erleben. (Foto: Florian Schwab)
Wie läuft so ein Tag in einem Unternehmen? Das konnten Menschen, die normalerweise in der Diakoneo-Werkstatt arbeiten, bei dem Aktionstag erleben. (Foto: Florian Schwab)
Wie läuft so ein Tag in einem Unternehmen? Das konnten Menschen, die normalerweise in der Diakoneo-Werkstatt arbeiten, bei dem Aktionstag erleben. (Foto: Florian Schwab)

Vorurteile abbauen und Begegnungen ermöglichen, die unter normalen Umständen eher selten zustande kommen: Diese Ziele verfolgt der gestrige bundesweite Aktionstag „Schichtwechsel“. Die Diakoneo-Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Neuendettelsau hat sich an dem Rollentausch beteiligt.

Im Rahmen des „Schichtwechsels“ tauschen Mitarbeiter der Diakoneo-Werkstatt und des jeweiligen Unternehmens für einen Tag ihren Arbeitsplatz und lernen so ein neues Umfeld kennen. Im Fall von Diakoneo konnten vier Betriebe für den Tausch gewonnen werden – die Ortlieb Sportartikel GmbH und das Seniorenheim St. Stilla in Heilsbronn, der Medizintechnikhersteller Senetics aus Ansbach und die Branofilter GmbH aus Dietenhofen.

Die Abläufe besser verstehen

Der Aktionstag bietet einerseits die Möglichkeit, mit den Betrieben in Kontakt zu kommen, wie Werkstattleiter Klemens Tautz erklärt. Andererseits lernen die Firmen die Werkstatt kennen, um so ein Verständnis für die Arbeitsabläufe zu bekommen. Anders als in einem Unternehmen ist die Werkstatt wie ein geschützter Raum zu sehen, in dem Menschen mit Beeinträchtigung in ihrem Tempo arbeiten können.

„Die Firmen wissen, dass hier ihre Aufträge bearbeitet werden“, führt Tautz aus. Sie wüssten aber meist nicht, wer die Menschen sind, die diese ausführen. Im Fall von Ortlieb werden zum Beispiel Bestandteile für eine Fahrradtasche zusammengebaut. Gleichzeitig erhoffen sich die Verantwortlichen von Diakoneo, so auch neue Außenarbeitsplätze zu gewinnen, um ihre Mitarbeiter im Idealfall in die normale Arbeitswelt integrieren zu können.

Der „Schichtwechsel“ soll auch dabei helfen, mit Klischees oder Vorurteilen aufzuräumen. „Oft sind es Vorstellungen über Menschen mit Behinderung, die nicht der Realität entsprechen“, sagt Tautz. Was er meint: Viele gehen von den traurigsten Fällen aus, also von Menschen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung, nicht mehr alleine lebensfähig sind.

„Ich finde es sehr interessant hier“, sagt zum Beispiel Cristina Schuller von Ortlieb. Sie hat sich für die Teilnahme entschieden, um zu lernen, wie die Abläufe in der Werkstatt sind.

„Wir leben das Thema schon lange“

Bei der Branofilter GmbH aus Dietenhofen war das Interesse der Beschäftigten laut Tautz so groß, dass es quasi ein Auswahlverfahren geben musste. Ausgewählt wurden schließlich Isabell Stratner aus dem Vertrieb und Elke Ortner aus der Produktion.

„Es ist einfach die Möglichkeit, mal hinter die Kulissen zu schauen“, sagt Stratner. Dieser Einblick sei total interessant, meint Ortner. Im vergangenen Jahr hat sie den Diakoneo-Tauschpartner bei der Arbeit in Dietenhofen betreut. „Da lag es auf der Hand, jetzt die andere Seite kennenzulernen.“

Zwischen Diakoneo und der Ortlieb GmbH besteht eine langjährige Kooperation, wie Geschäftsführer Martin Esslinger darlegt. Es sei eine gute und zielvolle Zusammenarbeit. „Wir leben dieses Thema schon lange.“ Durch den Aktionstag bekommt die Inklusion nach seinen Worten mehr Präsenz und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Esslingers Hoffnung ist, dass sich so auch andere Firmen angesprochen fühlen und das Thema selbst aufgreifen.

Durch die Kooperation haben die Werkstattmitarbeiter schon lange mit Ortlieb-Produkten zu tun. Wenn sie dann hin und wieder die Chance bekommen, ins Unternehmen hineinzuschnuppern, stärkt das die Bindung, so Esslinger.


Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
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