Schnee, Eis und Auto-Ärger: Womit der Winterdienst in Neustadt/Aisch kämpft | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.01.2026 15:50

Schnee, Eis und Auto-Ärger: Womit der Winterdienst in Neustadt/Aisch kämpft

Zentimeter trennen das Streufahrzeug und den geparkten Wagen. Um ihn passieren zu können, muss Jörg Deyerling ein Stück auf den Gehweg ausweichen. (Foto: Ute Niephaus)
Zentimeter trennen das Streufahrzeug und den geparkten Wagen. Um ihn passieren zu können, muss Jörg Deyerling ein Stück auf den Gehweg ausweichen. (Foto: Ute Niephaus)
Zentimeter trennen das Streufahrzeug und den geparkten Wagen. Um ihn passieren zu können, muss Jörg Deyerling ein Stück auf den Gehweg ausweichen. (Foto: Ute Niephaus)

Donnerstag, 2 Uhr: Jörg Deyerling muss aufstehen, um seinen Dienst anzutreten – eine Stunde früher als an den meisten Tagen. Der 54-Jährige ist Mitarbeiter der Kommunalbetriebe (Bauhof) und steuert eines der großen Streufahrzeuge. Er sorgt mit den Kollegen dafür, dass die Straßen in Neustadt auch bei Schnee und Eis passierbar bleiben.

Und das an sieben Tagen in der Woche, wenn es nötig ist. Grund für den verfrühten Dienstantritt an diesem Tag ist ein 40-Tonner, der auf der Zufahrt zum Kreisverkehr bei Diespeck umgekippt ist und die Zufahrt blockiert. Da ein Teilstück der B8 gesperrt ist, muss der Verkehr umgeleitet werden. Doch dafür müssen erst einmal die verschneiten Ausweichstraßen geräumt werden. Sonst geht nichts.

Ganz wichtige Räder im Getriebe

Das macht Deyerling und seine Kollegen zu ganz wichtigen Rädern im Getriebe des Alltagslebens. An jenem Donnerstag ist ein Abweichen von der sonst üblichen ersten Streurunde unabdingbar, bei der etwa Strecken mit Gefälle, Hauptverbindungswege, der Brauhausberg, das Gewerbegebiet und die Parcelsustraße bis zur Klinik geräumt werden. Dafür gibt es Streupläne. Später folgt gegebenenfalls, je nach weiterer Witterung, eine zweite große Tour.

Die Neustädter Feuerwehr hat am Kreisverkehr bereits die Umleitung ausgewiesen. Vor allem der steile Brauhausberg muss rasch von der Glätte befreit werden, sonst ist er für Fahrzeuge jedweder Art kaum passierbar. Das wollen Deyerling und das Team auf jeden Fall vermeiden. Das Räumschild ist im Dauereinsatz und schiebt den Schnee an den Straßenrand. Zeitgleich wird Salz gestreut. Nürnberger, Wilhelm- und Bamberger Straße sowie die weiteren für die Umleitung dringend benötigten Strecken werden so in möglichst kurzer Zeit für den Umleitungsverkehr passierbar gemacht.

Jeweils neun Lkw und Kleintraktoren sowie 50 Männer und Frauen hatte das Ansbacher Betriebsamt im Einsatz, um die Straßen in Ansbach zu räumen. (Archivbild: Jim Albright)

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Eine große Verantwortung

„Bis gegen 5 Uhr war ich im Einsatz”, erzählt Jörg Deyerling bei einer späteren Runde an jenem Donnerstag, bei der ihn unsere Redaktion begleitet. Dabei wird schnell klar, welche Verantwortung die Fahrer der großen Räumfahrzeuge haben und wie viel Konzentration ihnen die Aufgabe abverlangt. Immer wieder sorgen ungünstig geparkte Fahrzeuge auf engen Straßen dafür, dass das große orangefarbene Gefährt nur vorsichtig in Schrittgeschwindigkeit und in Millimeter-Arbeit vorankommt. An zwei Stellen klappt das nur, weil der 54-Jährige ein Stück auf den Gehweg ausweicht. Das ist eigentlich nicht geplant.

Ein gutes Augenmaß und viel Fingerspitzengefühl sind unabdingbar. Beides hat der Neustädter, nicht zuletzt durch jahrelange Erfahrung, schließlich arbeitet der gelernte Maler und Lackierer schon länger für die Kommunalbetriebe. Da er bei der Bundeswehr den Lkw-Führerschein gemacht hatte, bot es sich an, dass er den großen Laster steuert. Deyerling bleibt im Ruhepuls, aufregen bringt nichts, auch wenn es ihn ärgert, wenn Autos unerlaubt oder zu weit in der Fahrbahn abgestellt werden. Das erschwert die Arbeit ungemein.

„Wenn es zu eng ist, fahren wir nicht in die Straße”, sagte der Streu-Experte. Manchmal ist es einen Versuch wert, dann wird das rund 3,10 Meter breite Räumschild hochgefahren, das Fahrzeug zurückgesetzt und in einem größeren Bogen eingeschwenkt. Ruhig ist es im Inneren der Fahrerkabine eigentlich nie, immer piepst etwas. Die linke Hand des Fahrers muss oft einen der zahlreichen Knöpfe auf der Steuereinheit bedienen. Leicht ist die Arbeit nicht, sie birgt Gefahren. Vor etlichen Jahren kam das große Fahrzeug im Gewerbegebiet ins Rutschen, stoppte erst ein ganzes Stück später und blieb nach einer 90 Grad Drehung endlich stehen. Glück gehabt. „Da konnte ich nichts machen, ich war nur noch Passagier”, resümiert Deyerling trocken.

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Ärger über rücksichtslose Menschen

Was nervt den Winterdienstler? Da muss er nicht lange überlegen. Wenn er im Kreuzungsbereich rangieren muss und andere Verkehrsteilnehmer trotz eingeschaltetem Warnblinklicht nicht warten, bis geräumt wurde, sondern einfach überholen. Oder wenn Mitbürgerinnen und Mitbürger beim Räumen ihres Gehweges den Schnee in großen Mengen auf die Fahrbahn schieben, eine Grundstücksbesitzerin handhabt es gerade so.

Zudem zeigen einige wenig Verständnis, wenn der Schnee beim Räumen in ihrer Einfahrt oder auf ihrem Bürgersteigstück landet. „Das kann ich nicht vermeiden.” Inzwischen wurde ein Wendehammer im Wohngebiet am Krankenhaus angesteuert. Nach einigen Rangier-Einheiten ist der freigeräumt. Weiter geht die Fahrt durchs Gewerbegebiet Kleinerlbach. Auf der alten B8 (Nürnberger Straße) wird der auf dem Mittelstreifen liegende Schneematsch geräumt und die noch in die Straße ragende Matsch-Masse weiter auf die Seite geschoben. Dann geht es zurück zum Bauhof, Salzvorräte auffüllen. Das Lager ist gut gefüllt. Rund 170 Tonnen hat der Bauhof auf Vorrat.

Zwei Dienstleister unterstützen

Mit Blick auf den für Freitag angekündigten Eisregen werden am Donnerstagabend noch alle Fahrzeuge „aufgetankt”, teilt Bauhofleiter Norbert Frank mit, der bei der Einsatzkoordination mitwirkt. Zum Glück bleibt das Wetter ruhiger als gemeldet. Franks Kolleginnen und Kollegen sind seit einer Woche im Schichtdienst unterwegs, um für freie Straßen und Gehflächen auf öffentlichen Arealen zu sorgen.

Unterstützung kommt dabei von zwei Dienstleistern, die mit Kleinschleppern und Bulldogs unterwegs sind – beispielsweise in den kleineren Ortsteilen und Neubaugebieten. Bei den gegenwärtigen Witterungsverhältnissen beginnt der normale Kontrolldienst, wenn nicht gerade ein Unfall dazwischenkommt, gegen 3.30 Uhr. Dann machen sich Mitarbeitende wie Jörg Deyerling auf den Weg, um die Strecke abzufahren und die Verhältnisse zu dokumentieren.

Von 3.30 bis 20.30 Uhr

Müssen die Räumfahrzeuge ausrücken, werden die Kollegen und Dienstleister per Weckruf informiert. Die Hausmeister der öffentlichen Einrichtungen und Schulen bekommen ebenfalls Bescheid. Von 3.30 bis 20.30 Uhr erfolgt der Winterdienst, informiert Frank und weist darauf hin, dass nicht alle Straßen geräumt werden können. Derzeit halten sich Beschwerden seitens der Bevölkerung aber auch in Grenzen. Viele haben Verständnis.

Unterwegs sind im Stadtgebiet auch Fußtrupps. Sie sorgen dafür, dass etwa Querungshilfen, Bereiche wie der Plärrer, die Brücke zum Festplatz, Laufflächen über den Marktplatz oder durch Parks nicht zur Ausrutsch-Falle werden. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Neustädter Kommunalbetriebe stehen weiterhin bereit, bei Wind und Wetter.

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