Schräges Blatt, weicher Buntstift: So geht Schule mit links | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 12.08.2026 07:31

Schräges Blatt, weicher Buntstift: So geht Schule mit links

Ob ein Kind die linke Hand bevorzugt, ist nicht erst bei Schulbeginn klar, sondern bereits im Alter zwischen zwei und vier Jahren. (Foto: Jens Büttner/dpa/dpa-tmn)
Ob ein Kind die linke Hand bevorzugt, ist nicht erst bei Schulbeginn klar, sondern bereits im Alter zwischen zwei und vier Jahren. (Foto: Jens Büttner/dpa/dpa-tmn)
Ob ein Kind die linke Hand bevorzugt, ist nicht erst bei Schulbeginn klar, sondern bereits im Alter zwischen zwei und vier Jahren. (Foto: Jens Büttner/dpa/dpa-tmn)

Denken Rechtshänder daran, was Linkshändern beim Start in die Schule das Leben erleichtern könnte, ist es die berühmte Linkshänderschere. „Doch erst mit dem Schulbeginn den Umgang mit der Schere zu üben, ist viel zu spät“, sagt Linkshänder-Beraterin Johanna Barbara Sattler. Die Psychologin berät Linkshänder, wie ihr Leben leichter mit links funktioniert. Die Gründerin der Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder in München weiß aber auch, was Eltern mit kleinen Linkshändern üben sollten und wie sie überhaupt erkennen, welche Händigkeit ein Kind hat. 

Frau Sattler, wann sollte denn bereits der Umgang mit der Linkshänderschere geübt werden?

Johanna Barbara Sattler: Das linkshändige Kind braucht ab drei bis vier Jahre eine ordentliche Linkshänderschere. Die Einschulung wäre viel zu spät dafür. Dann haben sich die Kinder meist irgendwie mit der Rechtshänderschere arrangiert. Sie schauen sich dann bei den anderen ab, wie die es machen und nehmen die Schere auch in die rechte Hand - weil ihnen niemand zeigt, wie es mit einer ordentlichen Linkshänderschere in der linken Hand gehen würde. 

Ist in dem Alter schon klar, dass ein Kind die linke Hand bevorzugt?

Sattler: Bei manchen Kindern ist das schon mit einem Jahr klar, bei den meisten aber rund mit zwei bis vier Jahren. Es gibt aber auch die Gruppe von Kindern, die noch unsicher im Handgebrauch ist, weil sie genau beobachten und ihre Umwelt nachahmen oder sich an Eltern oder Erziehern orientieren. 

Dann gibt es noch Kinder, die zum Beispiel feinmotorisch-koordinative Schwierigkeiten haben, Einschränkungen im Handgebrauch oder Blockaden im Schulterbereich. Dann ist es sinnvoll, dass sich mit Fragen zur Linkshändigkeit vertraute Ergotherapeuten das genauer anschauen. 

Gibt es Zeichen, an denen ich erkenne, zu welcher Händigkeit mein Kind tendiert? 

Sattler: Sobald das Kind mit der Hand in die Mitte kommt, kann man beobachten, mit welcher es spielt, nach Sachen greift oder isst. Aber gerade beim Essen muss man aufpassen, dass man das Kind nicht auf die rechte Hand schult. Dabei sollten Eltern nicht intuitiv nach ihrer eigenen Händigkeit den Löffel hinlegen, das Glas oder den Becher hinstellen. Ich empfehle, das Besteck möglichst mittig zu platzieren - etwa auf dem Teller oder in einem Becher, aus dem sich das Kind selbst Besteck rausholt. 

Wenn Kinder anfangen zu malen, wird die Sache ziemlich eindeutig. Falls man einen wechselnden Handgebrauch beobachtet, rate ich, nicht einzugreifen. Stattdessen sollte man bei dem Kind für viel Bewegung sorgen und Sachen anbieten, die mit den Händen zu tun haben, etwa mit Ton arbeiten, im Sand spielen oder mit Wachs formen, so dass sich die Finger gut bewegen können und die Hände üben. Ist es weiterhin unklar, helfen Kinderärzte oder Linkshänder-Berater wie ich weiter. Über unsere Internetseite findet man jemanden in der Nähe.

Spätestens in der Vorschule sollte die Händigkeit klar sein. Echte Linkshänder können in Schreibvorbereitungsgruppen vor der Einschulung üben, wie man den Stift hält, wie man Schwung und Formen hinbekommt und das Blatt idealerweise liegt. Darum kümmern sich in der Schule Lehrkräfte meist selten. Solche Kurse mit fünf bis sechs Terminen bietet unser gemeinnütziger Verein seit der Pandemie auch online.

Eine kleine Studie im Rahmen einer Bachelorarbeit hat die positiven Erfahrungen solcher Gruppen bestätigt. Die Kinder bekommen nicht nur erklärt, warum Blattlage und Schreibhaltung wichtig sind, sondern sie sehen, wie auch andere linkshändige Kinder das genauso machen und das ganz normal ist. Das nimmt ihnen das Empfinden, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.

Warum müssen Blätter bei Linkshändern anders liegen und Stifte anders gehalten werden?

Sattler: Liegt das Blatt oder Heft gerade, verwischt bei Linkshändern die Schrift beziehungsweise die Tinte - alles wird schnell blau, einschließlich der Finger. Weiterer Nachteil: Ich sehe nicht, was ich geschrieben habe. Aber je älter ich werde und je mehr ich schreibe, ist ein Überblick über das wichtig, was ich gerade aufs Papier gebracht habe. 

Deshalb muss das Blatt schräg liegen. Darauf wird in der Schule viel zu wenig geachtet. Dieses Nichtsehen von dem, was ich schreibe, befördert die sogenannte Hakenhaltung. Beim Versuch, trotzdem zu sehen, was ich zu Papier bringe, verkrampft die Hand. Wenn dann später der Füller kommt, dann ist es ganz aus mit der ergonomischen Haltung. 

Dabei wäre ein früher Einsatz eines Anfängerfüllers für Linkshänder sogar die Chance auf eine gute Schreibhaltung. Denn wenn ich die Kinder erst mit Bleistift oder Tintenroller schreiben lasse, hat das Kind den Eindruck, es macht nichts, über das Geschriebene zu wischen. Damit verlagert man das Problem auf später. Benutzen linkshändige Kinder gleich einen Füller, würden Sie viel weniger Druck aufbauen. Aber in vielen Bundesländern wird erst in der 2. oder 3. Klasse der Füller eingeführt. 

Welche Links-Extras sind neben Schere und Füller noch hilfreich? 

Sattler: Ich halte einen Linkshänder-Spitzer für wichtig. Dabei muss man nur aufpassen, dass er auch alle Stifte spitzt. Manche sind schön, aber oben zu schmal und spitzen nur bestimmte Fabrikate. Das ist frustrierend. Einen Linkshänderspitzer sollten Kinder eigentlich spätestens im Alter von fünf Jahren haben. Denn das übt auch die Feinmotorik und Koordination. 

Buntstifte für linkshändige Kinder sollten unbedingt weich sein. Wenn sie zu hart sind, nützt auch das beste Sonderangebot mit 20 Stück nichts. Denn dann hält sie das Kind zu gerade, wischt wieder drüber und baut einen zu starken Druck auf. Weil sich bei Buntstiften mit Mulde deren Position nach jedem Anspitzen ändert, rate ich zu Buntstiften mit Grip oder Stifthalter. Sie helfen, in den Dreipunktgriff zu kommen, also Schreiben mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger.

Hilfreich ist auch ein Elefantenrüssel. Das ist ein Wortabstandshalter, den das Kind hinter das Wort hält. Der Rüssel schafft Platz und hält den Abstand zum nächsten Wort. Rechtshändige Kinder sollen da dann ihren Finger von der anderen Hand zwischen die Worte legen, aber bei Linkshändern geht es nicht so einfach. Deswegen brauchen sie einen Wortabstandshalter. Eine Versandliste für Läden mit Linkshandprodukten gibt es auf unserer Webseite und viele Produkte sind auch da abgebildet und beschrieben.

Noch bis zur 2., 3. Klasse warten würde ich mit einem Lineal für Linkshänder. Die zählen in die andere Richtung, weil die Linkshänder gerne von rechts nach links unterstreichen. Diese Lineale sind sehr erklärungsbedürftig. In der Schule sind die meisten Lineal-Aufgaben mit Zahlenstrahl von links nach rechts aufgebaut - da kann man schnell durcheinander kommen.

Bei Schreiblernheften sollte man darauf achten, dass Buchstaben und Worte nicht nur auf der linken Seite, sondern auch rechts stehen, damit das linkshändige Kind sie beim Kopieren nicht verdeckt.

© dpa-infocom, dpa:260812-930-516855/1


Von dpa
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