Schwanger Ü40: Was sollten nicht nur Frauen wissen? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 11.08.2026 03:39

Schwanger Ü40: Was sollten nicht nur Frauen wissen?

Später im Leben ein Kind zu bekommen ist nicht ungewöhnlich: Fünf Prozent der Schwangeren sind bei Eintritt der Schwangerschaft älter als 40. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Später im Leben ein Kind zu bekommen ist nicht ungewöhnlich: Fünf Prozent der Schwangeren sind bei Eintritt der Schwangerschaft älter als 40. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Später im Leben ein Kind zu bekommen ist nicht ungewöhnlich: Fünf Prozent der Schwangeren sind bei Eintritt der Schwangerschaft älter als 40. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Die einen freuen sich, die anderen warnen: Späte Schwangerschaften werden oft emotional diskutiert, nicht nur bei prominenten Frauen, die wie Jeanette Biedermann (46) „spät“ Mutter werden. 

Medizinisch sieht die Sache differenzierter aus. Denn das Alter spielt eine Rolle - aber es ist nicht der einzige Faktor, sagt der Pränatalmediziner Prof. Karl Oliver Kagan. Womit Frauen über 40 rechnen können.

Immer mehr Frauen bekommen ihr erstes Kind jenseits der 40. Ist das medizinisch ein Problem?

Prof. Dr. Karl Oliver Kagan: Man muss das differenziert betrachten. Ja, die Risiken steigen mit dem Alter an. Aber im gleichen Zuge muss man sagen: Die Mehrheit der Schwangerschaften verläuft gut. Ich habe aus eigener Erfahrung genügend Schwangere in gehobenen Alterssegmenten betreut – und dabei meine ich 45 und jenseits. Nicht jedes erhöhte Risiko setzt sich auch zum Problem um. Das mittlere Entbindungsalter liegt heute bei rund 31 bis 32 Jahren, und etwa fünf Prozent der Schwangeren sind bei Eintritt der Schwangerschaft älter als 40. Das zeigt, wie sehr sich das Bild in den letzten Jahren verändert hat.

Welche Risiken steigen konkret an – für Mutter und Kind?

Prof. Kagan: Fangen wir mit der Fertilität an: Bei Frauen unter 30 werden innerhalb eines Jahres etwa 85 Prozent schwanger, wenn sie es versuchen. Bei Frauen unter 40 sind es noch rund 45 Prozent. Das zeigt schon deutlich, wie die Fruchtbarkeit abnimmt. 

Beim Kind ist das bekannteste Risiko das der Chromosomenstörungen, allen voran Trisomie 21. Eine 20-Jährige hat dafür ein Risiko von etwa 1 zu 1000, eine 40-Jährige von rund 1 zu 80. Das Risiko einer Fehlgeburt steigt ebenfalls an – bei unter 35-Jährigen liegt es grob bei etwa 15 Prozent, bei 40-Jährigen bei 25 bis 40 Prozent, je nach Ausgangspunkt der Berechnung. Auf der mütterlichen Seite sehen wir mit zunehmendem Alter häufiger Schwangerschaftsdiabetes, schwangerschaftsbedingte Bluthochdruckerkrankungen und Präeklampsie sowie eine höhere Rate an Plazentainsuffizienz. Auch die Kaiserschnittrate steigt an. Es ist ein Kontinuum, kein Schalter, der ab 35 oder 40 einfach umgelegt wird.

Was empfehlen Sie Frauen, die mit über 40 schwanger sind oder es werden wollen?

Prof. Kagan: Zunächst: Sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und offen zu sein für eine engmaschigere Betreuung. Man orientiert sich dabei am individuellen Risikoprofil – in der Hoffnung, mögliche Probleme früher erkennen zu können. Wer sich mit dem Thema Trisomien, beispielsweise Trisomie 21, also Down-Syndrom, beschäftigen möchte, dem würde ich heute eher einen nicht-invasiven Pränataltest, also einen NIPT, empfehlen als gleich zur Fruchtwasseruntersuchung zu greifen. 

Allerdings: Der Test macht nur Sinn, wenn das Ergebnis auch Konsequenzen für das weitere Vorgehen hätte. Wer für sich entschieden hat, dass ein auffälliger Befund nichts an der Schwangerschaft ändern würde, muss diese Tests nicht machen. Unterm Strich gilt: Die altersgehobene Schwangere trägt ein erhöhtes Risikoprofil mit sich – aber das bedeutet nicht, dass es nicht funktioniert. Es bedeutet, dass man gut informiert und gut betreut sein sollte.–-

Zur Person: Prof. Dr. Karl Oliver Kagan ist Leiter der Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Tübingen und Sektionssprecher Pränatalmedizin der Arbeitsgemeinschaft Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG (AGG)

© dpa-infocom, dpa:260811-930-511461/1


Von dpa
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