„Wir hören zu – ohne zu beurteilen oder zu verurteilen“, betont Nele Pfeufer. Die staatlich anerkannte Sozialpädagogin ist seit Juli 2023 in der katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen des Caritasverbandes Ansbach tätig. Einmal in der Woche bietet sie Sprechstunden in Neustadt an, die gut frequentiert werden.
Mit Pfeufer ist die Stelle nach längerer Vakanz wieder besetzt. Nach einer Terminvereinbarung kann jede und jeder in die Ansbacher Straße 6 in Neustadt kommen. Eine Beratung ist zudem am Telefon, per Video, online und auch anonym möglich.
Die Konfession spielt ebenfalls keine Rolle. „Wir informieren und beraten kostenfrei zu allen Fragen der Schwangerschaft und dann weiter bis zum dritten Lebensjahr des Kindes“, erzählt Nele Pfeufer. Informieren kann man sich über die Vorbereitung auf einen neuen Lebensabschnitt mit dem Kind, in der Partnerschaft und im Beruf, aber auch über die vertrauliche Geburt.
Was steht mir zu? Was kann ich beantragen, wenn es finanziell eng wird? Diese Fragen rund um gesetzliche Leistungen und vieles mehr beschäftigen viele werdende Eltern, die in die Sprechstunde kommen. Kindergeld, Elterngeld, bayerisches Familiengeld, Leistungen der „Landesstiftung für Mutter und Kind“ – das Ausfüllen der dafür nötigen Anträge stellt nicht wenige vor Herausforderungen. Dabei hilft ihnen die 28-Jährige.
Wenn es um Anträge geht, kommen die Paare oft zusammen oder die Frauen allein. Erscheinen nur die Männer, wollen sie sich oft über den „Vaterschaftsurlaub“ informieren. „Diesen gibt es aber nicht, der Begriff kursiert jedoch im Internet“, weiß Pfeufer und erläutert, dass es die Elternzeit gibt, die auch Vätern möglich ist.
Mit den werdenden Müttern und Vätern spricht sie darüber, wie man die Elternzeit sinnvoll nimmt, um Kinderbetreuung, Familie und Beruf zu vereinbaren. „Letztlich entscheidet aber jede Familie für sich, wie sie es handhabt.“
„Jede Frau hat zudem Anspruch auf vorgeburtliche Untersuchungen. Wir machen jedoch keine medizinische Beratung“, stellt die Sozialpädagogin fest. Unterstützung bietet man, wenn es darum geht, wie man mit einem auffälligen Befund umgeht oder eine mögliche Behinderung des Kindes festgestellt wurde. Man kann sich jedoch auch schon vor der Pränataldiagnostik an die Beratungsstellen wenden.
Nur selten melden sich Frauen nach einer Fehl- und Totgeburt. Dies können sie jedoch ebenso wie in allen Krisensituationen – seien es nun Trennung, Tod oder depressive Verstimmung nach der Geburt. „Wir stehen zur Seite und bieten ein offenes Ohr.“
Vermitteln kann man zudem an spezielle Stellen wie den Verein „Schatten und Licht“, der helfen kann, wenn Frauen rund um die Geburt ihres Kindes in eine seelische Krise stürzen. Dabei kann es sich um Krankheitsbilder wie perinatale und postpartale Depression, Wochenbettdepression, Angststörung, Zwangsstörung, Psychose oder Geburtstrauma handeln.
Pfeufer kann nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch oder Französisch beraten. Bei anderen Sprachen leistet eine Übersetzungs-App gute Dienste oder es geht „mit Händen und Füßen“, erklärt die Beraterin.
Zu den Aufgabengebieten der Schwangerschaftsberatungen gehört noch mehr, zum Beispiel Informationen rund um Sexualität und Familienplanung sowie die Sexualpädagogik. Mit Blick auf Letztgenanntes geht man an die Schulen. Kolleginnen und Kollegen von Pfeufer bieten dazu Workshops an. Dabei geht es etwa um eine werteorientierte sexuelle Beziehung. Jungen Leuten gilt es zu vermitteln, dass sie deutlich machen, welche Werte ihnen in einer Beziehung wichtig sind.
Nicht zu kurz kommen dabei Themen wie Fruchtbarkeit, Fortpflanzung und Verhütung. Angesprochen werden ferner körperliche Veränderungen, die die Pubertät mit sich bringt. Weitere Infos zu den sexualpädagogischen Gruppenangeboten für Jugendgruppen und Schulkassen, die im Rahmen des Projektes „LoveTours“ geboten werden, gibt es auf der Internetseite www.lovetours-caritas.de.
Als einen großen Vorteil der Workshops, die in allen weiterführenden Schultypen ab der sechsten Jahrgangsstufe angeboten werden, sieht die Beraterin, dass die Fachleute von außen kommen und sich diese mit den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe begegnen. „Hier muss sich niemand vor einer Lehrkraft offenbaren. Es kann offen über alle Themen gesprochen werden.“ Nach der Corona-bedingten Pause läuft die Nachfrage nach diesem Angebot wieder an.
Neben der Caritas bieten im Landkreis die staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen des Landratsamts (Gesundheitsamt) und des Diakoninschen Werkes Beratungen an. Mit diesen ist man seitens der Caritas im Austausch, auch der gemeinsame Flyer wird überarbeitet. Bei Bedarf wird zudem an Angebote vermittelt, die die anderen Stellen anbieten. Anders als diese dürfen katholische Beratungsstellen den für einen Schwangerschaftsabbruch benötigten Beratungsschein nicht ausstellen.
Am Ende des Gespräches weist Pfeufer noch darauf hin, dass man nicht nur für Krisen da ist, sondern auch für die schönen Seiten rund um die Schwangerschaft und die Zeit danach. Termine können mit ihr unter der Rufnummer 09161/88890 vereinbart werden. Dies gilt auch für den am 14. Mai stattfindenden Infoabend für werdende Eltern, der von 18 bis 20 Uhr in den Räumen der Caritas in Neustadt angeboten wird. Dafür wird um eine Anmeldung bis zum 9. Mai gebeten. Dabei geht es etwa um gesetzliche Leistungen in der Schwangerschaft und nach der Geburt, Elternzeit und -geld und vieles mehr.