Die Grünen im Bundeswahlkreis Ansbach freuen sich über ihren Termincoup: Ihre Nominierung haben sie just auf den Tag gesetzt, an dem sich der 23. Februar als Termin für die vorgezogene Bundestagswahl manifestierte. So konnte die Veranstaltung gleich zum Auftakt in den Wahlkampf werden.
Das klang am Dienstagabend im Altmühl-Informationszentrum in Muhr am See mehrfach an. Doch wer ist der Kandidat der Grünen? Die Versammlung votierte in großer Einigkeit für Sebastian Amler. Er war der einzige Bewerber.
Der 27-Jährige kommt aus der kleinen Gemeinde Ettenstatt in der Nähe von Weißenburg. Im Nachbarlandkreis ist er Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz. Er studiert Sonderpädagogik fürs Lehramt und will im Frühjahr sein Staatsexamen machen. Neben dem Studium ist er als Werkstudent im Naturschutz tätig.
In seiner feurigen Rede rief er die Grünen-Mitglieder von Rothenburg bis Pappenheim mehrfach dazu auf, sich gemeinsam zu engagieren. „Es braucht einen Wandel“, rief er den Delegierten zu, die seine Rede am Ende mit begeistertem Applaus feierten. Dass es dem jungen Mann an Selbstbewusstsein nicht fehlt, zeigte sich im Satz: „Gemeinsam werden wir antreten, um uns das Direktmandat zu holen!“ Im Bundeswahlkreis, zu dem neben Stadt und Landkreis Ansbach auch der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gehört, hat bislang immer der Bewerber der CSU gewonnen.
Die Regularien, die sich die Grünen für die Nominierung selbst gesetzt hatten, sahen nur sieben Minuten für die Vorstellungsrede vor. Entsprechend fokussierte sich Amler auf ein Kernthema: die Artenvielfalt. „Die biologische Vielfalt ist die Grundlage unseres Lebens.“ Er nahm gerade erst am Weltnaturgipfel COP16 in Kolumbien teil, um sich für die Zukunft der Erde und der Menschen einzusetzen. Die Menschen hätten zu lange an dem Ast gesägt, auf dem sie sitzen und sähen nun dem eigenen Aussterben ins Gesicht
Angesichts der knappen Zeit schnitt er Themen wie wachsenden Faschismus im Lande, Krieg in der Ukraine und im Gaza-Streifen oder ein überfordertes Gesundheitssystem nur schlaglichtartig an. Sein Fazit: „Wir müssen aufhören, das Ende der Welt gegen das Ende des Monats aufzurechnen.“
Die Auseinandersetzung um die Fortsetzung des Projektes „Chance:Natur“ sei bei ihm die Initialzündung gewesen, um sich für eine Bundestagskandidatur zu interessieren, blickte Sebastian Amler zurück. Mittlerweile ist der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen aus dem Vorzeigeprojekt ausgestiegen, der Landkreis Ansbach macht alleine weiter.
Für ihn habe das Gezerre eines klar gezeigt: „Ich will meine Zukunft nicht Menschen anvertrauen, die bisher nur bewiesen haben, dass ihnen das Gestern wichtiger ist als das Morgen.“ Ein Seitenhieb gegen die Union, wie der 27-Jährige klar deutlich machte.
Ergänzend zu den sieben Minuten Vorstellungsrede sahen die Regularien auch vier Fragen aus dem Plenum vor. Dafür gab es nochmal drei Minuten Mikrofonzeit für Sebastian Amler. Alles straff organisiert. So konnten die Kreisvorsitzenden Franziska Wurzinger und Oliver Rühl (Ansbach) sowie Ulrich Winter (Weißenburg-Gunzenhausen) nach nur 70 Minuten auch das Ende der Nominierungsversammlung feststellen. Dabei hatte es sogar eine kleine Panne gegeben: Denn im ersten Wahlgang wurden 67 Stimmzettel abgegeben, obwohl es nur 66 Delegierte waren.
Der Zettel zu viel war komplett leer, stellte Wahlleiter André Höftmann fest. Vermutlich hing er schlicht an einem regulären Wahlzettel. Wegen des Formfehlers musste erneut gewählt werden. Im zweiten Anlauf waren es dann 65 von 66 möglichen Stimmen für Amler.
Der Wahlkampf wird nun kurz und knackig. Der Wahltermin am 23. Februar bedeutet, dass ab 12. Januar plakatiert werden darf. Sebastian Amler, der seine Ehrenämter vorerst ruhen lässt, um sich auf seine Kandidatur zu konzentrieren, nahm die Situation mit Humor: „Dann machen wir eben Wahlkampf auf dem Weihnachtsmarkt.“
Die Grünen hätten in drei Jahren in der Regierung gezeigt, dass sie bereit seien Verantwortung zu übernehmen, hatte Franziska Wurzinger schon in ihrer Begrüßung festgestellt. Sie seien „schmerzhafte Kompromisse“ eingegangen, könnten aber auch Erfolge vorweisen. „Wir haben die Energiewende in drei Jahren weiter vorangebracht als die unionsgeführten Regierungen in 16 Jahren davor.“