Rein und perfekt intoniert klingt der Schlussakkord durch den Rokokosaal. Dirigent Martin Sellke ist zufrieden mit seinem Chor – dem Silvesterchor. Seit 2008 treffen sich rund 70 Sängerinnen und Sänger nach Weihnachten für eine Woche im Rothenburger Wildbad, um gemeinsam ein Konzertprogramm zu erarbeiten.
Unter anderem haben sich die Musikerinnen und Musiker diesmal das Stück „Morning Star“ von Arvo Pärt vorgenommen. „Ein zeitgenössisches Werk“, erklärt Sellke. „Und nicht ganz einfach zu singen.“ Entsprechend intensiv wird geprobt: zweimal pro Tag, seit Samstag und noch bis Freitag, 3. Januar. Bis dahin muss alles sitzen, denn um 16 Uhr findet in der Heilig-Geist-Kirche das traditionelle Konzert des Silvesterchores statt.
Das Programm ist gewohnt abwechslungsreich: Neben Pärt steht beispielsweise „Locus Iste“ von Anton Bruckner auf dem Programm, „Lobe den Herren“ in einer Version von Hugo Distler und eine Vertonung der neuen Jahreslosung „Prüft alles“ aus der Feder des Dirigenten Martin Sellke.
Viele der Teilnehmer sind schon seit Jahren regelmäßig bei der Freizeit dabei, die vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und der Akademie Elstal angeboten wird. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands, aus den Niederlanden und aus der Schweiz. Das jüngste Chormitglied ist neun Jahre alt, das älteste 84.
„Viele singen bei uns, weil sie zu Hause keinen eigenen Chor mehr haben. Einige sind aber auch professionelle Musikerinnen und Musiker“, erzählt Heidi Griebenow. Sie singt nicht nur im Alt, sondern begleitet die Freizeit auch organisatorisch. Elf Sängerinnen und Sänger sind in diesem Jahr erstmals dabei, freut sie sich. Es kämen regelmäßig neue Gesichter dazu.
Zwischen den Proben ist Zeit für gemeinsame Ausflüge, Spiele und Gespräche. Am Silvesterabend wird traditionell gemeinsam gefeiert. Das Motto in diesem Jahr: Winter-Wonderland. „Da wurden schon Schneemänner für die Dekoration gebastelt und Sketche einstudiert“, verrät Griebenow. Und natürlich dürfen auch musikalische Einlagen der Teilnehmenden nicht fehlen.
Lange Zeit stand auf der Kippe, ob die Silvesterfreizeit auch diesmal wieder im Wildbad stattfinden kann. Denn beim letzten Treffen Ende 2023 war die Zukunft der evangelischen Tagungsstätte noch unklar. „Ein vergleichbares Haus zu finden, ist extrem schwer“, berichtet Griebenow. Nach langer Suche sei sie zwar auf eine Alternative gestoßen, die sich jedoch wieder zerschlagen habe. „Wir freuen uns sehr, wieder hier sein zu können“, sagt sie. Nun ist sie gespannt, wie es nach dem Verkauf an die Stadtwerke weitergeht.
„Wir haben auf jeden Fall Interesse, weiterhin hierher zu kommen“, betont sie und hat dazu bereits Kontakt aufgenommen. „Viel wird von der zukünftigen Preisgestaltung abhängen“, sagt sie. „Man muss total rechnen“, vor allem, weil die Freizeit auch Familien mit Kindern anziehen soll. „Wir kommen seit so vielen Jahren hierher, wir lieben das Ambiente und hoffen, dass wir uns einigen“, sagt sie.
Seinen ersten Auftritt hat der Freizeitchor im Neujahrsgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche um 17 Uhr. Dabei wird ein Ausschnitt aus dem Repertoire zu hören sein. Am Freitag, 3. Januar, wird dann in der Heilig-Geist-Kirche ab 16 Uhr das komplette Programm geboten. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht, so das Pfarramt.