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Veröffentlicht am 14.05.2026 00:07

So gelingt der Naschgarten auf dem Balkon

Vom Balkon direkt in den Mund: Selbst auf kleinem Raum lässt sich ein Naschgarten für Groß und Klein anlegen. (Foto: Irina Heß/Westend61/dpa-tmn)
Vom Balkon direkt in den Mund: Selbst auf kleinem Raum lässt sich ein Naschgarten für Groß und Klein anlegen. (Foto: Irina Heß/Westend61/dpa-tmn)
Vom Balkon direkt in den Mund: Selbst auf kleinem Raum lässt sich ein Naschgarten für Groß und Klein anlegen. (Foto: Irina Heß/Westend61/dpa-tmn)

Wohlfühloase, Naschgarten, Insektenparadies – das alles kann ein Balkon sein. Wer einige Grundlagen beachtet, hat gute Chancen, frische Kräuter, Obst und Gemüse auf kleiner Fläche zu ernten. Hier kommen fünf entscheidende Tipps von Expertinnen.

Sonne, Wasser, Platz: Darauf kommt es an

Wie viel Zeit und Geld kann und will ich investieren? Bin ich den ganzen Sommer weg? Wie werden die Pflanzen mit Wasser versorgt? Diese Fragen sollten sich Balkongärtner ehrlich beantworten, rät Buchautorin Melanie Öhlenbach („Mein Stadtbalkon“). Ihr Tipp: „Lieber klein anfangen, bevor man sich überfordert. Schließlich soll das Gärtnern Spaß machen und keinen Stress.“

Ein Wasseranschluss auf dem Balkon erleichtert das Gießen ungemein und ermöglicht es, ein automatisches Bewässerungssystem anzuschließen. Manche funktionieren sogar ohne Strom. Darauf weist Andrea Heistinger, Agrarwissenschaftlerin und Fachbuchautorin („BioBalkongarten“) hin.

Spaß macht das Gärtnern natürlich vor allem, wenn die Pflanzen gut gedeihen. Dafür ist es wichtig, dass die Lichtbedingungen passen. „Tomaten, Paprika und Auberginen zum Beispiel brauchen Sonne. Auf einem schattigen Nordbalkon wachsen sie nicht richtig und kränkeln“, sagt Andrea Heistinger. 

Auf Melanie Öhlenbachs Balkon kämpften Himbeeren ein Jahr im Schatten heftig mit Blattläusen. In der nächsten Saison stellte die Podcasterin sie an einen sonnigen Platz und das Blattlaus-Problem war gelöst.

Aber auch sonnenliebenden Pflanzen kann es im Sommer auf einem Südbalkon zu heiß werden. Dann gilt es vor allem in Mietwohnungen zu klären, ob für die Verankerung eines Sonnensegels Löcher in die Wand gebohrt werden dürfen, so Öhlenbach. „Nicht, dass versehentlich die Wanddämmung durchlöchert wird.“ Auch über die Statik des Balkons sollte man sich informieren, denn große Gefäße mit feuchter Erde bringen einiges auf die Waage.

Warum gute Erde entscheidend ist

Wegen des Gewichts rät Andrea Heistinger von Mutterboden ab: „Je nach Beschaffenheit wiegt dieser etwa eine Tonne pro Kubikmeter. Das wird schnell zu schwer.“ Gärtnerische Einheitserde ist leichter. Die günstigen Sorten taugen laut Heistinger nur für ein Jahr, da sie schon nach wenigen Monaten zusammensacken. Die Erde ist dann nur noch oberflächlich durchlüftet.

Pflanzen brauchen jedoch Erde, die zu etwa 25 Prozent aus Luft besteht, damit sie auch über die Wurzeln atmen können. Verdichtete Erde führt dazu, dass die Pflanzen nur in den oberen Erdschichten Wurzeln bilden. Die Pflanzen können weniger Nährstoffe und Wasser aufnehmen, wachsen langsamer und tragen nicht so viele Früchte.

Daher verwendet Andrea Heistinger hochwertige Trogerde mit einem hohen Anteil an mineralischem Substrat, wie etwa Bims, Lava oder Ziegelsplitt, das für eine gute Belüftung der Erde sorgt. Diese Erde kann immer wieder verwendet werden. Sie sollte nur ausreichend gedüngt werden, zum Beispiel mit Schafwollpellets oder Wurmkompost. 

„Das rechnet sich nach einigen Jahren und hat den Vorteil, dass man die Erde nur einmal hochschleppen muss“, sagt Andrea Heistinger. Bleibt die Erde im Topf, ist es wichtig, nicht jedes Jahr die gleiche Pflanzenart in einem Gefäß zu ziehen. Mit Blick auf Umwelt- und Klimaschutz empfiehlt Melanie Öhlenbach torffreie Bio-Erde.

Pflanzgefäße – tief und voluminös

Melanie Öhlenbach wählt möglichst große Kästen, in denen sie auch Mischkulturen wie Tomaten, Salat und Basilikum anbaut. Dabei setzt sie vor allem auf rechteckige Gefäße, um den begrenzten Platz optimal auszunutzen. Gern verwendet sie etwa Holzkisten vom Wochenmarkt oder aus dem Bioladen, in denen Obst und Gemüse angeliefert wurde: „Die verrotten zwar mit der Zeit, aber man bekommt sie für ein Dankeschön.“

Möglichst 50 bis 60 Zentimeter hoch sind die Pflanzgefäße auf Andrea Heistingers Balkon, dabei aber nur etwa 30 Zentimeter breit. So brauchen sie wenig Platz und bieten dennoch einen großen Wurzelraum. Denn die beste Erde führt nicht zu kräftigen Pflanzen, wenn es zu wenig ist. Ist das Erdvolumen zu klein, kann es nicht ausreichend Wasser und Nährstoffe speichern.

Von dunklen Gefäßen sollten Balkongärtnerinnen die Finger lassen, sagt Andrea Heistinger. Sie heizen sich an sonnigen Tagen zu leicht auf.

Der Balkon – ein Extremstandort

Auf einem Südbalkon kann die Temperatur im Sommer leicht über 40 Grad Celsius steigen. Dann wird es selbst Tomaten und Auberginen zu heiß. Sie bekommen Brennflecken und stellen bei mehr als 45 Grad Celsius das Wachstum ein – wie praktisch alle Pflanzen. 

Da dunkle Farben Wärme absorbieren, findet Andrea Heistinger schwarze oder dunkelbraune Holzverkleidungen im Balkongarten fehl am Platz. Stattdessen sollte man eine Beschattungsmöglichkeit schaffen.

Was im Sommer extrem werden kann, bietet im Winter eine geschützte Lage. So können etwa mediterrane Gewürze, wie Zitronenverbene oder Rosmarin, gut auf dem Balkon überwintern.

Pflanzenauswahl für den Balkon

„Ich mag Pflanzen, die schön aussehen, die ich essen kann und die was für Insekten bieten“, sagt Melanie Öhlenbach. Dazu zählen Kräuter, wie Schnittlauch, Thymian und Salbei, aber auch Obst. Von Blaubeeren, Himbeeren und Brombeeren gebe es kompakte Züchtungen, die gut in großen Kübeln wachsen. 

Bei Blumen setzt die Balkongärtnerin auf eine Mischung aus heimischen Stauden und einjährigen Pflanzen, die sie aussamen lässt. „Im Frühling gucke ich immer zuerst, was von allein wächst.“

Stumpfe oder kugelige Möhren-Sorten seien für Kübel besonders geeignet. Radieschen, Schnittsalat und Rucola gedeihen in Balkonkästen ausgezeichnet. Auch Tomaten lassen sich gut auf dem Balkon ziehen. Vor allem mit Cocktail- oder Cherrytomaten hat die Buchautorin gute Erfahrungen gemacht.

Duftende Pflanzen wie der Muskatellersalbei gehören für Andrea Heistinger unbedingt auf den Balkon: „Es ist so herrlich, wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag auf meinem Balkon in einer Duftwolke sitze.“

© dpa-infocom, dpa:260513-930-77788/1


Von dpa
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