Sind die Bäume in der Allee des Bad Windsheimer Kurparks gefährdet? Experten hatten Alarm geschlagen, weshalb sich Vertreterinnen und Vertreter des Bad Windsheimer Stadtrates am Donnerstag eine Stunde vor der letzten Sitzung der Amtsperiode zu einem Rundgang trafen. Im Zentrum stand vor allem eines: für den Baumschutz sensibilisieren.
Im nördlichen Teil des Kurparks sind derzeit zahlreiche Bauarbeiter und Bagger zugange, um die Wege im Zuge der Arbeiten für die Landesgartenschau (LGS) 2027 zu sanieren. Seitens der Baum-Experten hieß es nun, dass durch die erheblichen Eingriffe im Wurzelbereich, Verletzungen entstehen, die dazu führen könnten, dass die Bäume in ein paar Jahren absterben. Ein Treffen mit Mitgliedern des Stadtrates wurde anberaumt.
Stadtgärtner Tobias Schmidt und Stadtförster Sven Finnberg waren dabei, ebenso Thomas Veit, der von 1997 bis 2007 im Stadtforst-Team wirkte. Er war außerdem Bad Windsheims erster Baumpfleger und arbeitete in dieser Position von 2007 bis 2013. Heute ist er als selbstständiger Baumpfleger tätig. Finnberg holte ihn ins Boot, weil er Veits Expertise auch heute noch schätzt. Veit wiederum hatte Christoph Rummel, Fachagrarwirt für Baumpflege, als weitere Unterstützung zu dem Ortstermin mitgenommen.
Seitens der LGS übernehmen der Baumsachverständige Johannes Pätzold und sein Team die Umweltbaubegleitung, die beim Rundgang mit den Räten aber nicht dabei waren. Wie Thomas Veit betonte, wolle er weder Pätzold noch die LGS diskreditieren oder in irgendeiner Form schlecht dastehen lassen. Die Bäume stehen für ihn im Fokus und für sie will er gerne sein Wissen teilen. Die LGS „ist eine super Sache für die Stadt und die Region”, betonen Veit und Finnberg unisono.
Baumschutz sei eine nachhaltige, langfristige Sache. Wichtig sei es, sich bei Baustellen im Vorfeld Gedanken und einen Plan zu machen. Im zweiten Schritt müsse dann dafür Sorge getragen werden, dass entsprechende Maßnahmen auch umgesetzt werden. „Das wollte ich heute den Räten nahe bringen”, erklärte Veit im Gespräch mit unserer Redaktion. Weil hier seine beruflichen Anfänge liegen, fühle er auch eine gewisse Verantwortung gegenüber der Stadt. Er wolle das „Bewusstsein für Bäume” in den Vordergrund stellen, dieses sei bei Baumaßnahmen noch wichtiger.
Erster Stopp der Gruppe war eine Baustelle der Stadtwerke – sie ist nicht im Zuge der LGS entstanden – bei der AWO-Klinik Zur Solequelle. Wie Veit erklärte, spreche man bei einem Durchmesser von zwei bis fünf Zentimetern von Grobwurzeln und ab fünf Zentimetern von Starkwurzeln. Die ersten Wurzeln sind 15 bis 20 Zentimeter unter dem Boden zu finden, das sei im ganzen Kurpark so. „Diese Wurzeln sind essenziell.”
Wurzeln unter zwei Zentimetern könnten, wenn nötig, gekappt werden, müssten dann aber mit einem Wundverschlussmittel versorgt werden. „Jede Verletzung führt zu einer Einfaulung, was die Gesamtlebenserwartung des Baumes reduziert.” Hier, beim ersten Stopp, seien schon Schäden zu erkennen, wenngleich klar sei, dass man bei einer Baumaßnahme „irgendwie arbeiten muss”. Das Material, mit dem die freien Wurzeln abgedeckt sind, sei nicht ideal, so Veit. Ein dickmaschigeres Fließ wäre besser und der Bereich müsse feucht gehalten werden.
Die Bäume können im Kurpark aufgrund von Gips nicht in die Tiefe gehen, betonte zudem Finnberg. „Sie müssen also flach ausstreichen.” Sehe man Wurzeln, die nach oben ragen, wisse man, dass darunter eine Kalkplatte sein muss, ergänzte Schmidt. „Die Natur zeigt es uns eigentlich.”
In der Allee sei die Frage, inwieweit die Wurzeln, die für die Bäume essenziell sind, beim Pflastern im Boden bleiben können, meinte Veit. Anders wäre das bei einem wassergebundenen Ausbau. Auch die LGS-Verantwortlichen wollen, dass die Wurzeln möglichst wenig verletzt werden, betonte Schmidt. An einer Stelle, an der der Belag schon entfernt worden war, wurde ersichtlich, dass die Wurzeln dort direkt drunterliegen, so Veit. Tief unten sei man an dieser Stelle nicht, „15 Zentimeter maximal”. Das Pflaster müsse auf dieser Höhe verlegt werden, rechts und links müsste man anpirschen. Denn wichtig ist Schmidt, dass die Stadtgärtnerei weiterhin gut mähen kann – auch, wenn der Weg höher liegt.
Fähnchen zeigen zudem, wo Schnittmaßnahmen an den Wurzeln erledigt wurden. Alles werde dokumentiert und für die Zukunft festgehalten.
Mit der Baufirma und dem Bauleiter sei man stets im Austausch, betonte Schmidt. Hatte man Anmerkungen, wurde darauf bemüht eingegangen. Annemarie Bruckert (Grüne) stellte die grundsätzliche Frage: Ist es Aufgabe der Stadtgärtnerei, die Arbeiten zu begleiten und ein Auge darauf zu haben? Sei das nicht Aufgabe des Baumsachverständigen? Zwei Personen seien seitens der Umweltbaubegleitung bei den Arbeiten vor Ort dabei, erklärte Schmidt. Einer sei mit dem Freiblasen von Wurzeln beschäftigt. Wenn aber an vielen Stellen gebaggert wird, dann müsse man sich quasi zerteilen. „Die geben schon ihr Bestes.”
Wie Alexandra Horst, zweite Bürgermeisterin, erklärte, soll es demnächst einen Termin mit LGS-Geschäftsführer Rüdiger Eckardt und dessen Fachleuten geben, um sich dem Thema rund um die Bäume nochmal gemeinsam anzunehmen.