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Veröffentlicht am 05.06.2024 12:00

Sorge um die Schönheit des Uehlfelder Weilers Gottesgab

Idyllische Motive gibt es rund um den Uehlfelder Ort Gottesgab zur Genüge – kein Wunder also, dass der Weiler bei Wanderern und Fotografen beliebt ist. (Archivfoto: Johann Schmidt)
Idyllische Motive gibt es rund um den Uehlfelder Ort Gottesgab zur Genüge – kein Wunder also, dass der Weiler bei Wanderern und Fotografen beliebt ist. (Archivfoto: Johann Schmidt)
Idyllische Motive gibt es rund um den Uehlfelder Ort Gottesgab zur Genüge – kein Wunder also, dass der Weiler bei Wanderern und Fotografen beliebt ist. (Archivfoto: Johann Schmidt)

Der Uehlfelder SPD-Gemeinderat Udo Schmidt sorgt sich um die Zukunft des Weilers Gottesgab. Ist dessen Schönheit und einzigartige Atmosphäre durch Bausünden gefährdet? Schmidt findet ja, die Anwohnerinnen und Anwohner sehen es anders. Sie plädieren an die Räte, seinen Antrag abzulehnen. Die Bürger wollen lieber selbst „neue Schritte wagen“.

Eigentlich war in der jüngsten Uehlfelder Ratssitzung nur ein Bauantrag aus Gottesgab auf der Tagesordnung gestanden. Eine Grundsatzdiskussion gab es aber über einen Antrag von Ratsmitglied Udo Schmidt – er fordert, „über dem gesamten Ortsteil Gottesgab ein Veränderungsverbot, bis zur Erstellung eines Bebauungsplans zum optimalen Schutz des Kleinods Gottesgab, zu erteilen“. Darüber war bereits eifrig diskutiert worden, eine Entscheidung über den Antrag wird aber erst in der nächsten Ratssitzung gefällt.

„Es ist schön, hier zu wohnen“

Auf den Zeitungsartikel meldeten sich nun Grundstückseigentümer, Vorstandsmitglieder der Teilnehmergemeinschaft für die Dorferneuerung und Vertreter der Interessengemeinschaft „Das Kleinod bewahren“ mit einer gemeinsamen Stellungnahme an Bürgermeister Detlef Genz und die Räte zu Wort. Darin heißt es: „Wir freuen uns sehr, dass unsere Eingaben und die Entscheidungen von 2023 fruchten und die Bewohner, Besucher und Gäste Gottesgabs in großer Mehrheit übereinstimmen: ,Es ist schön, hier zu wohnen, und es ist toll, hierher zu kommen und Uehlfeld und seine Umgebung zu besuchen.‘ Uehlfeld und Gottesgab sind bekannter als je zuvor.“

Über Schmidts Antrag zeigen sich die Gottesgaber allerdings sehr verwundert. Denn eigentlich, so steht in besagtem Brief, gebe es etwas Ähnliches bereits: „Auf die Tatsache, dass bereits mit der Satzung über die Lückenfüllung im Gemeindeteil Gottesgab des Marktes Uehlfeld vom 18. November 1993 engste Bebauungslinien in Gottesgab gezogen worden sind und lediglich mit der ersten Änderung der Außenbereichssatzung Gottesgab (2013) eine Erweiterung durch den Gemeinderat bewirkt worden ist, möchten wir hinweisen, da dies dem Autor anscheinend versehentlich entgangen ist.“

2023 gab es bereits ein Bürgerbegehren gegen eine Freiflächen-PV-Anlage

Udo Schmidt hatte in seinem Antrag auch Passagen aus dem früheren Offenen Brief der IG und des Bürgerbegehrens zitiert, die seinerzeit gegen eine Freiflächenphotovoltaik-Anlage zwischen Voggendorf und Gottesgab gekämpft hatten – letztlich mit Erfolg. Die Gottesgaber schreiben: „Auf Wiedergabefehler unserer Schreiben von 2023 (Offener Brief und Stellungnahme) im genannten Antrag möchten wir beiläufig und hier nur am Rande hinweisen.“

Auch ärgern sich die Verfasser des Schriftstücks über die Äußerung von Vize-Bürgermeister Gerhard Winkler (Grüne). Dieser hatte den PV-Gegnern „Scheinheiligkeit“ vorgeworfen. Es sei nur darum gegangen, mit fadenscheinigen Argumenten das Projekt für nachhaltige Energie zu verhindern. Diese Äußerung sei „bedauernswert“ – „es ist einfach nur traurig, wenn hier die engagierten Vertreter des Bürgerbegehrens und mit dazu die gesamte Einwohnerschaft Gottesgabs als ,scheinheilig‘ tituliert werden und so all das im letzten Jahr gemeinsam für die hiesige Tier- und Pflanzenwelt, ja das für ganz Uehlfeld und Gottesgab Erreichte erneut attackiert wird, anstatt endlich miteinander den Blick nach vorne zu richten“.

Vogelfreunde und Wanderer sind Gäste

Bernd Schärig von der Interessengemeinschaft Gottesgab sieht jedenfalls durch zahlreiche Presseberichte den Tourismus gestärkt: „Wir sehen das Thema nicht allein isoliert und zentriert auf Gottesgab, sondern auch auf seine Wirkung für den Gesamtort und den ganzen unteren Aischgrund. So waren auch zuletzt vor Ort wieder zahlreiche Besucher und Wanderer, ausgestattet mit vollen Rucksäcken, aber auch mit Ferngläsern und weiterem Hightech-Foto-Equipment, um möglichst viele Eindrücke mit nach Hause zu nehmen. Also: Warum in die Ferne schweifen? Das hat es – unseres Erachtens – bei uns so noch nicht gegeben.“

Entsprechend bitten die Anwohnerinnen und Anwohner die Uehlfelder Räte eindringlich, Udo Schmidts Antrag abzulehnen „und zusammen mit den Bürgern neue Schritte zu wagen, damit die noch vielen Möglichkeiten zur Optimierung genutzt werden“. Sie wollen jedenfalls weiterhin „vertrauensvoll“ mit dem Gemeinderat zusammenarbeiten. Das Klappern der Störche, die idyllische Landschaft und die Weiher im Sonnenuntergang: Ja, Gottesgab hat einiges zu bieten.

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