Störche überwintern in der Region: Was Tierfreunde wissen müssen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 26.12.2023 08:00

Störche überwintern in der Region: Was Tierfreunde wissen müssen

Winterstörche sind oft bei Ipsheim zu beobachten. Den Großvögeln macht die Kälte weniger aus als beispielsweise einem Rotkehlchen. (Foto: Erwin Taube)
Winterstörche sind oft bei Ipsheim zu beobachten. Den Großvögeln macht die Kälte weniger aus als beispielsweise einem Rotkehlchen. (Foto: Erwin Taube)
Winterstörche sind oft bei Ipsheim zu beobachten. Den Großvögeln macht die Kälte weniger aus als beispielsweise einem Rotkehlchen. (Foto: Erwin Taube)

Längst ziehen nicht mehr alle Zugvögel im Herbst nach Süden. Doch wie überleben die Tiere die Kälte? Und können Menschen helfen?

Der Weißstorch ist eigentlich ein typischer Zugvogel. Den Winter verbringt er wegen Nahrungsmangels in Afrika. Als segelnder Vogel meidet er das offene Meer. Als Westzieher wählt er die Meeresenge von Gibraltar oder als Ostzieher den Bosporus und einen schmalen Streifen durch Israel, um nach Afrika zu gelangen.

Vor allem die Westzieher, die in weiten Teilen Bayerns, beheimatet sind, haben jedoch schon seit einigen Jahren herausgefunden, dass es sich auch in Spanien überwintern lässt. Und einige unter ihnen verbringen den Winter mittlerweile sogar im Brutgebiet, so auch in Franken.

Sie versammeln sich meist in größeren Trupps, wobei schon bis zu 60 Tiere gezählt wurden. Viele Menschen sorgen sich um die Vögel, ob sie genügend Nahrung finden und die Kälte bei tieferen Temperaturen überstehen. Diese Sorgen sind glücklicherweise unbegründet.

Regenwürmer, kleine Fische und Egel als Nahrung

Als Großvogel macht dem Storch Kälte weniger aus als Kleinvögeln wie Rotkehlchen oder Meisen. Denn er kann die Wärme besser speichern. Außerdem kommt er im Gegensatz zu manch anderem Vogel mehrere Tage ohne Nahrung aus.

Eine Schleiereule, die das ganze Jahr in Deutschland verbringt, verhungert bereits nach zwei bis drei Tagen ohne Nahrung. Deshalb ist es wichtig, vor allem bei hoher Schneelage, dass Scheunen eine Öffnung haben, damit sie Mäuse – ihre Hauptbeute – erreichen können. Die Störche finden hingegen derzeit genügend Nahrung, wie Regenwürmer, kleine Fische und Egel.

Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim leben seit jeher besonders viele Störche. Dort sind sie ständig in größerer Anzahl auf der Deponie bei Dettendorf, auf der Suche nach Fressbarem, anzutreffen. Auch Mäuse, ein willkommener Magenfüller, werden gern erbeutet. Deren Population befindet sich zur Zeit auf dem Höhepunkt. Das wellenartige Auf und Ab über Jahre bei der Mausdichte funktioniert ohne Einwirkung des Menschen.

Deshalb sollte nach Möglichkeit auf den Einsatz von Rodentiziden, Mittel zur Mäusebekämpfung, verzichtet werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass Vögel, wie der Storch, aber auch Tag- und Nachtgreifvögel, beim Verzehr vergifteter Mäuse zugrunde gingen.

Fast alle Brutstörche mit Ring konnten im Frühjahr und Sommer im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim erfasst werden. Das Ablesen im Winter ist weitaus schwieriger.

Sie übernachten still auf höhen Dächern

Zwar übernachten die Vögel meist auf hohen Gebäuden, wie in Neustadt auf den Dächern der Evangelischen Kirche oder der Berufsschule, und stehen dort ziemlich still. Doch da sie abends meist relativ spät erscheinen und in der Frühe zeitig aufbrechen, gibt es nur ein kurzes Zeitfenster, um Buchstaben und Zahlen zu erkennen.

Im Feld – das heißt, wenn eine Storchenansammlung auf der Wiese oder einem Acker steht – ist es oft zu weit, um trotz Spektiv oder eines Teleobjektives aus dem Auto heraus die Ringnummer zu identifizieren.

Trotzdem gelangen einige Ablesungen, unter anderem als eine größere Storchengesellschaft im vergangenen Winter Bad Windsheim einen Besuch abstattete und dort bis in die Mittagstunden auf den Dächern der Altstadt für Aufsehen sorgte. In der Regel halten sich die Tiere ab Neustadt im unteren Aischgrund auf. Bis jetzt verbringt nur ein kleiner Teil der Brutstörche den Winter hier.

Die Horste bleiben im Winter unbelegt

Ein langjähriger Winterstorch, welcher in Gutenstetten brütete, wurde diesen Herbst, tieffliegend, von einem Auto erfasst und tödlich verletzt.

Bereits im Februar kehren die ersten Zugstörche zurück. Wenn bis dann die Nummer eines Ringstorches nicht bekannt ist, kann nicht mehr zwischen Winter- oder Zugstorch unterschieden werden. Unklar ist die Frage, warum Störche überhaupt hierbleiben. Sind es die milderen Winter mit besseren Nahrungsbedingungen, auch auf Müllkippen? Bekannt ist, dass Weißstörche und deren Nachkommen aus ehemaligen Zucht - und Pflegestationen den Drang zum Zug verloren haben.

Nach wie vor gilt aber: Den Winter über sind von den Brutstörchen seit einigen Jahren so gut wie keine Horste belegt. Das Schauerheimer Paar, beides langjährige Winterstörche, war eine Ausnahme. Dieses kehrte bis zum Winter 2020/2021 jeden Abend auf den Horst zurück.

Im Frühjahr 2021 lag das Weibchen eines Tages tot unter dem Horst – Ursache unbekannt. Das Männchen blieb auch im folgenden Winter da, schloss sich anderen Störchen an und kommt seitdem abends nicht mehr auf seinen Horst, sondern übernachtet in Gesellschaft.


Von Erwin Taube
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