Auf dem Innovationscampus der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) in Merkendorf (Landkreis Ansbach) arbeitet jetzt ein KI-Server. Der Supercomputer kann gewaltige Datenmengen verarbeiten und ermöglicht damit die verstärkte Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Forschung und Lehre.
Prof. Dr. Patrick Noack muss eine Art Tresor in der Größe eines Wandschranks öffnen, um den Computer vorführen zu können. Insgesamt 638.000 Euro wurden in den KI-Server und sein Gegenstück in Freising investiert. Noack ist Leiter des Kompetenzzentrums für digitale Agrarwirtschaft (KoDA) an der HSWT.
Am Montag wurde die offizielle Einweihung des Servers gefeiert, zu der Dr. Michael Krappmann, Geschäftsführer des Zentrums für Forschung und Wissenstransfer, die Gäste begrüßte. Die neue KI-Infrastruktur sei ein bedeutender Schritt für die Zukunft der Hochschule, sagte er. Sie sei beispielhaft für die Zusammenarbeit von Technologie und Wissenschaft. Künstliche Intelligenz werde die landwirtschaftliche Praxis auf ein neues Niveau heben. Sie helfe Landwirten dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen.
„Landwirtschaft ist ein Zukunftsthema“, ergänzte der CSU-Bundestagsabgeordnete Artur Auernhammer. Die Digitalisierung werde die Landwirtschaft stärker verändern als der Schritt vom Pferd zum Traktor. „Wenn wir so weitermachen, entsteht hier das Silicon Valley der Landwirtschaft der Zukunft“, sagte der Abgeordnete zu den Projekten in den benachbarten Orten Triesdorf und Merkendorf. Er sicherte seine Unterstützung zu, um „KI aufs Feld zu bringen“.
Professor Noack stellte die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz und des neuen KI-Servers speziell vor. Als Beispiel nannte er die Analyse von sehr großen Luftbildern zur Erkennung von Bärenklau.
Bisher habe man mit Modellierungen gearbeitet. Mit Hilfe einer Formel habe man Eigenschaften auf der Grundlage von Informationen zum Beispiel zum Wetter oder zu Nährstoffen berechnet. Diese seien in einem jahrelangen Prozess überprüft worden, bis das Modell realitätsnah war.
Im Moment werde KI-getriebene Forschung in erster Linie von Firmen wie Google und Amazon, aber auch von Bayer und BASF betrieben. Hier dauere es nur Monate, bis Ergebnisse vorliegen. Allerdings bestehe bei der Nutzung von KI die Gefahr, dass Korrelationen fälschlich für kausale Zusammenhänge gehalten werden.
„Maschinelles Lernen leistet viel, wenn es mehrere Einflussgrößen und hohe Datenmengen gibt“, erklärte er am Beispiel der Frage, wovon der Ertrag abhängt. Allerdings hänge die Qualität der Ergebnisse von der Qualität und Richtigkeit der erfassten Daten ab. Ein anderes Einsatzfeld seien Mähdrescher, die bereits bei der Ernte den Proteingehalt des Weizens messen können.
Auch für den Erhalt der Artenvielfalt ist Künstliche Intelligenz hilfreich. Sie ermöglicht es, Insekten automatisiert zu zählen und zu erkennen. Im Endeffekt könnte man künftig „Ergebnisse fördern statt Maßnahmen“, wie es heute noch üblich ist. Aber: „KI ist nicht immer die beste Methode und vor allem nicht die Lösung aller Probleme“, sagte der Professor. Die Nutzung von ChatGPT bei der Pflanzenbauberatung zum Pflanzenschutz habe „nicht gut geklappt“. Deshalb sei ein kritischer Umgang mit der KI nötig.