Tablet schon bei den Jüngsten? Kita St. Stilla in Wolframs-Eschenbach macht es vor | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.11.2025 10:00

Tablet schon bei den Jüngsten? Kita St. Stilla in Wolframs-Eschenbach macht es vor

Johann Seitz, Katharina Weinmann und Saskia Gritzmann möchten die Kinder sinnvoll an digitale Medien heranführen. (Foto: Antonia Müller)
Johann Seitz, Katharina Weinmann und Saskia Gritzmann möchten die Kinder sinnvoll an digitale Medien heranführen. (Foto: Antonia Müller)
Johann Seitz, Katharina Weinmann und Saskia Gritzmann möchten die Kinder sinnvoll an digitale Medien heranführen. (Foto: Antonia Müller)

Kinder stecken ihre Köpfe über einem Bildschirm zusammen, wischen aufgeregt hin und her. Was in vielen Schulklassen schon ein gewohntes Bild ist, klingt für Kitas fast abwegig. In der Kita St. Stilla in Wolframs-Eschenbach soll aber bald jede Gruppe ihr eigenes Tablet haben. Dafür machen vier Erzieherinnen eine Fortbildung.

„Ich glaube, man muss frühzeitig damit anfangen”, ist Katharina Weinmann überzeugt. Sie ist die stellvertretende Leiterin der Krippe und nimmt an der Weiterbildung teil. Dort lernen sie und ihre Kolleginnen, wie man die Kinder pädagogisch an digitale Geräte heranführen kann.

Kontakt haben die Kinder ohnehin schon dazu. „Die wissen ganz genau, wohin sie wischen müssen”, sagt Krippenleiterin Sasika Gritzmann. Im Kindergarten bei den Älteren ist das nicht anders, erzählt Kindergartenleiterin Susanne Hörber. Es geht also nicht darum, ihnen die Geräte überhaupt vorzustellen, sondern einen sinnvollen und sicheren Umgang damit beizubringen.

Memory mit selbst aufgenommenen Motiven

Spielen werden die Kinder weiterhin mit Puppen, Bausteinen oder mit Sand im Garten, betonen die Verantwortlichen. Die Tablets sollen das Angebot erweitern. Die Kinder dürfen dann mit Fotos, Audio und Video experimentieren, erklärt Weinmann.

Das kann also bedeuten, dass die Kinder bei einem Waldspaziergang Frucht, Blatt und Stamm verschiedener Baumarten fotografieren. Daraus entsteht dann ein Memory, dass direkt in der Gruppe ausprobiert wird.

Ein weiteres Beispiel: Die Kinder säen gemeinsam Kresse an. Mit der Kamera wird der Prozess aufgenommen und im Anschluss ein Zeitraffer-Video erstellt. So können die Mädchen und Jungen auch sehen, was übers Wochenende mit ihren Pflänzchen passiert ist. Sie kennen dann den kompletten Weg vom Samen bis zum belegten Brot.

Diese und viele weitere Ideen bekommt Waldmann bei der Fortbildung. Dazu gehören Auftakt- und Abschlussveranstaltung sowie einige Seminartage und eine Praxisphase, in der ein Coach direkt in die Kita kommt. Waldmann und ihre Kolleginnen fahren für die Schulungstage nach Weißenburg. Weder in der Stadt noch im Landkreis Ansbach ist nämlich eine Gruppe zusammengegangen.

Keine weiteren Kitas im Landkreis Ansbach

Die Kampagne wird veranstaltet vom Bayerischen Familienministerium sowie vom Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz. Schon zum fünften Mal gibt es die Möglichkeit. Haben also schon alle anderen Kitas mitgemacht? Wohl eher nicht. „Aufgrund fehlender freier Kapazitäten konnte die Veranstaltung im Landkreis Ansbach bisher leider nicht organisiert werden”, schreibt Josephine Georgi von der Pressestelle des Landkreises. Anfragen aus den Einrichtungen habe es auch nur „im niedrigen einstelligen Bereich” gegeben.

In der Stadt Ansbach haben im ersten Kampagnenjahr neun Kitas teilgenommen, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Danach ist keine Runde mehr zustande gekommen. Zum Vergleich: Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim machen dieses Jahr 17 Einrichtungen mit.

Spezielle Einstellungen und Regleln

Zurück nach Wolframs-Eschenbach: Weinmann und ihre Kolleginnen bringen die Inspiration mit in die Teammeetings. Unter den Mitarbeitenden herrschte zunächst etwas Skepsis. Nicht alle waren sofort begeistert von den Plänen. Damit sich alle wohlfühlen, werden gemeinsam Regeln für den Umgang mit den Tablets aufgestellt. Zum Beispiel könnte es Zeit-Gutscheine, Limits oder bestimmte Tablet-Tage geben. Fest steht bereits, dass niemals ein Kind allein auf den Bildschirm schauen soll. So soll sich niemand isolieren können und die Kinder müssen immer absprechen, was sie als Nächstes machen. Sie lernen also parallel, Kompromisse zu schließen.

Die Geräte sind immer im gesicherten Modus, sodass die Kinder nicht einfach ins Internet kommen, betont Weinmann. Social Media spielt gar keine Rolle, auch Spiele sind ein absolutes Tabu.

Träger übernimmt die Kosten für Anschaffung

Johann Seitz, Kirchenpfleger vom Träger der katholischen Pfarrkirchenstiftung Wolframs-Eschenbach, lobt den Einsatz der Fachkräfte sehr: Sie seien immer bereit, sich weiterzuentwickeln und mit der Zeit zu gehen. Für ihn ist es selbstverständlich, den Umgang mit digitalen Medien auch schon früh einzustudieren. Er hat sich deshalb auch für die Anschaffung der zusätzlichen Tablets stark gemacht – knapp 600 Euro kostet eines.

Wenn die Geräte für alle Gruppen vorbereitet und eingerichtet sind, kann es bald losgehen. Welche kindesgerechten Anwendungen auf die Wolframs-Eschenbacher Tablets kommen, entscheiden die Erzieherinnen noch. Das Team rechnet damit, dass die ersten Projekte in den Gruppen Anfang 2026 starten können. Dann wird sich alles nach und nach ergeben. „Wir müssen uns alle erst einmal einlernen” sagt Susanne Hörber mit Blick auf die Mitarbeitenden und die Kinder.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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