150 Quadratmeter. So groß darf ein digitaler Kleinstsupermarkt mit 24-Stunden-Öffnung ab Ende Januar maximal sein. Zumindest, wenn es nach dem Entwurf für das Bayerische Ladenschlussgesetz geht. Um wieder allen Kunden unbeschränkt Zugang gewähren zu können, wurde die Verkaufsfläche im Bruckberger Tante-Enso-Laden künstlich verkleinert.
In den vergangenen Wochen konnten nur noch Bürger, die einen Genossenschaftsanteil erworben hatten, mit ihrer Kundenkarte sieben Tage die Woche, rund um die Uhr einkaufen. Alle anderen hatten nur noch zu den regulären Öffnungszeiten von 6 bis 20 Uhr Zutritt. Diesen Schritt war die Enso eCommerce GmbH gegangen, um nicht gegen die Gesetze zu verstoßen.
Nun wurden Trennwände in Form von seitlich ausziehbaren Roll-Läden eingerichtet. Damit ist ein Teil der Regale ab sofort nach 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen nicht mehr zugänglich. Die Maßnahme macht es möglich, dass wieder alle zeitlich unbegrenzt einkaufen können – zumindest die meisten Produkte.
Wie aber hat man ausgewählt, welcher Teil des Sortiments weggesperrt wird? „Wir haben die Abtrennung nicht nach einer Produktauswahl vorgenommen, sondern nach der Begehbarkeit“, informiert Jessica Renziehausen von der Unternehmenskommunikation der Enso-Gruppe. In der Praxis bedeutet dies, der hintere Teil des Ladens kann nach 20 Uhr nicht mehr betreten werden, denn dann sind die Jalousien vorgezogen. Nicht mehr verfügbar sind dann zum Beispiel Nudeln, Pesto, Oliven oder Mehl von einigen Marken.
Komplett auf bestimmte Nahrungsmittel sollen die Einkäufer nicht verzichten müssen. Deshalb wird eine kleine Produkt-Auswahl aus dem abgesperrten Bereich in Roll-Regalen vor der Absperrung präsentiert. Das heißt: Es stehen zwar nicht mehr sämtliche Nudelsaucen zur Verfügung, aber zumindest noch eine Marke. Auf der Wünsche-Tafel können die Kunden auch notieren, welche Produkte unbedingt immer greifbar sein sollten.
Die Bewohnervertretung von Diakoneo Wohnen Bruckberg hat zusammen mit den Leitungskräften ein Schreiben verfasst und an Bürgermeisterin Ursula Weiß übergeben. Darin wird betont, dass gerade die Größe des Ladens mit den breiten Gängen auch Bewohnern im Rollstuhl oder mit Rollator das Einkaufen ermöglicht. „Wenn sich die Ladengröße verkleinern muss, so haben vor allem Menschen mit körperlichen Einschränkungen Probleme beim Einkaufen.“
Der Brief soll zusammen mit einer Petition, in der eine Ausnahme von der Begrenzung gefordert wird, demnächst in München an den Bayerischen Landtag übergeben werden. Gestartet hatte die Petition das Bündnis zur Stärkung und Aufrechterhaltung der ländlichen Versorgung in Bayern, bei dem auch die Gemeinde Bruckberg Mitglied ist.
Online unterzeichneten laut Renziehausen bis zum 20. Januar über 15.000 Bürger. Hinzu kommen noch die Unterschriften der Listen, die in den Läden ausgelegt waren. „Wir hoffen, dass wir die Abtrennung irgendwann wieder abbauen können“, machte Ursula Weiß deutlich. „Aber das Wichtigste ist, dass wir den Laden behalten.“
Die Befürchtung, dass die Enso-Gruppe die Läden in Bayern aufgibt, weil sie sich wegen der gesetzlichen Hürden möglicherweise nicht mehr rentieren, ist nicht unberechtigt. „Wir möchten uns auf gar keinen Fall zurückziehen. Wir hoffen, dass wir eine Lösung finden“, sagt Enso-Vertreterin Renziehausen.
Sie weist aber darauf hin, dass ihr Unternehmen schon durch die zwischenzeitliche Beschränkung der Öffnungszeiten 20 Prozent Umsatzeinbußen zu verzeichnen hat. In den Läden in Bruckberg und Frauenau (Landkreis Regen) müsse beobachtet werden, „wie sich die 150-Quadratmeter-Beschränkung weiter auf den Umsatz auswirkt“.
Die neue Hürde ist ein Wermutstropfen, denn eigentlich steht ein freudiges Ereignis an: Am Samstag, 1. Februar, feiert der Dorfladen sein einjähriges Bestehen. Dazu sind zwischen 9 und 12 Uhr Aktionen geplant, wie Rathauschefin Weiß erzählt. Die Gemeindeverwaltung schenkt Sekt mit und ohne Alkohol aus, Direktvermarkter bieten eine Verkostung an, und die Kunden dürfen am Enso-Glücksrad drehen.