Der Dorfladen in Langenfeld wird einen neuen Anker-Lieferanten bekommen. Wie bereits berichtet, gibt Tegut seine Geschäfte in ganz Deutschland auf. Aber das stellt für die Betreiber in Langenfeld kein Problem dar. Ein wenig Aufregung gab es aber doch.
Erst am Donnerstag wurden erste Weichen gestellt. „Am Mittwoch war der Informationsfluss des Schweizer Mutterkonzerns von Tegut eher dürftig”, sagte Anna Ebener, die zusammen mit Wolfgang Rückert die Geschäfte des Dorfladens führt. Der weilt derzeit im Urlaub, und so kümmerte sich die künftige Langenfelder Bürgermeisterin alleine um die Situation.
Kurz vor 12 Uhr mittags kam die erlösende Nachricht: Die Läden von Tegut wird entweder Edeka oder Rewe kaufen. Das Kartellamt habe hier noch einiges zu prüfen, so Ebener und fügte hinzu: „Wir befürchten nicht, dass wir schließen müssen, überhaupt nicht. Edeka oder Rewe wären jeweils ein toller Partner. Und von einem der beiden werden wir beliefert werden”, versicherte sie für Langenfeld. Dort kaufen auch viele Kunden aus der Umgebung, der Laden ist verkehrsgünstig gelegen.
Ein Neuanfang ist immer etwas Tolles.
Bürgermeister Reinhard Streng hatte vor der guten Nachricht große Zweifel geäußert, ob ein Hauptlieferant Langenfeld überhaupt ansteuern wird, weil der Laden im Bundesvergleich verhältnismäßig klein ist. Doch beim Verkauf des Tegut-Geschäfts werde kein Unterschied gemacht, ob der aktuelle Laden ein großer Supermarkt ist oder ein Lädchen im Franchise-System, worunter Langenfeld falle. Die Verhandlungen würden nun individuell laufen. „Für uns geht es nahtlos weiter”, betonte Ebener und fügte hinzu: „Ein Neuanfang ist immer etwas Tolles.”
Zehn Jahre habe die Unternehmergesellschaft (UG) in Langenfeld mit der ursprünglich anthroposophischen Firma Tegut zusammengearbeitet und sei auf dieses Alleinstellungsmerkmal in der Umgebung stolz gewesen.
Welche Entwicklung der Dorfladen in Langenfeld in mittlerer Zukunft nehmen wird, wird spannend. Dazu genüge es, drei Kilometer weiter zu schauen: nach Baudenbach, jenseits der Bundesstraße 8. Noch bevor dort der Dorfladen eröffnete, hatte Anna Ebener bei einem Rundgang geäußert, dass ein 24/7-Laden für Langenfeld wünschenswert wäre.
Baudenbach hat seinen Nahversorgungsladen bereits seit Juli 2025. Während der ganzen Öffnungszeiten Personal zu bekommen und zu bezahlen, ist offenbar nicht einfach auf dem Land – zumal, wenn der Hauptlieferant selbst nicht im grünen Bereich agiert. „Der Dorfladen ist wegen Problemen von Tegut seit etwa zwei Jahren nicht mehr auf seiner Spur, die schwarze Null zu erreichen”, sagte Streng. Diejenigen, die Langenfeld gut bedienen könnten, seien Rewe und Edeka. In Baudenbach heißt der Anker-Lieferant übrigens Rewe. Diesseits und jenseits der B8 beliefert auch eine Vielzahl von regionalen Produzenten den jeweiligen Dorfladen – vom geräucherten Fisch bis hin zu Molkerei-Produkten und Getränken.
Die Vielfalt eines großen Discounters dürfte auch dem Langenfelder Bürgermeister gefallen. Desillusioniert berichtete er gegenüber der FLZ von einem Besuch beim „Ausstatter nordbayerischer Dorfläden” vor nicht allzu langer Zeit. „Die haben weniger Sortiment als wir”, beklagte er. Der Langenfelder Dorfladen habe 7000 Artikel im Angebot, besagter Ausstatter nur 6000. Noch bis Jahresende werde Tegut Langenfeld beliefern, hieß es.
Trotz des künftigen Lieferanten Edeka oder Rewe war sowohl bei Ebener als auch bei Streng etwas Wehmut zu spüren, herrsche im aktuellen „Lädchen” doch ein besonderes Angebot. Ob diese Nostalgie erhalten bleibt, wird sich zeigen. In Baudenbach haben die Betreiberinnen ein schwarzes Brett für die Kunden aufgehängt. Da steht dann zum Beispiel, dass man dieses oder jenes Lebensmittel doch lieber in Bio-Qualität hätte. Nun bleiben die Verhandlungen zwischen den großen Konzernen und dem kleinen Dorf Langenfeld abzuwarten. Auch da gibt es keine Bedenken bei Anna Ebener: „Wir kennen unsere Kunden.”