Große und kleine Himmelsboten sind vorübergehend ins Post- und Heimatmuseum in Flachslanden eingezogen. Die über 600 Engel hat Maria Henninger aus Dietenhofen für eine Sonderausstellung zur Verfügung gestellt. Am ersten Adventssonntag wird die Schau eröffnet.
Manche bestehen aus Holz, Papier oder Metall, andere aus Porzellan, Glas oder sogar Schokolade. In den rund 25 Jahren, seit Maria Henninger angefangen hat, zu sammeln, ist die himmlische Schar enorm gewachsen. „Mich fasziniert, dass die meisten Engel weiblich sind”, erzählt die 71-Jährige. „Ganz selten habe ich männliche gesehen.” Ihr gefällt auch, dass die Figuren oft Musik machen und fast immer freundlich schauen.
Eins der ersten Sammlerstücke – ein Ensemble aus zwei Flöte spielenden Putten – hat ein Schnitzer aus Virnsberg angefertigt. Besonders am Herzen liegen Maria Henninger die Exemplare, „die wir von unseren Reisen mitgebracht haben”. Wenn sie mit ihrem Ehemann, Dietenhofens Altbürgermeister Heinz Henninger, in der großen weiten (oder auch mal der kleinen) Welt unterwegs ist, hält sie stets die Augen offen. „Dann schaue ich, wo ich einen Engel finde.”
Einen hat sie in Santiago gekauft, als das Paar auf dem Jakobsweg unterwegs war. Andere haben aus Griechenland, China, Namibia, Peru, Chile oder Mexiko nach Mittelfranken gefunden. Der Verkündigungsengel aus der Krippe stammt sogar direkt aus Bethlehem.
Oft sind die Figuren beeinflusst vom Land und der Kultur, aus der sie kommen: Manche tragen eine bestimmte Tracht, einige sind dunkelhäutig. Der finnische Engel sieht aus wie die Frau des Weihnachtsmanns, der Schweizer ist warm eingepackt und trägt Ohrenschützer, damit er nicht friert. Eine Figur hat die Sammlerin besonders gern: „Ich habe so einen kleinen aus Glas, der die Welt in der Hand hält. Der hat so eine Symbolkraft.”
Besonders originell sind einige der gebastelten Exemplare, die sie bekommen hat, darunter ein Zwetschgenmännchen-Engel, ein Cherub aus einem Kiefernzapfen oder überirdische Wesen mit Körpern aus Blumentöpfen. In der Nachbarschaft und im Freundeskreis ist eben bekannt, über welches Mitbringsel sich Maria Henninger besonders freut. Auch ihrem Mann erleichtert es das Schenken. Zum Geburtstag überreichte er ihr einmal eine musikalische Engel-Gruppe, die sich an der Orgel versammelt – weil sie selbst Organistin ist und auch den Landfrauenchor des Bauernverbandes leitet.
Ihre Engel seien so unterschiedlich wie die Menschen, stellt Maria Henninger fest: „Groß, klein, dick, dünn, schön, hässlich, kitschig, modern.” Manche sind sehr detailgetreu gestaltet, andere haben gar kein Gesicht. „Das ist sicher bewusst so gemacht, damit man sie ganz neutral sieht: Es könnte jeder sein.” Ob sie einen persönlichen Engel in ihrem Leben habe? „Ja, da steht er doch”, sagt sie sofort und zeigt auf ihren Mann. „Das habe ich jetzt aber nicht erwartet”, sagt der gerührt.
Daheim in Dietenhofen schmücken einige „Ganzjahresengel” das Haus auch in den wärmeren Monaten. Die anderen schlafen das Jahr über im Keller und bekommen ihren großen Auftritt erst in der Adventszeit. Weil ihr Glanz im Hause Henninger heuer doch etwas fehlt, endet der Ausflug ins Museum auch nach dem vierten Advent. Maria Henninger: „Die himmlischen Heerscharen wollen zu Weihnachten wieder heim.”
Zur Eröffnung der Sonderausstellung „Engel” im Heimat- und Postmuseum Flachslanden am 1. Advent gibt es Punsch und Weihnachtsgebäck. Außerdem können die Kinder an einem Quiz teilnehmen, teilt die zweite Vorsitzende des Heimatvereins, Johanna Wiegel, mit. Besichtigt werden kann die Ausstellung an allen Adventssonntagen. Das Museum am Marktplatz hat am 1. Advent von 13.30 Uhr bis etwa 16.30 Uhr geöffnet, an allen weiteren Sonntagen von 14 bis 16 Uhr. Gruppen können es nach Vereinbarung auch werktags besuchen. Anfragen nimmt das Bürgerbüro unter Telefon 09829/9111-0 oder per E-Mail an poststelle@flachslanden.de entgegen.