Üppige Inszenierung: „Die Schöne und das Biest” im Theater der Rangau-Klinik | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 02.11.2025 08:00

Üppige Inszenierung: „Die Schöne und das Biest” im Theater der Rangau-Klinik

Eine Neuauflage des bereits 2024 gezeigten Musicals „Die Schöne und das Biest“ gab es am Wochenende im Theater der Rangau-Klinik. Inszeniert vom Freundeskreis Theater und Kulturverein Burgoberbach zog sie viel Publikum an. Ein fulminantes Musical-Erlebnis feierte seine Wiederauferstehung.

Mit rund 60 Mitwirkenden ist dies eine wahrhaft üppige Inszenierung, auf die der Begriff „groß“ jedoch nicht zur zahlenmäßig zutrifft. Es ist wirklich eine große Leistung, was die Burgoberbacher da auf die Bühne gestellt haben. Eine hinreißende, bunte, lebhafte, bis ins Detail stimmige Aufführung, die bezaubert. Das Musical, einst als Walt-Disney-Zeichentrickfilm ein Welterfolg, wird allerorts viel gespielt. Die Bearbeitung durch den Burgoberbacher Freundeskreis muss keinen Vergleich scheuen – im Gegenteil: Sie kann Maßstäbe setzen.

Ein starkes Team steht dahinter. Die zwei Regisseurinnen Andrea Chalupnik und Liane Heller haben das große Ensemble bis in die kleinste Nebenrolle souverän geleitet. Tolle Massenszenen, wunderbare Tanzeinlagen, ergreifende Solo-Momente, geschickte Szenenwechsel entwickeln das mitreißende Plot, so dass kein Moment der Langeweile aufkommen kann.

Austauschbare Kulissen und große Garderobe

Choreographie, Bühnenaufbau, Kostüme, Maske wurde von mehrköpfigen Teams geleistet, die sichtbar Hand in Hand gearbeitet haben. Die Bühne verfügt über zwei austauschbare Kulissen, die das verwunschene Schloss des Biestes und das kuschelige Dörfchen Bellas darstellen. Die Kostüme orientieren sich an der märchenhaften Erzählung, die große Garderobe ist angelehnt an das Rokoko bis hin zum goldenen Kleid der Hauptdarstellerin (bezaubernd: Viviane Bolay) zum Schluss. Das Biest (eindrucksvoll: Oliver Büschert) mit seinen Widderhörnern, dem zotteligen Haar, dem wilden Brustbewuchs, der grimmigen Maske sieht in der Tat zum Fürchten aus.

Umso ergreifender, wenn sich dann die zarte Seele zeigt, die in dem Unwesen steckt. Der freche, überhebliche und zugleich dümmliche Gustav (fulminant: Maximilian Wöhrer) ist das männliche Gegenstück zum Ungeheuer. Ihm hat der schwächliche Vater (ergreifend: Dieter Voltin) nichts entgegenzusetzen.

Verführerisch und düster

Auch seinen beiden albernen, raffgierigen Töchtern Ilse und Grete (überzeugend nervig: Romy Kalkbrenner und Melanie Heller) nicht. Der Prinz (charmant-launig: Lorenz Vogler), der sich im Biest verbirgt, ist eigentlich nur Nebensache und changiert von böse zu liebenswert. Nicht zu vergessen die Fee (geheimnisvoll: Nicky Dlugosch) und die vielen Nebenfiguren, die das Geschehen bereichern. Sie alle malen ein Gemälde, das sogleich verführerisch und düster ist.

Von dieser Ambivalenz lebt die im Grunde schlichte Handlung, die dem zugrunde liegenden französischen Volksmärchen entstammt. Sie auszufüllen, sie neu zu erzählen, sie weiterzuentwickeln, das ist dem Freundeskreis Burgoberbach gelungen. Ein Musical vom Feinsten, bei dem auch der gekonnte Gesang beeindruckte. Ein Ausflug ins Reich des Sagenhaften, in dem bei allem Flirren und Flittern an der Oberfläche eine tiefere Botschaft steckt: Es lohnt sich, gut und aufrichtig zu sein. Dann wird am Ende alles gut. Wie schön.

Verführerische und zugleich düstere Stimmung: Die Schöne (Viviane Bolay) und das Biest (Oliver Büschert). (Foto: Martina Kramer)
Verführerische und zugleich düstere Stimmung: Die Schöne (Viviane Bolay) und das Biest (Oliver Büschert). (Foto: Martina Kramer)
Verführerische und zugleich düstere Stimmung: Die Schöne (Viviane Bolay) und das Biest (Oliver Büschert). (Foto: Martina Kramer)

Von MARTINA KRAMER
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