Marlies und Werner Niederhausen lassen die Tradition der Stiftertätigkeit in Bad Windsheim wieder aufleben. Weil das Ehepaar die Instandsetzung des Klosterchors und der historischen Stadtbibliothek unterstützen will, hat es dessen Förderverein 24 Bilder aus seinem Privatbesitz geschenkt. Die sollen nun am Sonntag, 14. Mai, versteigert werden.
Wer eines der Gemälde erwerben möchte, kann sich die Schätze von Dienstag bis Freitag, 9. bis 12. Mai, jeweils von 14 bis 18 Uhr, und am Samstag, 13. Mai, von 10 bis 12 Uhr, im Klosterchor am Klosterplatz in Bad Windsheim anschauen. Bereits am Montag, 8. Mai, wird die Ausstellung anlässlich der Gemälde-Versteigerung ab 19 Uhr offiziell eröffnet.
Marlies und Werner Niederhausen sind leidenschaftliche Sammler. Porzellan, Gläser, Möbel, Bücher und Bilder gehören zu ihren begehrten Objekten. Ihr Haus in Markt Taschendorf war voll davon. Bis sie es im vergangenen Jahr ausgeräumt und ihren Alterswohnsitz im August nach Bad Windsheim verlegt haben. Weil sie die Vielzahl an Objekten in ihrem neuen Domizil unmöglich unterbringen konnten, mussten sie sich von einigen Dingen trennen. Dazu gehören auch die 24 Gemälde, die sie jetzt dem Förderverein Klosterchor und historische Stadtbibliothek gestiftet haben.
„Den Schritt zu gehen und Markt Taschendorf zu verlassen, war eine schwere Entscheidung“, sagt der 79-jährige Werner Niederhausen. Der Abschied vom bisherigen Umfeld und geliebten Dingen sei psychisch und physisch anstrengend gewesen. „Doch der Verstand musste siegen“, sagt seine 81-jährige Frau Marlies. Getrennt haben sich die beiden vor allem von großformatigen Gemälden. Rund hundert kleinformatige haben sie behalten. Sie sind mit ihnen nach Bad Windsheim umgezogen.
Nachdem in Werner Niederhausen die Idee gereift war, einige Gemälde stiften zu wollen, hatte er Sabine Detsch kontaktiert. Die Vorsitzende des Fördervereins und SPD-Stadträtin war sofort begeistert. „Dass die Tradition der Stiftertätigkeit in Bad Windsheim auf diese Weise weiter geführt wird, passt hervorragend“, sagt sie. Schließlich sei auch ein Großteil der insgesamt 5360 Bände in der historischen Bibliothek von Bürgern gestiftet worden.
Außerdem sei jede finanzielle Unterstützung willkommen, weil hilfreich. Denn die Instandsetzung des Klosterchores und der historischen Stadtbibliothek sei dringend notwendig und koste entsprechend viel Geld. „Das Gebäude fällt quasi auseinander und muss gefestigt werden. Es besteht enormer Handlungsdruck und wir dürfen nicht länger zögern“, betont Detsch.
Sie versichert, dass der Förderverein das Projekt weiter vorantreiben werde. „Bis die Instandsetzung abgeschlossen und unser Satzungszweck erfüllt ist.“ Bis dahin sei es allerdings noch ein langer Weg. Doch Detsch ist optimistisch. Denn mittlerweile hätten auch die Verantwortlichen erkannt, dass dieses „Denkmal nationaler Bedeutung“ nicht länger verfallen dürfe.
Dass die Planung und Organisation der Versteigerung ein Gemeinschaftsprojekt ist, betont die Fördervereins-Vorsitzende ausdrücklich. Damit die Gemälde in der Mai-Ausgabe des Mitteilungsblattes der Stadt Bad Windsheim präsentiert werden konnten, hatte Bürgermeister Jürgen Heckel sie als gelernter Fotograf abgelichtet. Er wird bei der Versteigerung am Muttertagssonntag auch als Auktionator auftreten.
Gerhard Rießbeck, der an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studiert hat, unterstützte beim Festlegen von Mindestgeboten. Das sei Detsch zufolge mit zeitintensiven Recherchen verbunden gewesen. Beim Aufhängen der Gemälde im Klosterchor wird der Bad Windsheimer Galerist Thomas Spyra helfen.
Ehepaar Niederhausen hofft, dass sich möglichst viele Kunstkenner in die Gemälde verlieben und rege mitsteigern. Zur Herkunft der überwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammenden Werke wird Werner Niederhausen am Tag der Auktion persönlich ein paar Worte sagen.
„Jedes Bild hat seine eigene Geschichte“, betont der ehemalige Kfz-Sachverständige. So wie die beiden einst erheblich beschädigten Ölgemälde, die das Ehepaar auf der Suche nach gutem Olivenöl im Keller eines Hauses in Cortona am Trasimenischen See in Italien entdeckte und für zwei Millionen Lire kaufte. Das entsprach damals, im Jahr 1984, einem Wert von rund 2000 Mark. Das eine Bild zeigt die Segnung eines Kindes, das andere eine Landschaft mit Kirche. Beide Werke ließ das Ehepaar Niederhausen aufwendig und für rund 4500 Mark restaurieren.
Werner Niederhausen erinnert sich gern an die verschlungenen Wege, auf denen die Bilder in den vergangenen 45 Jahren zu ihm und seiner Frau gelangten. Jetzt loszulassen, fällt sichtlich schwer. Dass die Versteigerung für einen guten Zweck ist, tröstet indes und stiftet Sinn: „Es ist uns ein großer Herzenswunsch, dass die Bibliothek mit ihren wertvollen Buchbeständen erhalten bleibt und wir einen kleinen Teil zu ihrer Instandsetzung beitragen dürfen.“