Im Oktober des Jahres 2023 waren die Bücher der historischen Stadtbibliothek Bad Windsheim verpackt und zu Restauratoren gebracht worden. Ihr Gewicht wurde durch Pflastersteine ersetzt, um die Statik des Klosterchores nicht zu gefährden. In einem Video ist der spektakuläre Bücher-Umzug dokumentiert worden.
Und dieses Video gibt es nun auf der Plattform „youtube“ zu sehen, eingestellt von der KEK. Hinter dieser Abkürzung steckt die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts. Sie „fördert, koordiniert und optimiert den Erhalt schriftlicher Originale“, heißt es auf der KEK-Internetseite.
Das zentrale Ziel der Koordinierungsstelle ist die dauerhafte Erhaltung schriftlichen Kulturguts in Archiven, Bibliotheken und ihnen verwandten Einrichtungen. Finanziert wird die Organisation durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und die Kulturstiftung der Länder. Mit Hilfe von Förderprogrammen versucht die Stelle, überall dort unterstützend tätig zu werden, wo die finanziellen Mittel fehlen, um Schriftgut bestmöglich zu lagern und zu sichern.
Im Falle von Bad Windsheim hat das BKM-Sonderprogramm gegriffen. In dieser Förderlinie werden der KEK zufolge Mengenverfahren wie Entsäuerung, Verpackung und Reinigung durch Bundesmittel unterstützt. Dabei stehe vor allem solches Schriftgut im Fokus, „das aus wissenschaftlicher oder historischer Sicht von überregionaler Bedeutung ist“. Dass dies auf den Bestand der historischen Stadtbibliothek in Bad Windsheim voll und ganz zutrifft, wird in der Beschreibung des Projekts explizit hervorgehoben. Demnach sei die Bibliothek „ein Denkmal von nationaler Bedeutung“ und stelle einen „besonderen Kulturschatz“ dar.
„Von der Liberey zum digitalen Ort“ lautet der Titel des Projekts, das die KEK mit rund 30.750 Euro fördert. Das ist die Hälfte der notwendig gewordenen Gesamtsumme. Über einen Zeitraum von drei Jahren zieht sich das Projekt. Konkret besteht dies unter anderem darin, die rund 5400 Bände der historischen Stadtbibliothek Bad Windsheim an einer mikrobiologischen Sicherheitswerkbank trocken zu reinigen. Das bedeutet, sie werden durch ein spezielles Verfahren von Sporen oder Aerosolen gereinigt.
Außerdem wird an den Büchern eine einfache Schadenserfassung durchgeführt. Entsprechend der jeweiligen Schadensbilder wiederum sollen erste Maßnahmen zur Beseitigung ergriffen werden. „Nach der Rückkehr in ihre originalen Holzrepositorien werden stark verzogene Einbände durch passgenaue Schutzbehältnisse gesichert“, heißt es in der KEK-Beschreibung des Projekts weiter. Besonders dicke Bücher mit eingesunkenem Block hingegen werden durch Buchschuhe gestützt. Zudem werden im Rahmen einer Digitalisierungsvorbereitung korrodierte, lose Metallbeschläge und Metallschließen behandelt, wenn nötig fixiert und als Einbandsicherung instand gesetzt. „Damit ist der Weg zu weiteren, bedarfsgerechten Restaurierungen und zu einer schonenden digitalen Präsentation bereitet.“
Timm Wille, bei der KEK zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, hat das Video über die Räumung der historischen Stadtbibliothek Bad Windsheim organisiert und koordiniert. Er verweist darauf, dass es sich dabei um eine nicht-kommerzielle Produktion handeln würde. „Ziel des Videos ist die Sensibilisierung für das Thema Originalerhalt“, erklärt Wille. Der Titel des fünf Minuten und elf Sekunden dauernden Filmes lautet „Wie ein Bücherschatz gerettet wird: die historische Bibliothek Bad Windsheim.“ Rund 2200 Mal ist das Video bereits angeschaut worden.
Darin kommen Bürgermeister Jürgen Heckel zu Wort, die Stadtarchivarin Stella Bartels-Wu und der Stadtbaumeister Ludwig Knoblach. Letzterer informiert über die Bedeutung des Klosterchores, in dem die historische Stadtbibliothek untergebracht ist, und über die anstehenden Sanierungsmaßnahmen des Denkmals, von dem unter anderem Mauerwerk, Dachstuhl und Fundament betroffen seien.
Bartels-Wu indes skizziert das KEK-Projekt, in dem es darum gehe, den Bücherbestand zu reinigen. „Weil hier wirklich Schimmel auftrat, aber auch, weil durch Klimaschwankungen im Raum die Materialität großen Schaden genommen hat“, so die Stadtarchivarin. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf Bände, in die Feuchtigkeit eingedrungen ist, an denen die Buchrücken aufgerissen oder die Innenkanten geplatzt sind. Und Bartels-Wu weist darauf hin, dass sich eine Kommune immer schwer damit tue, solche Projekte allein zu finanzieren. Ohne staatliche Förderung sei das kaum möglich.