„Visionäre Gedanken”: IT-Firma baut Reihenhäuser für Fachkräfte in Leutershausen | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 31.05.2025 07:00

„Visionäre Gedanken”: IT-Firma baut Reihenhäuser für Fachkräfte in Leutershausen

Noch residiert die Skilled GmbH in einem Provisorium im „Schuhkarton“-Format. Doch bald schon soll auf diesem Areal ein repräsentatives Bürogebäude entstehen – plus Häuser für Mitarbeitende. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Noch residiert die Skilled GmbH in einem Provisorium im „Schuhkarton“-Format. Doch bald schon soll auf diesem Areal ein repräsentatives Bürogebäude entstehen – plus Häuser für Mitarbeitende. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Noch residiert die Skilled GmbH in einem Provisorium im „Schuhkarton“-Format. Doch bald schon soll auf diesem Areal ein repräsentatives Bürogebäude entstehen – plus Häuser für Mitarbeitende. (Foto: Wolfgang Grebenhof)

Um Fachkräfte anzulocken, will ein Leutershäuser Unternehmen der IT-Branche direkt neben seinem Bürogebäude Reihenhäuser bauen und sie zu günstigen Konditionen an Mitarbeitende vermieten. Im Stadtrat fand dieses Konzept breite Zustimmung.

Mit der Idee der Skilled GmbH lebt das einst weit verbreitete Konzept der Werkswohnung wieder auf: Viele Firmen sorgten früher dafür, dass ihre Belegschaft in der Nähe ihres Arbeitsplatzes preiswerten Wohnraum fand. In Zeiten des Fachkräftemangels gewinnt diese Strategie wieder an Bedeutung.

Das auf IT-Beratung, Cloudlösungen, Künstliche Intelligenz und „Big Data“ spezialisierte Unternehmen sucht händeringend nach Fachkräften. Doch die sind meist eher in den Ballungsräumen zu finden, wie Eigentümer Tamer Uzun dem Stadtrat schilderte. Um sie in die Provinz zu locken, müsse man etwas bieten – unter anderem ein attraktives Zuhause.

Die Firma aus dem „Schuhkarton” will expandieren

Uzun (38), Vater zweier Kinder, hat sich 2021 ein Eigenheim in Wiedersbach gebaut. Seit 2024 sitzt seine Firma in einem kleinen Interims-Gebäude im Gewerbegebiet an der Industriestraße. Der „Schuhkarton“, wie er ihn nennt, bietet gerade mal vier Mitarbeitenden Platz. Doch die auf Großkunden wie BASF, BMW oder Vodafone ausgerichtete Firma ist auf Expansionskurs. Mit BASF habe man einen Rahmenvertrag über zehn Millionen Euro, von denen drei bereits realisiert seien.

Doch der Fachkräftemangel bremst: „Uns fehlen Mitarbeiter“, seufzt Uzun. Deshalb müsse man sehr viel an externe Fachleute auslagern, doch „das schmälert die Marge enorm“. 1,7 Millionen Euro Umsatz habe Skilled 2021 gemacht, drei Millionen Euro sind das Ziel für dieses Jahr. Den Gewinn im Jahr 2023 bezifferte der Inhaber mit 500.000 Euro.

Skilled GmbH will Mitarbeiter langfristig binden

Im Mischgebiet am nordöstlichen Rand des Gewerbegebietes an der Färbereistraße hat das Unternehmen für knapp 300.000 Euro gut 3350 Quadratmeter Grund gekauft. Entstehen soll dort ab Herbst ein – bereits genehmigtes – Bürogebäude für insgesamt 24 Angestellte – und später sieben zweigeschossige Reihenhäuser mit je 90 Quadratmetern Wohnfläche. „Das ist die perfekte Kombination von Arbeit und Wohnen“, meint der IT-Unternehmer: „So können wir Arbeitskräfte langfristig binden.“ Für Stadt, Firma und Angestellte sei das eine „Win-win-win-Situation“.

Insgesamt wolle die Skilled GmbH zwei bis 2,5 Millionen Euro an dem Standort investieren, berichtet Geschäftsführer Najdet Kassim. „Wir wollen das schnell und unbürokratisch umsetzen“, sagt Tamer Uzun. Ziel sei es nicht, mit den Häusern Geld zu machen: „Mit IT kann man viel schneller verdienen.“ Aus steuerlichen Gründen könne die Firma die Wohnungen ihren Mitarbeitenden nicht gratis überlassen, aber zu einem günstigen Mietpreis, so Kassim. Die Reihenhäuser aus Holz sollen familienfreundlich und energiesparend konzipiert werden.

In der Stadt ist man von „visionären Gedanken” begeistert

Von „visionären Gedanken“ sprach im Anschluss an die Projekt-Vorstellung Bürgermeister Markus Liebich. Beate Boch (SPD/Bürgerforum) prognostizierte, dass „Cloud und KI unser Land komplett verändern“ werden, und die Stadt werde auf diese Weise „am Gewinn partizipieren“. Wohnraum sei elementar für die Mitarbeitergewinnung. Allerdings sei Wohnen im Mischgebiet ein Präzedenzfall. Man müsse prüfen, ob so viele Häuser auf die Fläche passen. Einen „sehr guten Ansatz, Wohnen und Arbeiten zusammenzubringen“, sah Renate Götzenberger (ALL/Grüne). Kurze Wege seien auch ein ökologischer Vorteil.

Die Stadtverwaltung unterstütze das Vorhaben, ließ der Rathauschef durchblicken – „und ich habe den Eindruck, auch das Gremium“. Nun solle der Unternehmer konkrete Planungen vorlegen.


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
north