Sexualität verändert sich zwar im Laufe des Lebens, verschwindet aber nicht einfach. „Sexualität hört nicht einfach auf – und das ist auch gut so“, sagt Ann-Marlene Henning, Sexualtherapeutin aus Flensburg. Selbstbefriedigung ist ein natürlicher und gesunder Ausdruck der eigenen Sexualität – egal in welchem Lebensabschnitt.
Besonders die Generation 60+ zeigt, wie viel Lust auf Neues im Alter stecken kann. Viele möchten jetzt nachholen, was sie früher verpasst haben. Henning kennt eine inspirierende Geschichte: Eine über 80-jährige Frau traf ihre Jugendliebe wieder und entschied sich, Sexualität neu zu entdecken. Ihre Motivation? „Mein Leben lang hatte ich Sex, vier Kinder – und nichts davon für mich. Jetzt möchte ich es lernen“, berichtet die Sexualtherapeutin.
Solo-Sex, wie Henning es nennt, kann im Alter besonders wichtig sein, weil:
Zeit nehmen und entspannen: Lust kommt nicht auf Knopfdruck. Sich bewusst Zeit nehmen, sich eine angenehme Umgebung schaffen, hilft, sich einzulassen.
Auf den eigenen Körper hören - der sich verändert: Mit dem Alter verändern sich Hormonspiegel, Durchblutung und Hautempfindlichkeit. Frauen erleben vaginale Trockenheit. Da hilft ein gutes Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis. Männer bemerken eventuell eine verzögerte oder abgeschwächte Erektion oder längere Erholungsphasen - das ist normal.
Tipp der Expertin: Wer sich beim Solo-Sex neu orientieren möchte, kann sich zunächst auch durch Lesen informieren. „Es gibt mittlerweile großartige Ratgeber, die bei Fragen rund um Sexualität weiterhelfen.“ Beim Lesen lassen sich Gedanken und Erkenntnisse auch für sich selbst aufschreiben, um herauszufinden, was einen persönlich anspricht.
Es ist völlig in Ordnung, Solo-Sex zu genießen, egal, wie alt man ist. Denn Sexualität kennt kein Alter. Abgesehen davon ist es nie zu spät, Neues zu lernen und eine erfüllte Sexualität zu erleben.
© dpa-infocom, dpa:260517-930-92787/1