Im Jahr 2045 sollen in Deutschland keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausgestoßen werden. Was bedeutet das für das Betonwerk Weber im Gewerbegebiet Gollhofen-Ippesheim? Diese Frage diskutierten Firmenvertreter mit der fränkischen Bundestagsabgeordneten Dr. Anja Weisgerber.
Weisgerber ist Sprecherin ihrer Fraktion CDU/CSU für Umwelt – und außerdem eine Kindheitsfreundin einer leitenden Angestellten des Betonwerks an der Autobahn 7 nördlich von Uffenheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). So kam der Kontakt zu der Abgeordneten aus dem Stimmkreis Schweinfurt, Nachfolgerin von Michael Glos, zustande.
Doch auch thematisch passte der Besuch. Ist doch Beton als Baustoff wegen seiner Klimabilanz in Verruf geraten, wie einer der Redner sagte. Weisgerber zeigte sich als gut informierte Ansprechpartnerin.
Dabei steht das Betonwerk Weber im Industriegebiet Gollhofen-Ippesheim, kurz GollIpp genannt, selbst gut da: Alle Hallen sind mit PV-Anlagen bestückt, so dass man rein rechnerisch so viel Strom erzeugt wie verbraucht. Der Fuhrpark erfüllt die Abgasnorm Euro 6. Auch der Umstellung auf E-Laster stehe das Unternehmen aufgeschlossen gegenüber, sobald Modelle auf den Markt kommen, die auch bei entsprechenden Tonnagen die Lieferung zu den Kunden im Umkreis von 300 bis 350 Kilometern ohne Ladestopp möglich machen. Innovationen wie die Hybriddecke – eine Kombination aus tragfähigen Holzbalken und Beton mit seinen günstigen brand- und schallschutztechnischen Eigenschaften – kommen dazu.
Das Problem entsteht nicht im Werk, sondern in der Lieferkette, bei der Produktion des Zements. Deshalb waren zwei Vertreter des Zulieferers Opterra aus dem baden-württembergischen Wössingen beim Gespräch dabei.
Zwei Drittel des CO2, das bei der Produktion des Zement entsteht, war im Kalkstein gespeichert und wird beim Brennen freigesetzt, ein Drittel entsteht durch die Betriebsabläufe und kann – in Wössingen ebenfalls durch PV-Anlagen – beeinflusst werden, berichtete dazu seitens Opterra Matthias Hörter.
Eine Möglichkeit, um das natürlich im Stein gebundene CO2 einzusparen, ist die Verwendung von Recycling-Beton, erläuterte er. Das Problem seien in diesem Fall nicht Gesetze, sondern Normen, die den Volumenanteil des Recyclingmaterials auf maximal 35 Prozent begrenzen. „In der Schweiz ist ein höherer Anteil erlaubt, ohne dass man gehört hätte, dass die Bauten dadurch eine schlechtere Qualität hätten.“ Ein Punkt, der die Aufmerksamkeit der Bundestagsabgeordneten erregte.
Bei einem CO2-Ausstoß von 450.000 Tonnen pro Jahr wird es aber letztlich auf eine Abscheidung herauslaufen, so Hörter. Die Investitionen dafür liegen bei bis zu einer halben Milliarde Euro. „Wenn ich die nicht habe, schließe ich.“
Für ihre Partei betonte Anja Weisgerber, dass ihr die Umwelt am Herzen liege. „Aber das 1,5-Grad-Ziel gilt weltweit. Es bringt also nichts, wenn Industrien aus Deutschland in andere Länder abwandern. Dann wird dort das CO2 erzeugt und die Arbeitsplätze hier sind verloren.“ Sie könne sich vorstellen, dass die Politik Darlehen für die gewaltigen Investitionen anbietet.
Deren Tilgung soll durch die Einsparungen erfolgen, die mit dem steigenden CO2-Preis immer höher werden. Eine Abscheidung und Speicherung bei unvermeidlicher CO2-Freisetzung sei unabdingbar. Rechtlich sei es außerdem möglich, Projekte im Ausland auf die eigene CO2-Bilanz anzurechnen.
6000 Balkone, 8000 Treppen, 300.000 Quadratmeter massive Wände mit Dämmung im Jahr: Das sind nur ein paar Produkte der Firma Weber. Man gehöre damit zu den bundesweit größten Betonfertigteile-Standorten und liefere in einem Umkreis von 300 bis 350 Kilometer an Großkunden wie Züblin, Strabag oder Leonhard Weiss.
„Alles aus einer Hand“ sei die Firmenphilosophie, erläuterten Marketingleiter Michael Klaus und Prokurist David Frey: Überdimensionale CNC-Maschinen ermöglichen den Schalungsbau vor Ort, nach digitalen Plänen auf sehr großen Monitoren. Geliefert wird Just-in-time. Zu den bekannten Großbauten gehören die „Four“ in Frankfurt (im Deutsche-Bank-Dreieck).
Bei riesigen Rechenzentren, die sogar einen Flugzeug-Absturz überstehen sollen, gebe es wie bei Brücken keine Alternative zum Stahlbeton. Die momentane Krise am Bau merkt das Unternehmen laut Klaus noch kaum: Der Gewerbebau gleiche Rückgänge im Wohnungsbau aus, Kurzarbeit oder Kündigungen seien kein Thema.
Im Gewerbegebiet Gollhofen-Ippesheim ist Weber mit 165.000 Quadratmeter Firmenfläche (das entspricht etwa 21 Fußballfeldern) groß vertreten und verfügt außerdem über Erweiterungsflächen.