„Weinen oder Lachen”: Regisseur aus Heilsbronn will mit Filmen Emotionen auslösen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 31.10.2025 07:08

„Weinen oder Lachen”: Regisseur aus Heilsbronn will mit Filmen Emotionen auslösen

Regisseur und Drehbuchautor Lorenz Wetscher aus Heilsbronn war vor Kurzem in New York, um seinen Kurzfilm „Malina” vorzustellen. (Foto: Sebastian Stücke)
Regisseur und Drehbuchautor Lorenz Wetscher aus Heilsbronn war vor Kurzem in New York, um seinen Kurzfilm „Malina” vorzustellen. (Foto: Sebastian Stücke)
Regisseur und Drehbuchautor Lorenz Wetscher aus Heilsbronn war vor Kurzem in New York, um seinen Kurzfilm „Malina” vorzustellen. (Foto: Sebastian Stücke)

Lorenz Wetscher liebt es, Geschichten zu erzählen. Der Regisseur und Drehbuchautor aus Heilsbronn im Landkreis Ansbach produziert mit seiner Firma unter anderem Werbefilme für bekannte Unternehmen. Zuletzt hat sein Kurzfilm „Malina” Premiere auf dem Chelsea Film Festival in New York gefeiert.

„Ich bin sehr beseelt zurückgekommen, es gab extremen Rückenwind”, erzählt der 34-Jährige im Gespräch mit der FLZ. In den USA habe er sich gut umsorgt gefühlt. „Man hat dort gemerkt, welchen Stellenwert der Beruf in den USA hat. Wenn man da sagt, dass man Regisseur ist, zieht keiner die Augenbraue hoch.” Der Film, den er dort präsentiert hat, ist keine leichte Kost.

Zehnjährige telefoniert mit Josef Stalin

Es geht um ein zehnjähriges Mädchen, Malina (gespielt von Ana Sofia Marku), die in der Schule eine Außenseiterin ist. Per Telefon nimmt sie Kontakt zum in der Hölle schmorenden Josef Stalin auf und entwickelt daraus ein verstörendes Schulprojekt, um dazuzugehören.

Die Idee zum Film kam Wetscher Anfang 2023. Da hatte er einen Traum „von einer Person, die durch Raum und Zeit reist und Gerechtigkeit schafft”, sagt er. Lorenz Wetscher ist sofort aufgestanden und hat sich die Idee notiert. Etwa zwei Jahre und 30 Überarbeitungen des Drehbuchs später, im Mai 2025, hatte der fertige Film dann seine Deutschlandpremiere. Und jetzt auch noch in New York. „Das war das Highlight.”

Die Resonanz auf den Film war in Amerika sehr gut. Auch im privaten Bereich bekam Lorenz Wetscher positive Reaktionen. Manche Menschen machte „Malina” aber auch wütend „und sie wissen nicht klar, warum”, sagt er. Dazwischen gebe es nichts. Das ließ den 34-jährigen Regisseur merken: „Da bin ich an was dran. Egal ob die Leute weinen oder lachen, es sind Emotionen.” Das war seine Bestätigung, weiterzumachen.

Das Team von „Malina” beim Filmdreh in Nürnberg. Regisseur des Films ist Lorenz Wetscher (mittig, mit Kopfhörern um den Hals) aus Heilsbronn im Landkreis Ansbach. (Foto: Daniel Tkatsch)
Das Team von „Malina” beim Filmdreh in Nürnberg. Regisseur des Films ist Lorenz Wetscher (mittig, mit Kopfhörern um den Hals) aus Heilsbronn im Landkreis Ansbach. (Foto: Daniel Tkatsch)

Internationale Premiere: Regisseur aus Heilsbronn präsentiert Kurzfilm in New York

Lorenz Wetscher fliegt nun in die USA. Dort wird am Freitag sein Werk „Malina” beim Chelsea Film Festival gezeigt. Es erzählt eine recht schräge Geschichte.

Neben Kurzfilmen und Werbespots ist deshalb jetzt sogar der erste Film in Spielfilmlänge geplant. Es soll um ein Pflegekind gehen, das gegen seine Eltern vor Gericht zieht, weil es bei seiner Pflegemutter leben will. Wieder ein gesellschaftliches Thema, wieder eine starke Message. „Das Thema hat mich emotional berührt. Das ist etwas, das erzählt werden muss.”

Wetscher will relevante Themen besprechen

Seinen Job liebt er auch wegen der Abwechslung. Kein Tag sei wie der andere, und vor allem Kommunikation spielt eine große Rolle. Als Regisseur muss er zu jeder Zeit an jedem Ort bei jeder Wetterlage alles im Blick haben und koordinieren. Dem 34-Jährigen ist es wichtig, in seinen Filmen relevante Themen zu besprechen, etwas zu bewegen. Aber das meiste Geld verdient man als Produktionsfirma natürlich mit Aufträgen, zum Beispiel für Werbefilme. Da waren bei dem Heilsbronner schon einige große Namen dabei.

Schon als Kind wusste Wetscher, dass er Filme machen will, aber sein Werdegang war nicht schnurgerade. In der Schule war er immer ein „Tagträumer”, zeichnete Comics („aus heutiger Sicht die Vorstufe eines Storyboards”). Als er als Kind mal in einem Kino saß, haben ihn die Reaktionen der Menschen „dermaßen umgehauen”. Er findet es faszinierend, welche Emotionen Filme mit den Sinnen Hören und Sehen auslösen können. Als er seinen Wunsch, Filmemacher zu werden, umsetzen wollte, wurde er aber auch oft belächelt. Noch dazu schien es ihm unmöglich, in der Region um Heilsbronn daran zu arbeiten.

Bereiten das Filmfestival Beyond in Feuchtwangen vor: Festivalleiter Ludger Pfanz (links) und Wolfgang Grebenhof, der Vorsitzende des Vereins KulturKino.  (Archivbild: Stefan Neidl)

Festival mit drei Dutzend Filmen im KulturKino Feuchtwangen

Comedy, Dokumentationen und politische Beiträge: Am Donnerstagabend beginnt das viertägige „Beyond”. Schwerpunkt ist heuer das Thema „Wahrheit”.

Heilsbronn ist ein Rückzugsort

Deshalb ist er damals nach einer Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann für ein Filmstudium nach Salzburg „abgedüst”. Danach lebte er in Hamburg zum Arbeiten. Seit etwa zwei Jahren ist er jetzt aber wieder im Landkreis Ansbach und hat sich mit seiner Produktionsfirma selbstständig gemacht. „Mittlerweile gibt es ja viele Filmschaffende hier. Man kann das eben, egal wo man sitzt, machen.” Seine Heimat Heilsbronn sieht er jetzt, nach Jahren in der Großstadt, als Rückzugsort. „Der Ausgleich ist mir total wichtig”, so Wetscher.

Was er in Zukunft so vorhat, kann er noch nicht sagen. „Das Leben stellt ja immer wieder Türen in den Weg, die kann man aber auch aufmachen.”

Wer „Malina” sehen möchte, hat am Sonntag, 2. November, die Gelegenheit. Der Film wird ab 21 Uhr im KulturKino in Feuchtwangen zu sehen sein. Dort läuft er als Zugabe zum Abschluss des Beyond-Filmfestivals.


Anna Beigel
Anna Beigel
Redakteurin für Westmittelfranken und Landkreis Ansbach
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