Weltgästeführertag in Uehlfeld: Diese Geheimnisse hat die Storchen-Metropole | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 26.02.2026 17:00

Weltgästeführertag in Uehlfeld: Diese Geheimnisse hat die Storchen-Metropole

Dr. Christiane Kolbet (Zweite von rechts) führte anlässlich des Weltgästeführertags durch Uehlfeld. Die Einnahmen kamen dem Kirchturm der Jakobuskirche zugute.  (Foto: Nicole Gunkel)
Dr. Christiane Kolbet (Zweite von rechts) führte anlässlich des Weltgästeführertags durch Uehlfeld. Die Einnahmen kamen dem Kirchturm der Jakobuskirche zugute. (Foto: Nicole Gunkel)
Dr. Christiane Kolbet (Zweite von rechts) führte anlässlich des Weltgästeführertags durch Uehlfeld. Die Einnahmen kamen dem Kirchturm der Jakobuskirche zugute. (Foto: Nicole Gunkel)

„Fünfzehn Uhr in Uehlfeld. Wer pünktlich ist, soll nicht warten müssen”, mit diesem Satz begrüßte Dr. Christian Kolbet die Teilnehmenden anlässlich des Weltgästeführertags zum Rundgang durch den Ort.

Windig und regnerisch war es an diesem Sonntag. Davon ließen sich rund 30 Geschichtsinteressierte aber nicht abschrecken und versammelten sich vor der Jakobuskirche, dem Startpunkt der 90-minütigen Tour. Der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland sei am 21. Februar 1994 gegründet worden, erfuhren sie von Kolbet. Rund um dieses Datum beteiligen sich jedes Jahr Gästeführerinnen und Gästeführer am Weltgästeführertag und verzichten für den guten Zweck auf ihre Einnahmen. Seit 2018 sei der Weltgästeführertag ein festes Datum in Kolbets Kalender. Heuer lautete das Motto „Mit offenen Augen durch...” Die Spenden kommen dem frisch sanierten Kirchturm zugute.

Echte Kennerin des Karpfenlandes

Kolbet hatte sich Uehlfeld ausgesucht, denn die Gemeinde biete schöne Ecken und vieles, was man nicht auf den ersten Blick erkenne. Rund die Hälfte der Interessierten kam selbst aus Uehlfeld und war neugierig, mehr über ihren Heimatort zu erfahren. Vor der Jakobuskiche musste die Gästeführerin erst einmal mit den Störchen wetteifern, die die Neuankömmlinge mit lautem Geklapper begrüßten – für eine erfahrene Rundgangsleiterin wie Kolbet kein Problem. Die Theater-, Medien- und Literaturwissenschaftlerin aus Weisendorf ist als Gäste- und Wanderführerin eine echte Kennerin des Karpfenlandes Aischgrund und ließ sich auch von ein paar Hintergrundgeräuschen nicht aus dem Konzept bringen, schließlich kann man auch in die Kirche ausweichen.

Buch fing Kugel ab und rettete Leben

Hier erfuhren die Teilnehmenden Wissenswertes über Pfarrer Veit vom Berg. Der Theologe war nach dem Dreißigjährigen Krieg Seelsorger im Aischgrund und überlebte einen Überfall, weil sein in Leder gebundenes Kasualienbuch eine Kugel abfing und ihm das Leben rettete. Eng verknüpft sei Uehlfelds Geschichte mit den zollerschen Markgrafen, wusste Kolbet zu berichten, bevor sie mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur nächsten Station, dem Torhaus, aufbrach. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte die Gemeinde das Torhaus verkauft, erfuhren die Teilnehmenden. Drei Familien lebten in den beengten Räumen, die zwischenzeitlich von der Gemeinde zurückgekauft und als Kulturstätte vom Verein Bänkla betrieben werden.

Wissenswertes rund um Hopfen und Störche durfte beim Ortsrundgang ebenso wenig fehlen, wie eine Station an der wunderschönen Mühle, die 1361 erstmals erwähnt wird. 43 Mühlen gab es entlang der Aisch, Streitigkeiten zwischen den Müllern waren deshalb keine Seltenheit, so Kolbet. Uehlfelds Mühle war eine der größten an der Aisch, im Dreißigjährigen Krieg wurde sie jedoch zerstört und erst Ende des 17. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Heute ist sie im Besitz der Familie Rüttinger, die sie liebevoll renoviert hat.

Karpfenzucht hat lange Tradition

Weiter ging es entlang der hochwassergeschwollenen Aisch, wo Kolbet viel über den Karpfen und die Teiche berichtete. 7185 Karpfenweiher habe es zwischen Hallerndorf und Neustadt einst gegeben. Klöster seien die treibende Kraft in der Karpfenzucht gewesen, die im Aischgrund eine tausendjährige Tradition hat. Das Uehlfelder Schloss präsentierte sich den Interessierten dank des hohen Wasserstands der Aisch tatsächlich als Wasserschloss, das es einmal war.

Weiter ging es zur ehemaligen Synagoge. „Anfang des 19. Jahrhunderts war die Hälfte der Bevölkerung in Uehlfeld Juden”, so Kolbet. Man lebte bis zur Zeit des Nationalsozialismus in gutem Miteinander zusammen. Unter den jüdischen Opfern der Nationalsozialisten waren 60 Juden, die aus Uehlfeld stammten.

Führung über den jüdischen Friedhof

Wer mehr zur Geschichte der Juden erfahren möchte, kann sich schon jetzt den 10. Mai 2026 um 10.30 Uhr vormerken. Da wird Dr. Christiane Kolbet eine Führung über den jüdischen Friedhof in Uehlfeld anbieten. Derzeit arbeitet sie außerdem an einem Buch „111 Orte, die man im Steigerwald gesehen haben muss”, das im Frühjahr 2027 erscheinen soll. Auch da wird sie Uehlfeld ein Kapitel widmen.

north