Zur Auftaktveranstaltung der Reihe „Übergib & Übernimm – Unternehmensnachfolge zukunftssicher gestalten“ fanden etwa 70 Interessierte ihren Weg in das digitale Gründerzentrum ANswerk im Ansbacher Posthof. Mit der Veranstaltungsreihe will man sowohl den Menschen helfen, die eine Firma weitergeben, als auch denen, die diese übernehmen.
ANswerk-Chefin Alida Lieb machte darauf aufmerksam, dass man sich mit dem Thema als Unternehmer und Unternehmerin aktiv auseinandersetzen müsse: „Für viele ist das ein Irgendwann-Thema, irgendwann ist aber oft zu spät.”
Bevor die Erfahrungsberichte hierzu an der Reihe waren, betonte die Leiterin der Industrie- und Handelskammer-Geschäftsstelle Ansbach, Karin Bucher, die gesellschaftliche Relevanz der Materie. Von 2022 bis ins laufende Jahr sind allein in Mittelfranken 5000 Unternehmen übernehmen worden oder stehen vor einer Übernahme. Dabei geht es um 75.000 Arbeitsplätze. Eine nahtlose Übergabe ist allein aus diesem Grund essenziell.
Frank Eckart, der 2012 das Unternehmen Eckart Signplastics von seinem Vater übernommen hat, übernahm den ersten Bericht. Für ihn waren mehrere Faktoren wichtig, darunter auch, dass die Nachfolge frühzeitig geplant wird. Man müsse erst einmal grundsätzlich wissen, ob die Person, in seinem Fall innerhalb der Familie, den Betrieb eigentlich übernehmen möchte. Eckart selbst ist in der Firma seines Vaters, die ihre Anfänge im heimischen Kuhstall hatte, aufgewachsen.
Auch deshalb ist für ihn eine Sache enorm wichtig: externe Erfahrung. Er selbst arbeitete mehrere Jahre bei Adidas: „Wenn man dann zurück in das Unternehmen kommt, und viele einen schon als Kind kannten, ist es wichtig, dass man nicht nur der Sohn von jemandem ist.“ Diese Erfahrungen würden nicht nur dabei helfen, um von den Mitarbeitenden akzeptiert zu werden. Der Einblick in die Denkweise anderer Unternehmen sei schon allein deshalb enorm wichtig.
Für Renate Eger kam die Weitergabe ihres Personalmanagementunternehmens Eger+Eger innerhalb der Familie nicht infrage, weil ihre Kinder daran kein Interesse hatten. Also machte sie sich auf eine lange Suche nach einem Nachfolger, die dann während der Corona-Pandemie ihr Ende fand.
Den Richtigen zu finden, dem sie das Unternehmen, das sie selbst aufgebaut hatte, überlassen wollte, erwies sich als schwer. Kurz vor der Pandemie, die für die Zeitarbeitsbranche eine besondere Herausforderung war, stellte sie einen jungen Mann als Assistent der Geschäftsführung ein: „Zusammen haben wir dann die Pandemie gemeistert.“ Mittlerweile ist der junge Mann, Steffen Pohl, Geschäftsführer von Eger+Eger.
Auch Dr. Hans Mehringer ist Unternehmer in Ansbach, er ist Chef der Muggergittermacher. Bei seiner Firma dreht sich alles um Insektenschutz. Doch Mehringer gründete seine Firma weder selbst, noch bekam er sie vererbt. Er kaufte die Firma und verzichtete so auf ein hohes Gehalt als Geschäftsführer bei einem anderen Unternehmen.
Mehringer war bei der Übernahme besonders wichtig, selbst als Branchenneuling viel von seinen Beschäftigten zu lernen und auch so Respekt zu erlangen. Die weitere Nachfolge für den Betrieb sei aber schon geklärt: Sohn Christian, der im Publikum saß, soll übernehmen.
Nach den Beiträgen der drei Unternehmer gab es noch eine Podiumsdiskussion und anschließend Zeit und Raum für Networking und Gespräche. Am 27. Januar und am 10. Februar lädt das ANswerk zu individueller Beratung für Übergebende und Übernehmende ein. Dabei helfen auch die Handwerkskammer Mittelfranken und der Verein Aktivsenioren.