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Veröffentlicht am 27.04.2025 16:28

Wenn Schlumpfhausen zu Gast in Ansbach ist

Es gibt sie bereits seit 1988, längst ist die Comicbörse eine ernstzunehmende Veranstaltung und den Kinderschuhen entwachsen. Die nunmehr 55. Ausgabe machte einmal mehr die Anziehungskraft der Mini-Messe deutlich. Doch die Sorgen von Händlern wie Sammlern sind dieser Tage nicht eben klein: von Ansbach bis Schlumpfhausen.

Um die Relevanz so eines Treffens einordnen zu können, bedarf es womöglich auch eines Blickes in die Vergangenheit. Begonnen hatte alles vor inzwischen 37 Jahren; zu den ersten Börsen traf man sich noch im evangelischen Gemeindehaus, die Comicfreunde waren und blieben mehr oder minder unter sich. Das hat sich längst geändert, in doppelter Hinsicht.

Zum einen ist mit dem Wechsel ins Brücken-Center viel Laufkundschaft dazugekommen, erklärt Andreas Utschig, der zusammen mit Michael Hauer die Organisation stemmt. Auch am Samstag blieben immer wieder Menschen stehen, weil sie sich womöglich an ihre Lieblinge oder Helden aus ihrer Kindheit erinnerten. Offiziell gezählt wurden die Kunden noch nicht, der Umsatz bleibt aber ein untrüglicher Nachweis für die gesteigerte Frequenz.

Das hat aber auch andere Gründe, denn inzwischen ist die Ansbacher Comicbörse längst nicht mehr eine von vielen. „Vor 20 Jahren war ich noch beinahe jedes Wochenende auf einer Börse unterwegs“, erinnert sich Utschig.


Wir haben als einzige Regionalbörse überlebt.

Andreas Utschig

Doch die Möglichkeiten in Zeiten des Internets, Waren in Verkaufsportalen anbieten und ankaufen zu können, haben das Gros der Börsen sterben lassen. „Wir haben als einzige Regionalbörse in Süddeutschland überlebt“, sagt Utschig, und das klingt eher ein wenig traurig denn stolz. Immerhin: Durch die Konzentration auf einige wenige Börsen sind diese Veranstaltungen dann aber gut besucht. „Wir haben keine Probleme“, versichert Michael Hauer. Auch in Ansbach drängelten sich schon am Samstagmorgen wenige Minuten nach Eröffnung die Menschen durch die vielen Reihen an Comics, Sammelfiguren, japanischen Mangas und Superhelden. „Viele Sammler hängen noch ein, zwei Tage dran und machen hier Urlaub“, sagt Utschig zu den wirtschaftlichen Aspekten der Comicbörse.

Der Markt ist bunt, das Angebot ist so vielfältig wie die Erinnerungen der Menschen. Den Comicfreund gibt es nicht, jede Generation hat ihre Vorlieben und Genres. Prägten in den Nachkriegsjahren Western und Titel wie „Sigur, der Ritter“ das Bild, kamen Detektiv- von Rick Master und Tierstorys wie Lassie hinzu. Wer in den 1970er Jahren groß wurde, wird bei „Silberpfeil“ hellhörig. Das Problem: Die erste Generation, die in den 1950er Jahren mit Comics wie Micky Maus in Berührung kam, wird immer weniger.

„Wenn die Kinder mit Sammlungen nichts am Hut haben, kommt viel altes Material auf den Markt“, erklärt Utschig. Was er nicht dazu sagen muss: Das verdirbt die Preise. Zumindest kurzfristig. Grundsätzlich kann so eine Erstausgabe der berühmten Maus aus der Feder Walt Disneys im guten Zustand locker einen vierstelligen Preis erzielen.

Tief in die Tasche greifen müssen auch Schlumpfsammler. Der Ansbacher Jochen Botsch hat alle der blau-weißen und zipfelbemützten Figuren, also „die ursprünglichen Ausgaben, so um die 2000 Stück“, schätzt er. Daneben gibt es von fast jedem Modell so viele Farbvariationen wie Herstellungsländer; spezielle Auflagen wie die nur in den USA gefertigten Benjamin Franklin und George Washington werden hoch gehandelt.

Und das könnte bald noch kostspieliger werden. Denn die deutsche Herstellerfirma hat die Lizenz nach vielen Jahren nicht mehr verlängert. „Zu teuer“, unken die Händler: „Die Produktion ist eingestellt.“ Was dann aus Schlumpfhausen werden soll? Zu erfahren ist das spätestens bei der Comicbörse 2026.

Schlümpfe sind seit vielen Jahren sein geliebtes Hobby: Sammler Jochen Botsch weiß gar nicht mehr genau, wie- viele von den blau-weißen Figuren er bereits sein Eigen nennt. (Foto: Florian Pöhlmann)
Schlümpfe sind seit vielen Jahren sein geliebtes Hobby: Sammler Jochen Botsch weiß gar nicht mehr genau, wie- viele von den blau-weißen Figuren er bereits sein Eigen nennt. (Foto: Florian Pöhlmann)
Schlümpfe sind seit vielen Jahren sein geliebtes Hobby: Sammler Jochen Botsch weiß gar nicht mehr genau, wie- viele von den blau-weißen Figuren er bereits sein Eigen nennt. (Foto: Florian Pöhlmann)
Mitveranstalter Andreas Utschig mit einem Schatz in der Hand: Die gut erhaltene Erstausgabe eines Micky-Maus-Heftes. (Foto: Florian Pöhlmann)
Mitveranstalter Andreas Utschig mit einem Schatz in der Hand: Die gut erhaltene Erstausgabe eines Micky-Maus-Heftes. (Foto: Florian Pöhlmann)
Mitveranstalter Andreas Utschig mit einem Schatz in der Hand: Die gut erhaltene Erstausgabe eines Micky-Maus-Heftes. (Foto: Florian Pöhlmann)

Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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