Viele Menschen träumen davon, im Lauf ihrer Karriere beruflich noch einmal neu anzufangen. Aber eine weitere Ausbildung bedeutet oft einen großen finanziellen Verlust. Michael Heinzel hat für sich einen Weg gefunden, sich beruflich weiterzuentwickeln, ohne Gehaltseinbußen hinnehmen zu müssen.
Der 38-Jährige war in seinem alten Beruf „nicht mehr ganz glücklich“, wie er erzählt. Als geprüfter „Meister für Schutz und Sicherheit“ war er zehn Jahre lang als Pflegehelfer im Sicherheitsdienst der forensischen Psychiatrie in Ansbach tätig. Dort wandte er sich mit seinem Wunsch nach Veränderung an seinen Pflegedienstleiter. Dieser stellte den Kontakt zu Christina Hayek her, die bei den Bezirkskliniken für die Personalgewinnung und -entwicklung verantwortlich ist.
Sie wies Heinzel auf eine Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung hin, die es Arbeitnehmenden ermöglicht, sich beruflich weiterzubilden, ohne in dieser Zeit in ein finanzielles Loch zu fallen. Festgeschrieben ist das im Qualifizierungschancengesetz (QCG). „Ich hatte in meiner Ausbildung drei Umsteiger, die davon nichts wussten“, berichtet Michael Heinzel.
Von einem „Informationsdefizit“ spricht auch Hayek. Die Bezirkskliniken Mittelfranken – und auch der Klinikverbund ANregiomed – setzen das Gesetz gezielt ein, um erfahrene Arbeitskräfte für die Pflegeausbildung zu gewinnen und so langfristige berufliche Perspektiven im Gesundheitsbereich zu schaffen, erläutert Christina Hayek.
Aktuell zahlen die Bezirkskliniken das Ausbildungsgehalt. Den restlichen Unterschied zum früheren Gehalt übernimmt zumindest im Ansbacher Bereich die Agentur für Arbeit. Beim Alter gibt es keine feste Obergrenze und man muss auch nicht zuvor bei den Bezirkskliniken gearbeitet haben. Berufliche Umsteiger sind ebenso willkommen wie Menschen, die „ohne Ausbildung in den Pflegebereich gerutscht sind“ und dies nun nachholen wollen. „Die Bezirkskliniken sind mir sehr entgegengekommen“, berichtet Heinzel.
Den Pflegebereich kannte er nicht nur aus seiner vorigen Tätigkeit. Seine Mutter ist Krankenschwester und weitere Familienmitglieder sind in der Pflege tätig. Mittlerweile hat Michael Heinzel seine Ausbildung zum Pflegefachmann abgeschlossen und arbeitet in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Bezirksklinikums Ansbach.
Im zweiten Jahr seiner dreijährigen Ausbildung lernte er unter anderem diesen Bereich kennen. „Da will ich arbeiten“, dachte sich Heinzel, der selbst Vater von zwei Kindern ist. „In den Wunschbereich zu kommen, ist leicht“, sagt er – Pflegekräfte werden schließlich überall gesucht. „Ja, wenn die persönlichen Voraussetzungen vorliegen“, ergänzt Christina Hayek.
Es ist ein Bereich, in dem man viel bewegen kann, sagt der Pflegefachmann zur Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zahlreiche Elterngespräche sind nötig und die vielfältigen Krankheitsbilder der jungen Menschen bringen Herausforderungen mit sich. Seine Lebenserfahrung ist dabei ein Vorteil, meint Heinzel, denn man habe schon mehr erlebt als jemand, der gerade von der Schule kommt. Im Kollegenkreis sei er „sehr herzlich“ aufgenommen worden.
Die Entscheidung, die Chance zur Weiterentwicklung zu nutzen, hat er nach eigenen Worten „noch keinen Tag bereut“. Nicht zuletzt verdient er heute deutlich mehr als früher. Und das muss noch nicht das Ende der Karriereleiter sein: Mit der Ausbildung steht ihm der Weg offen, Stationsleitung zu werden oder sogar Pflegemanagement zu studieren und als Führungskraft Verantwortung zu übernehmen. „Ich würde es jedem empfehlen, der Interesse an der Pflege hat“, zieht Michael Heinzel Bilanz.