Wie Biber einem Ehepaar in Dombühl das naturnahe Wohnen vermiesen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.02.2025 08:00, aktualisiert am 08.02.2025 13:11

Wie Biber einem Ehepaar in Dombühl das naturnahe Wohnen vermiesen

Von der im Winter ungeminderten Aktivität der am Weiher ansässigen Nagetiere zeugt dieser frisch bearbeitete Baum. (Foto: Jürgen Binder)
Von der im Winter ungeminderten Aktivität der am Weiher ansässigen Nagetiere zeugt dieser frisch bearbeitete Baum. (Foto: Jürgen Binder)
Von der im Winter ungeminderten Aktivität der am Weiher ansässigen Nagetiere zeugt dieser frisch bearbeitete Baum. (Foto: Jürgen Binder)

In einem kleinen Ort naturnah wohnen: Diesen Traum erfüllten sich Doris und Hubert Gockel-Böhner in Ziegelhaus bei Dombühl am Dorfweiher. Den finden als Lebensraum aber auch Biber attraktiv, weshalb es im menschlich-tierischen Nachbarverhältnis, das lange intakt war, nun heftig kriselt. Es droht gar der Einsturz einer Mauer, was auch den Angelverein umtreibt.

Biberrevier ist das rund 2,7 Hektar große Gewässer schon seit vielen Jahren. Lange beschränkte sich die Aktivität der Nagetiere auf das vom Dorf abgewandte Nordufer, wo das nicht weiter ins Gewicht fiel. Das änderte sich, als die hochaktiven Tiere die Ostseite des Sees für sich entdeckten, denn direkt an der Wasserkante verläuft dort die Ortsstraße. An deren zum Weiher hin gelegenen Seite zeigten sich nach und nach Risse und Verdrückungen, weil Biber die Böschung an diversen Stellen unterhöhlt hatten, wodurch der Unterbau der Straße nachgab.

Erinnerung an Vorfall mit einem Schulbus

Vor ein paar Jahren kam es in diesem Bereich zu einem skurril anmutenden Zwischenfall mit dem Schulbus, der dort planmäßig hält. Unter einem der Räder bildete sich in diesem Moment ein Loch. Der Bus brach also förmlich ein. Es entstand zwar kein ganz großer Sachschaden. Die Gemeinde musste aber tätig werden und die Straße reparieren lassen. Ausbesserungsmaßnahmen an der Fahrbahn waren seither des Öfteren fällig. Auch im Böschungsbereich mussten mit Schotter immer wieder Löcher gefüllt werden, die durch absackendes Erdreich infolge von Biberunterhöhlung entstanden waren.

Am Südufer des Weihers steht das Haus des Ehepaars Gockel-Böhner. Zum See hin wird das Grundstück von einer stattlichen Natursteinmauer abgegrenzt. Die Eigentümer hatten sie vor einigen Jahren von einem Fachbetrieb errichten lassen. Damals dachte niemand an den Biber, der an den anderen Weiherseiten ja genug Platz hatte. Doch offenbar siedelte sich just in diesem Bereich im vergangenen Jahr eine neue Nagerfamilie an und legte munter los.

Erhöhte Stolpergefahr für die Angelfreunde

Das merkten relativ schnell die Angelfreunde Unterampfrach, die den Weiher als Fischereigewässer gepachtet haben. Denn auf dem schmalen Streifen zwischen Bebauung und Wasser, der zu den bevorzugten Angelplätzen der Aktiven zählt, häuften sich die Mulden, die durch Biberunterhöhlung entstanden; es stieg infolgedessen die Stolpergefahr.

Zu einem massiven Problem wuchs sich das Ganze aber wegen der Natursteinmauer des Ehepaars Gockel-Böhner aus, denn wegen der Biberhöhlen im Böschungsbereich kam es zu Absackungen. Sichtbar wurde das am vorderen Teil des im Garten verlaufenden Wegs, wo durch ein an der Seite klaffendes Loch in einen Hohlraum geblickt werden kann. Das Pflaster ist an der Stelle nicht mehr sicher begehbar. Gleichzeitig geriet die Steinmauer in Schieflage und droht, nach vorn zum Ufer hin einzustürzen. Deshalb bestand nun Handlungsbedarf. Beim Ortstermin mit Bürgermeister Jürgen Geier wurde festgelegt, den Zugang zum Uferstreifen von der Straße her aus Sicherheitsgründen sofort zu sperren.

Sanierung würde ins Geld gehen

Wie es weitergeht, ist offen. Hubert und Doris Gockel-Böhner stehen in Kontakt mit einem Fachbetrieb, der empfiehlt, die Mauer abzubauen, um sie auf einem entsprechend tiefen und bibersicheren Betonfundament neu zu errichten. Kosten würde das angesichts einer Länge von über 30 Metern 40.000 Euro oder mehr. Aus dem staatlichen Biber-Schadensfonds gäbe es dafür keine Mittel, denn der ist gedacht für den Ausgleich von Schäden im land-, forst- oder teichwirtschaftlichen Bereich, nicht für dem Nager anzulastende Probleme an Wohnanwesen.

Die beiden haben sich dennoch juristischen Bestand geholt. Anwalt Dr. Alfred Meyerhuber glaubt zwar nicht, wie er bei dem Ortstermin betonte, dass dem Ehepaar auf Basis des geltenden Rechts zu einem Ausgleich verholfen werden kann. Er sieht in der Sache aber Potenzial für eine zivilrechtliche Klage gegen den Freistaat. Dessen Unterstützung bei Biberschäden stoße hier definitiv an Grenzen. Da müsse nachgebessert werden, vielleicht über ein Präzedenzurteil, sagt Meyerhuber.

Was kurzfristig helfen könnte

Bis ein solches vorliege, kann aber nicht mit Gegenmaßnahmen gewartet werden. Kurzfristiges Ziel sei, die Biber davon abzuhalten, das Südufer des Dorfweihers noch stärker auszuhöhlen. Da könnte laut Bürgermeister Jürgen Geier die Anbringung spezieller Schutzmatten an der Böschung helfen. Abgestimmt werden muss ein solcher Schritt mit der Unteren Naturschutzbehörde.

Theoretisch könnte eine Genehmigung dafür beantragt werden, den Biberbestand am Ziegelhausweiher durch Bejagung zu dezimieren oder Tiere in Fallen zu locken und umzusiedeln. Doch daran denkt keiner der Beteiligten. „Wenn wir da jetzt ein paar wegfangen, sind bald wieder die nächsten da“, so die Überzeugung von Biberberater Fritz Leidenberger. Letztendlich müsse man sich mit den Nagern arrangieren, auch wenn das mit Aufwand verbunden sei.

So sehen das trotz allen Ärgers auch die betroffenen Nachbarn. Als Lebewesen, betont Hubert Gockel-Böhner, sei ihm der Biber jedenfalls alles andere als unsympathisch.

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