Um zwölf kleine Patienten kümmern sich Pamela Nieschler und das Team der Igelhilfe Wilhelmsdorfer Stachelritter derzeit. Oft sind es mehr. Sie hoffen, dass es alle Tiere schaffen. Dies gelingt nicht immer, bei manchen sind die Verletzungen zu schwer. Behandelt werden sie seit Pfingsten im neuen Igelkrankenhaus in der Edisonstraße 4.
Untergebracht ist die Klinik in einem Doppel- und zwei Einzelcontainern, die hinter einer Firmenhalle platziert wurden. Pamela Nieschler ist froh, nach zweijähriger Suche endlich diese Örtlichkeit zur Verfügung zu haben. Zuvor waren die stacheligen Patienten im Privathaus der Nieschlers gepflegt worden. „Eine Dauerlösung war das nicht.“ Das Krankenzimmer platzte aus allen Nähten. Daneben war es mit der Privatsphäre der Familie nicht weit her, wenn täglich der Putzdienst anrückte, Tierchen abgegeben oder Spenden geliefert wurden.
Im neuen Domizil gibt es vor allem eines: Genug Platz. Ein Empfangsbereich, ein kleines Büro, ein geräumiges Behandlungszimmer, in dem auch die durchsichtigen Plastikboxen mit den possierlichen Vierbeinern stehen, eine Küche mit Wasch- und Spülmaschinen, Lagerraum und ein WC sind nun vorhanden. Eine Klimaanlage soll noch installiert und ein Dach über den Containern errichtet werden. Das kostet Geld. Allein für die Container und deren Innenausbau waren rund 22.000 Euro zu berappen. Weitere Spenden sind willkommen. Andere Unterstützungsquellen gibt es für das ehrenamtlich agierende Team nicht.
Auch wenn die Truppe rund 20 Ehrenamtliche umfasst, so sind weitere Helferinnen und Helfer willkommen. „Wir suchen auch wieder Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Schuljahres, FSSJ.“ Interessierte können sich einfach melden.“ Dies geht am besten unter der Nummer 0151/74598790 oder per Mail unter igelhilfewilhelmsdorf@gmx.de.
Zu tun gibt es genug, vor allem von August bis Dezember, wenn die kleinen Igel da sind. Gerade im Sommer werden viele der stacheligen Vierbeiner durch Freischneider und Tellersensen verletzt – die in zahlreichen Gärten inzwischen beliebten Mähroboter können ebenfalls schlimme Blessuren verursachen.
Nieschler rät dringend, vor Beginn der Mäharbeiten die Wiese abzulaufen und nach Igeln Ausschau zu schauen. Im Sommer schlafen sie dort in ihren Nestern. Feste Nester haben sie für den Winterschlaf oder wenn sie Junge haben, sagt die Wilhelmsdorferin. Neben den stacheligen Patienten mit teils schwersten Verletzungen, die etwa durch Sensen entstanden, leiden andere Tiere an heftigem Husten, Darm- und Blasenentzündungen und Pilzerkrankungen. Etliche sind halb verhungert, weil sie zu wenig Nahrung finden.
In der Not fressen sie Regenwürmer und Schnecken. „Diese machen die Igel krank, führen zu Darmerkrankung und Parasitenbefall.“ Kommt man in der Igelklinik nicht weiter, wird ein Tierarzt konsultiert.
Viel Arbeit und Geduld ist erforderlich, um Babyigel über den Berg zu bringen. „Sie müssen alle zwei bis drei Stunden mit der Pipette eine spezielle Aufzuchtmilch bekommen – auch nachts. Wir versuchen auch, die Kleinen einer anderen Mama unterzuschieben.“ Manchmal klappt das.
„Viele Menschen räumen in ihren Gärten zu viel auf.“ Spinnen, Larven, Raupen und Käfer stehen normalerweise auf der Speiseplan, kommen aber immer seltener vor. Hier hilft es, das Laub im Garten zu belassen, einheimische Gewächse zu platzieren und Totholz aufzuschichten. Mit einfachen Mitteln kann man viel erreichen.
Die Stachelritter sind Verfechter der Ganzjahresfütterung, denn gerade nach dem Winterschlaf fänden die Tiere zu wenig Nahrung. Auch für weibliche Igel mit Jungen ist es gut, wenn sie Nahrung vor Ort bekommen, dann müssen sie sich nicht zu weit von den Kleinen entfernen, um Essbares zu finden. Ist die Mutter gut ernährt, hat sie genug Milch für den Nachwuchs, der wiederum gut wächst, so Nieschler.
Was sollte man füttern? Von speziellem Igelfutter rät sie ab. Sie empfiehlt hochwertiges Katzenfutter mit einem Fleischanteil von mindestens 60 Prozent und zwar ohne Getreide. Dazu sollte man ein Schale mit Wasser stellen. Von diesem profitieren andere tierische Gartenbewohner ebenfalls.
Woran merkt man, dass es einem Igel nicht gut geht ,wenn er keine erkennbaren Verletzungen hat? Wenn er apathisch wirke, sei das kein gutes Zeichen. „Igel sonnen sich nicht“, betonte Nieschler. Wer sich nicht sicher ist, ob es den Tierchen gut geht, sollte sich schnell mit den Wilhelmsdorfer Stachelrittern in Verbindung setzen.
Manches Mal hilft schon eine Videodiagnose oder man bringt die Tiere in die Klinik. Einige nehmen sie dann wieder mit und päppeln sie zu Hause auf. In diesem Jahr wurden bis April doppelt so viele Vierbeiner abgegeben wie im Vorjahr.
„Igel sind die Tiere des Jahres und auch Thema in den Schulen, das sensibilisiert.“ Wenn die Tierchen wieder gesund sind, werden sie ausgewildert in der Hoffnung, dass sie von weiterem Schaden verschont bleiben.