„Es ist heute nicht so gut gelaufen für uns“, sagt Buket Demirci enttäuscht. Bei der Betriebsversammlung am Freitag bekamen sie und ihre Mitstreiter keine Mehrheit, um Vorbereitungen für eine Betriebsratswahl am XXXLutz-Standort in Uffenheim-Langensteinach treffen zu können. Sie führt das Ergebnis auf die Angstmacherei der Chef-Etage zurück.
Buket Demirci, Marina Stoyanova und Marco Hochreuter hatten für den Wahlvorstand kandidiert. Sie wollten damit die Grundlage für einen späteren Betriebsrat beim Möbelriesen am Standort Langensteinach legen und alle nötigen Vorbereitungen treffen. Dafür wäre aber eine Mehrheit nötig gewesen. Nur 44 Mitarbeiter haben sich getraut, zur Betriebsversammlung zu gehen, berichtet Demirci im Gespräch – 21 waren für den Vorstand mit Demirci, Stoyanova und Hochreuter, 23 dagegen.
„Wir wussten von Anfang an, dass es schwer wird“, sagt die Uffenheimerin am Telefon. Sie berichtet einmal mehr von massivem Druck, den Führungskräfte aufgebaut hätten, damit sich die Angestellten nicht zur Versammlung trauten.
Als Beweis für ihre These legt Demirci zahlreiche, interne Chat-Verläufe vor. Wer für das Trio wählt, werde gekündigt: Von dieser Drohung berichteten mehrere. Andere schrieben einfach nur: „Respekt, dass ihr das macht.“ Buket Demirci hat nach eigenen Angaben außerdem gesehen, wie der Gebietsleiter die Mitarbeiter zur Wahl begleitet hat.
Entsprechend wertet sie das knappe Ergebnis von 21 zu 23 Stimmen gegen den Wahlvorstand, in dem sie Mitglied gewesen wäre, als Teilerfolg. Schließlich hätten alle mitbekommen, was mit den sechs Betriebsratskandidaten passiert ist – fünf und ein Sympathisant waren gekündigt und sofort freigestellt worden, Demirci selbst wurde nur freigestellt. Viele Kollegen hatten Angst, ihnen könnte dasselbe Schicksal drohen, und seien deshalb nicht zur Versammlung gekommen.
Die Betriebsversammlung von Demirci und ihren Mitstreitern fand am Freitag um 13 Uhr statt. Derweil halten sich hartnäckig Gerüchte, dass bereits für 9 Uhr am selben Tag zu einer Betriebsversammlung einer zweiten Liste geladen wurde, was rechtlich umstritten wäre. Eine XXXLutz-Anwältin hatte vor dem Nürnberger Arbeitsgericht beteuert, davon nichts zu wissen, sei in Langensteinach aber vor Ort gewesen, berichtet Demirci. „Das hat die Chef-Etage inszeniert.“
Sie habe zwar keinen festen Beweis dafür – außer Nachrichten von Kollegen –, für sie sei das aber „glasklar“, so Demirci. Die Führungsriege wolle eine eigene Kandidatenliste ins Leben rufen, damit XXXLutz in Langensteinach einen Betriebsrat präsentieren kann. Aber die Mitglieder seien alle „obrigkeitshörig“. Auf eine Anfrage reagierte die Pressestelle des Unternehmens am Wochenende nicht.
„Wir haben an der Betriebsversammlung um 9 Uhr nicht teilgenommen, weil wir diese Wahl nicht anerkennen“, sagt Demirci. Sie und ihre Mitstreiter wollen den Wahlvorstand der zweiten Liste gerichtlich angreifen, weil sie ihn für rechtswidrig halten. Ihre Erfolgsaussichten schätzen sie entsprechend als gut ein.
Aber es gibt noch eine andere Neuigkeit, erklärt die Uffenheimerin. Die Pressestelle der XXXL-Group hatte auf Nachfrage unserer Redaktion versichert, dass die Kündigungen des Sextetts nichts mit der angepeilten Betriebsratswahl, sondern mit Umstrukturierungen in der Firma zu tun habe. Ein Blick ins Internet zeigt laut Demirci: Mittlerweile seien alle Stellen neu ausgeschrieben, per E-Mail schickt sie die Annoncen.
„So viel zum Thema Umstrukturierung“, sagt Demirci. „Die wollen uns alle für blöd verkaufen.“ Das Vorgehen des Unternehmens bezeichnet sie als „sehr dreist“. Trotzdem: „Wir machen weiter, auch wenn es ein langer Weg wird.“